Bürgerenergie-Konvent: Gemeinsam Kraft tanken für die Energiewende aus Bürgerhand

Unter dem Motto „Starke Gemeinschaften, starke Regionen – für eine krisenfeste Zukunft“ kamen am vergangen Wochenende Bürgerenergie-Aktive aus ganz Deutschland zusammen.
14.05.2026 – Es ist das jährlich wichtigste Vernetzungs-Treffen für deutsche Bürgerenergiegemeinschaften: nachdem der Bürgerenergie-Konvent die letzten beiden Jahre in Berlin stattfand, kam die Veranstaltungs-Location in Hirschaid, südlich von Bamberg, in diesem Jahre Genossenschaften aus dem Süden Deutschlands entgegen. Über 200 Teilnehmende zeigten am 8. und 9. Mai, wie groß die Kraft der meist ehrenamtlich betriebenen Energiewende aus Bürgerhand ist.
Reichweite schaffen durch soziale Medien
In einer Keynote zeigte Wissenschaftskommunikatorin Dr. Eva-Maria Grommes, wie man Beiträge auf Social Media konzipiert, um Akzeptanz für die Energiewende und Reichweite für Bürgerenergieprojekte zu schaffen. Dabei ist die Zielgruppe auf den verschiedenen Plattformen nicht so homogen wie gedacht: auf TikTok folgen der jungen Content-Creatorin besonders viele Menschen über 55. Grommes empfahl die Plattform auch, um neue, weniger energiewende-affine Zielgruppen zu erreichen.
Regionale Energiewende in Oberfranken
Für die Podiumsdiskussion "Power für die Region: Wie lokale Wertschöpfung durch erneuerbare Energien vor Ort wirkt“ hatte das Bündnis regionale Sprecherinnen und Sprecher eingeladen. Bürgermeister Jörg Neubauer berichtete vom langen, aber lohnenden Atem, der auf dem Weg zum Bürgerwindpark Weißenbrunn notwendig war. Wie relevant verlässliche Ansprechpartner vor Ort seien, betonte Jonas Glüsenkamp, zweiter Bürgermeister der Stadt Bamberg. Das könnten Kommunen, aber auch Bürgerenergiegemeinschaften wie die Bamberger fei eG sein.
Für die Bundestagsabgeordnete Lisa Badum (Bündnis 90/ Die Grünen) aus dem Wahlkreis Bamberg-Forchheim stellte sich die Frage, warum solche positiven Geschichten nicht mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erhalten und Informationen wie die aktuelle Studie zur regionalen Wertschöpfung durch erneuerbare Energien sogar von der Bundesregierung zurückgehalten werden.
Der Ausbau erneuerbarer Energien ist zentraler Motor für regionale Wertschöpfung, bessere Lebensverhältnisse und ein stärkeres gesellschaftliches Miteinander in den Regionen. Das zeigt eine zuletzt vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) veröffentlichte Studie, die bereits vom vorherigen Wirtschaftsminister Robert Habeck beauftragt wurde. Eine Kommunikation der aktuellen Hausherren des Wirtschaftsministeriums zu den Ergebnissen gab es jedoch nicht, sie wurde lediglich auf den Seiten des BMWE ohne Kommentar hochgeladen.
Neuer Auftritt und Verleihung des Michal-Sladek-Preis
Feierlich wurde in Hirschaid zudem das neue Corporate Design mit neuem Logo des Bündnis Bürgerenergie präsentiert und zum zweiten Mal der Michael-Sladek-Preis für Bürgerenergie verliehen. Der Preis erinnert an den 2024 verstorbenen Klimaaktivisten und Mitgründer der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) und ehrt Personen, die wie er ihr ehrenamtliches Engagement der Stärkung und Weiterentwicklung der deutschen Bürgerenergie gewidmet haben.
Einer der Preisträger ist in diesem Jahr Reinhard Guthke, Mitgründer der BürgerEnergie Jena eG und des Dachverbands Bürgerenergie Thüringen. Als Pionier der thüringischen Bürgerenergie vermittelt er seit Jahrzehnten mit Geduld und Freundlichkeit zwischen Politik, Kommunen und Bürgerschaft.
Ein weiterer Preis ging nach Rheinland-Pfalz an Dr. Verena Ruppert, Mitgründerin der UrStrom Bürgerenergie und des rheinland-pfälzischen Landesnetzwerks BürgerEnergieGenossenschaften (LaNEG e.V.). Ihren Humor und ihre Sachkunde lobte Hermann Falk von der Naturstrom Stiftung, die den Preis mitfinanziert.
Praxisbeispiele im Rahmenprogramm
Das Rahmenprogramm zeigte, wie Nachhaltigkeit und Energiewende in der Praxis gelebt wird und anschaulich vermittelt werden kann. Die Lesung von Michael Bukowski aus seinem Buch „Deutsches Sonnenmärchen“ motivierte als Erfolgsstory über die Solarenergie in Deutschland zu neuen Projekten, eine Führung durch den Veranstaltungsort „Energiepark Hirschaid“, dem einzigen zertifizierten EU Green Building in der Veranstaltungsbranche, zeigte Praxis-Highlights wie eine fassadenintegrierte Photovoltaikanlage und Kleinwindanlagen.
Zwanzig Konvent-Besucherinnen und Besucher ließen sich zudem bei einem von der naturstrom AG veranstalteten „Kneipenquiz“ von dem neuen buchbaren Quizkarten-Set rund um Fakten und Mythen der Wind- und Solarenergie überzeugen.
Workshops zu neuen Geschäftsmodellen der Bürgerenergie
Viel Vernetzung zu innovativen Techniken und Produkten wurde ebenfalls geboten. Die Bürgerwerke eG stellten im Plenum ihr neues Pilot-Angebot zum lang erwarteten Energy Sharing vor, das Möglichkeiten des geteilten Community-Strom auch außerhalb des gesetzlich geregelten §42c EnWG austesten will.
In den für den Konvent typischen offenen Workshops diskutierten die Teilnehmenden, wie beispielsweise Batteriespeicher oder Energy-Sharing-Produkte Geschäftsmodelle für Bürgerenergiegesellschaften darstellen können. Im Workshop zur genossenschaftlichen Wärmeplanung gaben die EGIS eG und „nahwärme-eichkamp.berlin“ Einblicke in Möglichkeiten der Wärmeversorgung auf dem Land und in der Stadt. Einig waren sich die Teilnehmenden, dass eine kommunalen Wärmeplanung nur dann wertvoll ist, wenn aus der Analyse konkrete Projekte werden. Bestenfalls mit Genossenschaften als Betreibern. Franziska Mehrbach






















































