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Bracht in MittelhessenNahwärme aus Solarthermie, bewahrt im Erdbeckenspeicher

große dunkle Fläche, darauf Menschen und rosafarbene Kunststoffplatten
Beim Nahwärmeprojekt in Bracht, einem Ortsteil von Rauschenberg, packten die Genossenschaftsmitglieder tatkräftig mit an. Auch die Isolationsschicht, die als Deckel des Erdbeckenspeichers dient, wurde in Eigenleistung gebaut. (Foto: Solarwärme Bracht eG)

Ein Wärmeprojekt mit Strahlkraft wurde in Bracht in Betrieb genommen. Eine Solarthermieanlage in Kombination mit einem Erdbeckenspeicher wird rund 200 Anschlussnehmer mit fossilfreier Wärme versorgen. Geplant und gebaut von einer Genossenschaft.

23.09.2025 – Auf Wärme aus Solarthermie setzt das Projekt der Genossenschaft Solarwärme Bracht. 70 Prozent solarer Deckungsanteil wird hier in Verbindung mit einem Erdbeckenspeicher realisiert. Zwei Großwärmepumpen erzeugen weitere sieben Prozent der Wärme, ein Holzkessel trägt bis zu 25 Prozent bei. Zusätzlich ergänzt ein Pufferspeicher das Konzept. Am Wochenende wurde die Inbetriebnahme mit einem Fest gefeiert. Die alten Öl- und Gasheizungen bei den Hausbesitzern waren zuvor schon ausgebaut worden. Ein Marathon der Planung und Realisierung liegt hinter der Genossenschaft, die das technisch nicht alltägliche Projekt gebaut hat.

Die Wärme aus dem Sommer wird im Winter verteilt

Die ersten Überlegungen gab es 2013. Eine Arbeitsgruppe traf sich mit dem Ziel, das Dorf attraktiver zu gestalten. Der Wunsch nach einem Nahwärmenetz wurde geboren. Eine Machbarkeitsstudie legte 2016 den Grundstein. Die auf ihrer Basis entwickelte Planung wurde Prozess stetig angepasst, sodass die nun genutzten Technologien zu 100 Prozent regenerativ sind. Die Genossenschaft wurde 2021 mit 61 Mitgliedern gegründet, inzwischen sind es 214. Vorerst versorgt das Nahwärmenetz 193 Kunden.

Kernstück sind die 12.000 Quadratmeter große Solarthermieanlage und ein Saisonalspeicher, ein Erdbeckenspeicher nach dänischer Bauart. Er wird ausschließlich mit der Wärme aus der Solarthermieanlage beladen. Im Sommer wird er auf Temperaturen bis zu 85°C bis 90°C aufgeheizt, im Winter ist er die Hauptwärmequelle. Die Wärmepumpen und bei Bedarf der Holzkessel bringen die Wärmeenergie mit einer Temperatur von bis zu 85 Grad Celsius in den Pufferspeicher, der sie auf dem Temperaturniveau des Nahwärmenetzvorlaufs speichert. Eine wahre Fundgrube ist die Projektdokumentation auf der Webseite der Genossenschaft, die den langen Weg übersichtlich dokumentiert.

Die Finanzierung der Investition in Höhe von 16,5 Millionen Euro sollte kein schwerer Weg sein, hatte aber doch ihre Tücken, wie Vorstand Helgo Schütze berichtet. Geholfen haben auch europäische Fördermittel. Weitere sechs Millionen kamen als direkte Kredite der VR Bank und es gab eine inzwischen ausgelaufene Förderung der KfW-Bank für Solarthermie und Speicher. „Uns hat geholfen, dass die VR Bank Mittelhessen bereits viele genossenschaftliche Energieprojekte finanziert hat“, erklärt Schütze. Die Eigenmittel der Genossenschaft speisen sich aus jeweils 6.000 Euro Genossenschaftsanteil pro Mitglied, insgesamt eine Million Euro.

Zusätzlich half die Eigenleistung der Mitglieder, Geld zu sparen. Immer wieder gab es Tätigkeiten, die man selbst ausführen konnte. Beim Befüllen der Sandsäcke zur Beschwerung der Kunststoffdichtungsbahnen für den Erdbeckenspeicher konnten sogar die Kleinsten mithelfen. Auch die Isolationsschicht des Speichers wurde in Eigenleistung gebaut. Die Photovoltaikanlage auf der Heizzentrale wurde ebenfalls selbst montiert.

Auf der Webseite der Genossenschaft ist eine überaus sehenswerte Dokumentation des gesamten Projektes zu finden.

Klimaschutzziele für 2045 erfüllt – trotz alter Bausubstanz

Der Anschluss an das Nahwärmenetz bedeutet einen erheblichen Modernisierungsschub für die Anwohnerinnen und Anwohner in Bracht. Der gesamte Gebäudebestand wird nach Fertigstellung des Projekts bereits die Klimaschutzziele für 2045 erfüllen – nach nur zwei Jahren Bauzeit und ohne teure und aufwändige Dämm- und Sanierungsmaßnahmen an den Häusern vornehmen zu müssen.

Dabei ist die bauliche Struktur Brachts typisch für viele Dörfer und Ortsteile in Deutschland – der weit überwiegende Teil der Gebäude ist vor 1980 erbaut, ein Viertel sind gar Fachwerkhäuser. Somit sind die Möglichkeiten einer energetischen Gebäudesanierung oft eingeschränkt – der gemeinschaftliche Umstieg von Öl auf regenerative Wärme löst dieses Dilemma und wird sicher viele weitere Projekte inspirieren. Aufgrund absehbar steigender Öl- und CO₂-Preise und verfügbarer Fördergelder dürfte sich das Projekt binnen weniger Jahre bezahlt machen. Petra Franke

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