Energiewende-Studie Öko-Institut: Erneuerbare Energien gerecht verteilen

Eine gerechte Verteilung von Erneuerbaren ist nicht nur eine politische Frage, sondern hat Auswirkungen auf Stromerzeugung, Emissionen, Strompreise und Importbedarf. Eine Studie zeigt Gerechtigkeitsaspekte und Auswirkungen auf das Stromsystem.
28.07.2025 – Die Energiewende läuft, laut Umfragen ist die Mehrzahl der Bürger in Deutschland für einen Ausbau der Erneuerbaren Energien. Und dennoch mangelt es vielerorts noch an der Akzeptanz, vor allem wenn der Ausbau vor der eigenen Haustür stattfinden soll, an der Verteilung der Flächen und Standortwahl oder auch an ungenügender Information oder Beteiligungsmöglichkeiten. Wie kann eine gerechte Verteilung von Erneuerbaren Energien aussehen?
Dieser Frage hat sich das hat das Öko-Institut gestellt und in zwei neuen Studien verschiedene Gerechtigkeitsaspekte untersucht sowie aufgezeigt, wie sich die unterschiedlichen Ansätze auf das Stromsystem auswirken. Die Berichte liefern eine datenbasierte Grundlage, um über eine regional gerechte, systemisch sinnvolle und sozial verträgliche Verteilung von Erneuerbaren Energien zu diskutieren, so die Studienautoren.
Die Datensätze stehen allen zur Verfügung
Bei der Planung für den Ausbau Erneuerbarer Energien können verschiedene Gerechtigkeitsaspekte einbezogen werden, um zu sehen, wie viel in jeder Region gebaut werden muss. Beispielhaft wurde dieser Datensatz mit der Region Oderland-Spree verwendet und im Rahmen eines Workshops mit den Beteiligten der Region die Ergebnisse erörtert. Zudem kann der Datensatz auch wissenschaftlich für Strommarktanalysen genutzt werden, die damit um die verschiedenen Gerechtigkeitsaspekte erweitert werden können.
Zügige, konfliktarme Planung
Als verschiedene Gerechtigkeitsaspekte wurden in der Analyse etwa eine gleichmäßige Verteilung über die verfügbare Fläche, ein Fokus auf Regionen mit hoher Stromnachfrage oder ein Ausbau anhand einer gleichen Belastung der Bevölkerung ausgemacht. Dabei gibt es laut Studie nicht eine allgemeingültige gerechte Verteilung, sondern viele gleichberechtigte Perspektiven. Unterschiedliche gesellschaftliche Vorstellungen von fairer Verteilung lassen sich demnach systematisch erfassen, in Raumplanung übersetzen und rechnerisch darstellen. Dafür werden in der Studie mehrere Gerechtigkeitsmetriken kombiniert und anschließend berechnet, auf welchen Flächen sich die Vorstellungen überschneiden.
Das Ergebnis der Schnittmengen sind sogenannte Konsensräume. Mit diesen methodisch ermittelten Konsensräumen liegt eine Datengrundlage vor, mit der politisch über regionale Ausbauziele diskutiert werden kann. Sie sind anschlussfähig, da nicht nur technische, sondern auch gesellschaftliche Ausbaubedingungen berücksichtigt werden. Konfliktarme Flächen würden so identifiziert und Prioritäten in der Planung transparent sichtbar.
Auswirkungen auf das Stromsystem
Die Studie zeigt, dass sich je nach gewähltem Verteilprinzip Stromerzeugung, Systemkosten, Emissionen und Importbedarf zum Teil erheblich ändern. Dies sei besonders bei Windenergie auffällig, bei Freiflächen-Photovoltaikanlagen sind dagegen kaum Unterschiede festzustellen. Dadurch entstehen hier Gestaltungspielräume, so die Studienautoren: Gesellschaftliche Kriterien wie Landschaftsschutz, lokale Teilhabe oder Akzeptanz könnten bei der Standortwahl für Photovoltaik-Freiflächen deutlich stärker gewichtet werden – ohne Effizienzverluste befürchten zu müssen. Gleichzeitig werde bei der Windenergie deutlich: Viele Formen von Gerechtigkeit sind für das Stromsystem tragbar, wenn auch nicht alle vorteilhaft sind. Beispielsweise steigt der Bedarf an Anlagen oder Importstrom, wenn Windanlagen dort gebaut werden, wo viel Strom verbraucht wird oder viele Menschen wohnen.
Forschungsprojekt EmPowerPlan
Die beiden Berichte sind Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt EmPowerPlan. Dort wurde gemeinsam mit dem Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung und dem Reiner-Lemoine-Institut untersucht, wie der Ausbau Erneuerbarer Energien regional gerecht, systemisch sinnvoll und sozial verträglich gestaltet werden kann.
Neben der Modellierung von gerechten Verteilungen und Strommarkteffekten wurde in einem transdisziplinären Beteiligungsprozess mit der Region Oderland-Spree ein Konzept entwickelt, wie Beteiligung in Regionalplanung frühzeitiger, inklusiver und sachorientierter ablaufen kann. na
Hier geht’s zu den Studien:






















































