TOP-THEMA
Europa






CoopCamp Energiewende 2025Digitalisierung als Motor für moderne Genossenschaften

Blick in den Veranstaltungsraum des CoopCamp in Weimar
Das Team von #GenoDigital begrüßt die Teilnehmenden zum CoopCamp für eine genossenschaftliche Energiewende (Foto: naturstrom AG/Franziska Mehrbach)

Die Initiative #GenoDigital hatte nach Weimar eingeladen, um zur Energiewende live zu debattieren. Zeitgleich startete die digitale Plattform openGeno, die Verwaltung, Vernetzung und Wachstum im Genossenschaftsumfeld ermöglicht.

19.11.2025 – Der Plan: Genossenschaften zur digitalsten Rechtsform Deutschlands zu verhelfen. Die Visionäre hinter dem Plan: die Initiative #GenoDigital, die am vergangenen Samstag Energiegenossenschaften und deren Unterstützer zum CoopCamp nach Weimar geladen hatte.  Denn Genossenschaften stehen wie keine andere Rechtsform für demokratische Beteiligung, kämpfen aber in der Praxis mit Verwaltung und Kommunikation.

Die Initiative fördert seit 2020 die digitale genossenschaftliche Arbeit. Wie beim Barcamp üblich, bestimmten die Teilnehmenden am Wochenende die Agenda selbst. Direkt vor Ort wurden weit über 20 Session-Ideen aus den Bereichen Kooperation, Finanzierung, Mitgliederwerbung und Kommunikation eingebracht. Nach der Interessensabfrage per Handzeichen schafften es 16 auf die finale Agenda.

CoopCamp in Weimar mit Fokus auf Energiewende

Beim CoopCamp in Weimar lag der Fokus zum ersten Mal auf der Energiewende. Zuvor hatten bereits zwei CoopCamps in Berlin stattgefunden, die Genossenschaften im Wohnungsbau-, Sozial- oder Kreditgewerbe im Fokus hatten. Das Team #GenoDigital des Vereins Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland e.V. hat sich in den vergangenen fünf Jahren dafür eingesetzt, Genossenschaften zur digitalsten Rechtsform Deutschlands zu verhelfen.

Erste Erfolge gibt es.  Die Initiative hat erreicht, dass seit Jahresbeginn 2025 ein digitaler Genossenschaftsbeitritt sowie eine digitale Gründung und Eintragung ins Genossenschaftsregister erlaubt sind. Möglichkeiten, die den meist ehrenamtlich tätigen Personen viel Zeit, Papier und Bürokratie ersparen können.

Für die finanzielle und inhaltliche Kooperation des CoopCamps Energiewende in Weimar waren die Bürgerwerke eG sowie die Volksbank Mittweida eG involviert. Als weitere regionale Partner unterstützten der Verband BürgerEnergie Thüringen e.V.  sowie die sehr engagierte Energiegenossenschaft Ilmtal eG das Format.

Kommunikation mit dem Netzbetreiber und andere Hürden

Eine Herausforderung, die fast alle Bürgerenergie-Genossenschaften betrifft, ist beispielsweise die teilweise schwierige und zähe Kommunikation mit dem zuständigen Netzbetreiber. Vor der Inbetriebnahme einer Stromerzeugungseinheit wie einer Photovoltaik-Anlage muss eine Einspeisegenehmigung beim örtlichen Stromnetzbetreiber beantragt werden. Lange Wartezeiten, fehlende Rückmeldungen und unklare Zuständigkeiten führen während der Projektentwicklung oft zu Frust und manchmal sogar zur Verhinderung von Energiewende-Projekten. In der diesbezüglichen Session der WirMachenEnergie eG aus Mittelsachsen teilten die Genossenschaftler Strategien zur Kommunikation mit Netzbetreibern: beständiges Rückfragen, direkter Kontakt zu zuständigen Mitarbeitenden oder zur Not auch das Einschalten eines Anwalts.

In weiteren Sessions fanden sich einige niederschwellige und kostenlose Angebote für Bürgerenergie-Genossenschaften wie das CommunitE-Projekt für gemeinschaftliche Energieversorgung in Thüringen, das Kommunikations-Paket „Sonne, Wind und Wissen“ von naturstrom oder die Finanzierungs-Plattform valueverde.

Düsseldorf und weitere Orte für kommende CoopCamps

Um noch mehr Erfahrungsaustausch unter den rund 7.800 Genossenschaften in Deutschland zu erreichen, wird das nächste CoopCamp am 12. Januar 2026 in Düsseldorf stattfinden, diesmal mit einem thematischen Fokus auf die Zukunft von Wohnungsgenossenschaften. Außerdem ruft #GenoDigital dazu auf, selbst ein CoopCamp in der eigenen Region, Branche oder dem Verband zu initiieren. Bei der Umsetzung solcher und weiterer Events unterstützt das Team von #GenoDigital.

Bündnis aus Genossenschafts- und IT-Kompetenz gründet Plattform openGeno

Direkt nach dem interaktiven Barcamp gaben drei Akteure ihr Joint Venture openGeno bekannt: Eine zentrale Plattform, die Verwaltung, Vernetzung und Wachstum im Genossenschaftsumfeld ermöglicht. Und das alles zu hundert Prozent digital. Wofür sich #GenoDigital in den letzten Jahren auf politischer Ebene eingesetzt hat, macht openGeno mit seiner neuen Softwarelösung nun in der Praxis möglich.

Die Dachgenossenschaft Bürgerwerke, die Energiegenossenschaften EGIS und Heidelberger Energiegenossenschaft sowie die Digitalagentur krawall & wunder haben sich zusammengetan, umdie Beziehung zwischen Genossenschaften und ihren Mitgliedern zu digitalisieren.

„Es gibt bisher keine zeitgemäße Softwarelösung, die die Mitglieder einer Genossenschaft wirklich in den Mittelpunkt stellt. Deshalb haben wir uns zusammengetan, um diese Lücke mit Leben zu füllen und uns sowie vielen anderen Genossenschaften ein modernes Werkzeug zur Verfügung zu stellen“, erklärt Nicolai Ferchl, Vorstand der Heidelberger Energiegenossenschaft, Pascal Lang, Vorstand der EGIS eG, ergänzt: „Die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen ist kein Selbstzweck. Sie soll den Alltag vereinfachen und mehr Raum für das schaffen, was Genossenschaften ausmacht: gemeinschaftliches Handeln. Genau das wird mit openGeno möglich.“ Franziska Mehrbach

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen