Kommunale Energiewende im Enzkreis: Strategische Energieplanung mit koordinierter Umsetzung

Seit über zehn Jahren verfolgt der baden-württembergische Landkreis eine konsequente Klimaschutz- und Energiewende-Strategie – mit Ausbau von Erneuerbaren Energien, Einsatz flexibler Technologien und Fokus auf Information, Beratung und Beteiligung.
20.01.2026 – Der Enzkreis liegt in Baden-Württemberg, umschließt die Stadt Pforzheim und grenzt an die Metropolregionen Karlsruhe und Stuttgart. Mit 28 Städten und Gemeinden und knapp 200.000 Einwohnern vereint der Landkreis ländliche und urbane Räume. Wirtschaftlich geprägt durch einen breit aufgestellten Mittelstand, insbesondere in den Bereichen Maschinen- und Fahrzeugbau, Metallverarbeitung, Medizintechnik und Feinmechanik, engagiert sich der Landkreis seit 2010 systematisch für Klimaschutz und Energiewende.
Früher Start mit klarer Klimastrategie
Unter dem Motto Enzkreis-Klima-Wendekreis wurden eigene Klimaziele definiert, CO₂-Reduktionsmaßnahmen umgesetzt und 2024 zum vierten Mal in Folge Gold beim European Energy Award erzielt. Entscheidende Gründe waren das neue Treibhausgas-Neutralitätskonzept mit zehn großen Maßnahmen sowie das umfassende energiepolitische Arbeitsprogramm, mit dem der Kreis systematisch CO₂-Emissionen in Gebäuden, Fuhrpark und der Wärmewende reduziert. Bis 2040 soll Treibhausgasneutralität erreicht werden.
Die Agentur für Erneuerbare Energien e. V. (AEE) hat den Enzkreis deshalb als Energie-Kommune des Monats Januar 2026 ausgezeichnet. „Mit der Wahl des Enzkreises zur Energie Kommune des Monats würdigen wir das beispielhafte Engagement vor Ort“, betont AEE-Geschäftsführer Robert Brandt. „Die Verantwortlichen zeigen, wie eine lokale Energiewende durch strategisches Handeln, Bürgerbeteiligung und mutige Projektumsetzung gelingt und andere Kommunen inspiriert.“
Koordiniert und vernetzt: Planen und konsequent umsetzen
Im Enzkreis wird die Energiewende als zentrale Gemeinschaftsaufgabe verstanden und Schritt für Schritt vorangetrieben. Eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der regionalen Energiewende nimmt die Klimaschutz- und Energieagentur Enzkreis Pforzheim keep gGmbH ein, die gemeinsam mit der Stadt Pforzheim betrieben wird und eng mit dem Klimaschutzmanagement des Kreises zusammenarbeitet. Sie unterstützt Kommunen, Haushalte und Unternehmen bei Energieeffizienz, Erneuerbaren Energien und klimafreundlicher Wärmeversorgung. Sie begleitet lokale Projekte, erstellt CO₂-Bilanzen und bietet Bildungsangebote an Schulen und Kindergärten an.
Die Energiewende im Enzkreis basiert auf einer Kombination aus Verwaltungsvorbild und flächendeckender Umsetzung. Umgesetzt werden energetische Sanierungen, erneuerbare Wärmeversorgung, Photovoltaik-Anlagen, Fuhrparkoptimierung sowie Beratung, Bildungsangebote und Energieeffizienznetzwerke. Fünf Energiegenossenschaften, darunter die Bürgerenergie Region Mühlacker, versorgen bereits tausende Haushalte mit Erneuerbarer Energie. Ergänzend werden Solarparks, Windanlagen, Brennstoffzellen und kommunale Wärmenetze aufgebaut, um Versorgungssicherheit und nachhaltige Wärmeversorgung zu gewährleisten.
Die Bürgerenergie Region Mühlacker eG sticht dabei besonders hervor: Mit 16 PV-Projekten und sechs Windenergie-Projekten erzeugte sie 2023 knapp über 15.000 Megawattstunden und konnte so rechnerisch knapp 5.000 Zwei-Personen-Haushalte mit Erneuerbarer Energie versorgen. Diese Initiativen zeigen, dass die Region nicht nur auf kommunaler Ebene, sondern auch durch direkte Bürgerbeteiligung an konkreten Lösungen für eine nachhaltige Energiezukunft arbeitet.
Aktuell reagiert der Landkreis auf das 2025 geänderte Klimaschutz- und Klimawandelanpassungsgesetz Baden-Württemberg, das flächendeckende Klimaanpassungskonzepte fordert. Der Landkreis erstellt zunächst ein eigenes Konzept und wird darauf aufbauend Konzepte für die Gemeinden entwickeln.
Enzkreis verfolgt auch globale Strategien
Der Enzkreis engagiert sich auch global: Seit 2011 besteht eine Klimapartnerschaft mit dem Masasi Distrikt in Tansania. Im Rahmen der Nakopa-Projekte wurden Biogasanlagen errichtet, ein Solarsystem für ein Krankenhaus installiert und lokale Techniker:innen ausgebildet, um nachhaltiges Wissen vor Ort zu verankern.
Solarparks und Wärmenetze: Energieprojekte im Kreis
Der Enzkreis bilanziert seine Fortschritte im Bereich der Erneuerbaren Energien transparent. Bei der lokalen Erzeugung von Strom und Wärme lag die Region 2019 noch unter dem Landesdurchschnitt. Daraus wurden klare Handlungsfelder abgeleitet: Der Landkreis setzte vorrangig auf den weiteren Ausbau von Photovoltaik, Windenergie und Biomasse. Gleichzeitig wurden naturräumliche Grenzen realistisch berücksichtigt – etwa durch Topografie und Wasserschutzgebiete, die den Ausbau von Wasserkraft und Geothermie begrenzen.
Konkrete Projekte machen die Strategie sichtbar: Die größte PV-Freiflächenanlage im Enzkreis steht in Wiernsheim-Iptingen und kann rechnerisch alle Privathaushalte vor Ort mit Strom versorgen, fünf weitere große Anlagen sind in Betrieb. Allein 2024 wurden im Enzkreis Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 38 Megawatt Peak installiert, ausreichend für rund 10.500 Haushalte.
Gleichzeitig stellen die schwankende Verfügbarkeit von Sonne und Wind neue Anforderungen an die Versorgungssicherheit. Ein Beispiel für flexible Lösungen ist die Brennstoffzellenanlage der Stadtwerke Mühlacker, die Strom aus lokalem Biomethan erzeugt und überschüssige Energie speichert, um Schwankungen im Netz auszugleichen.
Im Wärmesektor zeigt das geförderte Wärmenetz „Energiequartier Mitte“ in Ispringen, wie kommunale Wärmeplanung praktisch umgesetzt werden kann – mit einem bivalenten System aus Holzpelletkesseln, Wärmepumpe, Solarthermie und PV-Strom.
Mobilität neu denken: Die Verkehrswende im Enzkreis
Ein großer Schritt auf diesem Weg ist der Start des Klimamobilitätsplans im Enzkreis. Der Landkreis gehört zu den neuen Startklar-Kommunen des Landes Baden-Württemberg. Ziel des Plans ist es, Maßnahmen für bessere Rad- und Fußwege, einen stärkeren ÖPNV, Sharing-Angebote, Verkehrsberuhigung und intelligentes Parkraummanagement zu bündeln. na



















































