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Nach Landtagswahl in Sachsen-AnhaltBürgerenergie und Eigenverantwortung als politische Antwort

Dorf mit Kirche, im Hintergrund Hügel mit Windkraftanlagen
Im Windpark Druiberg bei Dardesheim im Landkreis Harz werden derzeit alte Windenergieanlagen zurückgebaut und durch neue leistungsstärkere ersetzt. Der neue Windpark soll als Bürgerenergiepark mit Beteiligung der Bürgerenergie Druiberg eG weitergeführt werden. (Foto: FrankBothe auf Wikimedia / CC BY-SA 4.0)

Regionen stärken, Gestaltungsmacht vor Ort erlebbar machen ist eine Aufgabe der Politik. Nach den Ergebnissen der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sollte sie die Bürgerenergie stärken und nicht aus dem Markt drängen, fordert das Bündnis Bürgerenergie.

08.09.2026 – Das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist aus Sicht des Bündnis Bürgerenergie (BBEn) ein Warnsignal weit über das Bundesland hinaus. Politik müsse sich jetzt der Frage stellen, wie Menschen stärker erleben können, dass wirtschaftliche Veränderungen ihrer Region konkret nutzen und dass sie selbst ihre Lebensumgebung mitgestalten können. Bürgerenergiegemeinschaften seien dafür bereits vorhandene Strukturen.

„Die Antwort auf dieses Wahlergebnis kann nicht darin bestehen, Politik nur besser zu erklären. Menschen müssen erleben können: Hier passiert etwas, konkrete Probleme werden gelöst und ich kann selbst dazu beitragen. Genau das geschieht in Bürgerenergiegemeinschaften. Menschen investieren gemeinsam, entwickeln Projekte, arbeiten mit ihren Kommunen zusammen und übernehmen Verantwortung für ihre Energieversorgung vor Ort“, erklärte Harald Uphoff, Vorstand Politik und Kommunikation des Bündnis Bürgerenergie.

Gerade in der Energiepolitik zeige sich dabei ein Widerspruch. Hohe Energiepreise belasten Haushalte und Unternehmen. Zugleich wird in vielen Regionen viel günstiger erneuerbarer Strom erzeugt, von dem Menschen vor Ort bislang kaum unmittelbar profitieren. Ostdeutsche Ministerpräsidenten hätten deshalb zuletzt zu Recht mehr regionale Wertschöpfung, bezahlbare Energie und einen konkreten wirtschaftlichen Nutzen der Energiewende für Kommunen und Regionen gefordert.

Die laufenden Reformen von EEG und Netzanschlussregeln drohten, die wirtschaftlichen Bedingungen gerade für kleinere und lokal verankerte Projekte zu verschlechtern. Auch Entscheidungen der Bundesnetzagentur erschwerten derzeit Geschäftsmodelle der Bürgerenergie vor Ort – vom Energy Sharing bis zur gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung. In ihrer kumulierten Wirkung gefährdeten die verschiedenen regulatorischen Änderungen Projekte, an denen Bürgerenergiegemeinschaften teilweise seit Jahren arbeiten.

Anstehende Gesetzesnovellen einem Bürgerenergie-Check unterziehen

„Es wäre ein politischer Widerspruch, nach mehr regionaler Wertschöpfung, Eigenverantwortung und starken Kommunen zu rufen und gleichzeitig diejenigen aus dem Markt zu drängen, die genau das längst organisieren. Bürgerenergie ist kein nettes Zusatzangebot der Energiewende. Sie ist lokale wirtschaftliche Infrastruktur und kann dazu beitragen, demokratische Gestaltung vor Ort konkret erlebbar zu machen“, erinnert Uphoff.

Das BBEn fordert den Deutschen Bundestag deshalb auf, EEG-Novelle und Netzanschlusspaket einem Bürgerenergie-Check zu unterziehen: Neue Regeln müssten gewährleisten, dass Bürgerenergiegemeinschaften und kleinere lokale Projekte weiterhin wirtschaftlich investieren können. Zugleich müsse die Bundesnetzagentur ihre laufenden Vorschläge und Festlegungen so ausgestalten, dass bestehende und neue Geschäftsmodelle der Bürgerenergie wirtschaftlich tragfähig bleiben.

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Bürgerenergie könne die Ursachen des Wahlergebnisses nicht lösen. Aber nach einem Ergebnis wie in Sachsen-Anhalt wäre es falsch, ausgerechnet die bestehenden Strukturen zu schwächen, in denen Menschen gemeinschaftlich wirtschaften, Verantwortung übernehmen und ihren Ort gestalten. 

Erneuerbare in Sachsen-Anhalt

Beim Ausbau von Wind- und Solarenergie kann das Bundesland Erfolge vorweisen. Obwohl die Zahl der Windenergie-Anlagen 2025 sank, stieg die installierte Leistung. Das ist ein Effekt des Repowering: alte Bestandsanlagen werden zurückgebaut und durch weniger neue, aber mit sehr viel mehr Anlagenleistung, ersetzt. Rund 5,8 Gigawatt Windenergieleistung waren Ende 2025 in Sachsen-Anhalt in Betrieb. Pro Einwohner rangiert das Land bei der installierten Windenergieleistung auf Platz 3 im Bundesländervergleich, hinter Brandenburg und Schleswig-Holstein (Daten von energy-charts.info)

Sehr dynamisch verlief zuletzt der Ausbau der Photovoltaik. Das Land profitiert von seinen verfügbaren Flächen. Rund 6,3 Gigawatt Photovoltaikleistung sind installiert. Pro Einwohner rangiert Sachsen-Anhalt bei der installierten PV-Leistung auf Platz 3 im Bundesländervergleich, hinter Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern (Daten von energy-charts.info).

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Sachsen-Anhalt hat außerdem seit Oktober 2025 ein eigenes Beteiligungsgesetz für Windenergieanlagen und Solarparks. Für Windenergieanlagen sieht es eine kommunale Beteiligung von 0,3 Cent pro erzeugter Kilowattstunde vor, mindestens aber 5,50 Euro je Kilowatt Leistung. Für Freiflächenanlagen sind 2,50 Euro je Kilowatt Leistung festgeschrieben. Das Gesetz ermöglicht auch individuelle Vereinbarungen zwischen Kommunen und Betreibern. pf

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