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Ist eine bürgernahe Energiewende machbar?

Viele Menschen engagieren sich inzwischen für eine bürgernahe Energiewende mit verstärkten Partizipationsmöglichkeiten. (Foto: © BBEn)
Viele Menschen engagieren sich inzwischen für eine bürgernahe Energiewende mit verstärkten Partizipationsmöglichkeiten. (Foto: © BBEn)

Beim Bundeskongress der genossenschaftlichen Energiewende diskutierten Branchenexperten über den aktuellen Stand und mögliche Entwicklungen einer grünen Bürgerenergie in Deutschland und Afrika. Kritik ging vor allem in Richtung der Großen Koalition.

04.02.2018 – Die kommende Bundesregierung müsse eine bürgernahe Energiewende auf die Agenda setzen und Bürgerenergiekonzepte zielführend unterstützen. Dies mahnte Eckhard Ott, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbands (DGRV), beim Auftakt zum Bundeskongress der genossenschaftlichen Energiewende an. Unweit des Bundestages lud der DGRV vergangenen Donnerstag ein, um mit Experten und Interessierten über Konzepte der genossenschaftlichen Energiewende zu diskutieren.

Des Weiteren kritisierte Ott, dass aktuelle Regelungen und Förderungen meist an Bürgerenergiekonzepten vorbeigingen und sich vorrangig Unternehmen Vorteile zunutze machen. Dies war auch Thema der ersten Podiumsdiskussion mit dem Fokus auf Wind- und Solarenergie. „Unternehmen schröpfen im Wettbewerb ab“, sagte Werner Soika, Vorstandsmitglied der Bürgerenergiegenossenschaft Issum. Und Maren Petersen vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) übte starke Kritik am aktuellen Stand des Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG), welches ein gutes Instrument gewesen sei, nun aber um- und ausgebaut werden müsse. Das EEG steht seit Jahren in der Kritik. Insbesondere die Ausnahmeregelung für stromintensive Unternehmen, die von der EEG-Umlage befreit sind.

CO2-Bepreisung in der Debatte

Herman Albers vom Bundesverband der WindEnergie sprach sich bei diesem Thema für mehr Markt und weniger Politik aus. „Gesetzliche Regelungen von Bürgerenergie können kaum gelingen“, sagte Albers und brachte eine Wettbewerbsregelung durch CO2-Bepreisung in die Diskussion. Eine Bepreisung von Kohlenstoffdioxid steht bei der Großen Koalition zwar zur Debatte, in ihrer konkreten Umsetzung bleiben die Verantwortlichen aber bislang vage.

Oliver Krischer, energiepolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, sprach sich hingegen für stärkere Regularien aus. Die kommende Große Koalition müsse seiner Meinung nach privates Engagement sehr viel stärker fördern als bisher, mit klaren Regelungen über die Größe der zu unterstützenden Bürgerenergiekonzepte. Einen weiteren wichtigen Baustein im zukünftigen Umgang mit Energiegenossenschaften sprach Marie-Louise Pförtner von der BayWa r.e. an. „Wir müssen die Partizipation der lokalen Bevölkerung stärken“, sagte sie und forderte, dass deren Interessen, Wünsche und Forderungen stärker auf die Agenda gehören.

E-Mobilität für die Genossenschaften

Ein weiterer Tagesordnungspunkt war die Elektromobilität als mögliches Geschäftsmodell von Genossenschaften. Horst-Richard Jekel von der eMobilität für alle eG appellierte bei der Podiumsdiskussion allgemein an die Visionen eines Elon Musk und dessen radikalen Ausbau von Ladestationen. „Lasst uns nicht von Problemen, sondern von Herausforderungen sprechen“, sagte er. Guido Schwarzendahl vom Bauverein Halle & Leuna kritisierte jedoch das Beispiel Elon Musk als nicht zielführend für die Debatte um Elektromobilität und Genossenschaften. „Teslas Lösungen decken nicht den Bedarf der breiten Masse“, sagte Schwarzendahl und verwies darauf, dass Tesla vor allem Ladesäulen an Hotels und Restaurants installiert.

Schwarzendahl hingegen forderte den verstärkten Aufbau von E-Carsharing Angeboten als ein mögliches Konzept für Genossenschaften und legte beispielhaft das Energiequartier Lutherviertel in Halle zugrunde. Eine Energiegenossenschaft der Halle & Leuna eG. Doch auch Jekel mahnte an, einen höheren Wert der gemeinschaftlichen Nutzung von E-Autos beizumessen. Insbesondere beim Pendlerverkehr müssten in Zukunft verstärkt E-Autos zum Einsatz kommen, bei denen sich nach Möglichkeit Fahrgemeinschaften bilden. Seit Jahren wächst der Verkehr auf Deutschlands Straßen. Und die gestiegene Anzahl von Fahrzeugen ist einer der Hauptgründe für Staus. 457.000 Stunden steckten Verkehrsteilnehmer im letzten Jahr in Blechlawinen fest, ein enormer Zeitverlust.

Genossenschaften für grüne Bürgerenergie in Afrika

Das anschließende dritte Panel beschäftigte sich mit einem möglichen Beitrag von Genossenschaften zu grüner Bürgerenergie für Afrika. Bärbel Höhn, die Energiebeauftragte des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Afrika forderte, dass die afrikanischen Länder nicht dieselben Fehler wie die Industrieländer machen dürften und wirtschaftlichen Fortschritt auf Kohle- und Atomstrom zu bauen. Eine dezentrale grüne Bürgerenergie müsse der Weg in Afrikas Zukunft sein, so die ehemalige Umweltministerin NRWs. Dabei hätten Partnerschaften mit deutschen Energiegenossenschaften großes Potenzial.

Ebenfalls vom BMZ anwesend war Tania Rödiger-Vorwerk, die hervorhob, dass vor allem der ländliche Raum Afrikas von mangelnder Energie betroffen sei und hier weitreichende Möglichkeiten für dezentrale Energieprojekte bestehen. Carsten Hellpap von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) wies beim ländlichen Raum auf mögliche Konflikte hin, da der Strom anfangs noch vergleichsweise teuer seien könnte im Vergleich zu städtischem Strom. Hierbei sei Kontinuität, gemeinschaftliches Arbeiten unter Einbezug aller Stakeholder und tiefgehende Wissensvermittlung nötig. mf


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