Energiewende-BeteiligungWie Kommunen von Windenergie profitieren können

Blick auf grüne Ackerflächen und Windräder
Mit kommunalem Flächenpooling gewinnen Gemeinden mehr Einfluss- und Beteiligungsmöglichkeiten beim Ausbau von Erneuerbaren Energien. (Foto: Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH)

Mit Flächenpooling, einer eigenen Anstalt des öffentlichen Rechts und breiter Bürgerbeteiligung schafft die Verbandsgemeinde Bad Bergzabern die Voraussetzungen, um die wirtschaftlichen Chancen der Energiewende langfristig in der Region zu sichern.

18.08.2026 – Die Energiewende eröffnet Kommunen nicht nur klimapolitische, sondern auch wirtschaftliche Perspektiven. Damit die Wertschöpfung aus dem Ausbau der Windenergie möglichst vor Ort bleibt, setzt die Verbandsgemeinde Bad Bergzabern im rheinland-pfälzischen Landkreis Südliche Weinstraßegemeinsam mit der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz auf einen strategischen Ansatz. Ein zentrales Instrument ist dabei das kommunale Flächenpooling: Mehrere Grundstückseigentümer bündeln ihre Flächen und lassen ihre Interessen gemeinsam vertreten. Dadurch verbessern sich die Einfluss- und Beteiligungsmöglichkeiten der Kommune bei der Entwicklung von Windenergieprojekten.

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Ergänzt wird dieser Ansatz durch die Gründung der Kommunalen Energie Bad Bergzaberner Land AöR (KEBBL) und die Einbindung lokaler Akteure. „Wir wollen die Energiewende aktiv gestalten und dafür sorgen, dass ein fairer Anteil der Wertschöpfung bei uns in der Region bleibt“, sagt Verbandsbürgermeisterin Kathrin Flory.

Viele Kommunen stehen vor der Herausforderung, dass geeignete Flächen für Windenergie überwiegend in privater Hand liegen und Projektentwickler sich frühzeitig Nutzungsrechte sichern. Dadurch bleiben kommunale Einflussmöglichkeiten oft begrenzt. Auch in Bad Bergzabern waren bereits Teile potenzieller Flächen gebunden. Die Verbandsgemeinde suchte daher nach Wegen, ihre Handlungsfähigkeit zu erhöhen und wirtschaftliche Effekte stärker vor Ort zu sichern.

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Flächenpooling stärkt Verhandlungsposition

Gemeinsam mit der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz entwickelte die Verbandsgemeinde ein Konzept für kommunales Flächenpooling. In Eigentümerversammlungen konnten mehr als 80 Verhandlungsmandate für die Kommune gewonnen werden. Dadurch verfügt Bad Bergzabern heute über eine deutlich stärkere Position gegenüber Projektentwicklern. „Durch das Flächenpooling sprechen wir nicht mehr mit vielen einzelnen Stimmen, sondern mit einer gebündelten Interessenlage. Das stärkt unsere Position erheblich“, so Flory.

Neue Struktur für langfristige Steuerung

Zur dauerhaften Bündelung kommunaler Interessen gründete die Verbandsgemeinde 2025 die Kommunale Energie Bad Bergzaberner Land AöR (KEBBL) mit Martin Engelhard als geschäftsführendem Vorstand. An ihr beteiligen sich 13 der 21 Ortsgemeinden.

Künftig soll die Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) die Entwicklung von Windenergie- und Photovoltaik-Projekten koordinieren und die kommunale Steuerung stärken. „Die frühzeitige Gründung einer AöR schafft die organisatorischen und rechtlichen Voraussetzungen, damit Kommunen eigene Interessen einbringen und sich als handlungsfähige Partner bei Erneuerbare-Energien-Projekten positionieren können“, sagt Jürgen Gundacker von der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz. „So lassen sich kommunale Wertschöpfungspotenziale gezielt sichern.“

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Porträtfoto Christina Lenzen

Beteiligung als Schlüssel zur Akzeptanz

Neben den Grundstückseigentümerinnen und -eigentümern wurde auch die Bürger-Energiegenossenschaft Südpfalz (BEN) frühzeitig eingebunden. Die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz unterstützte den Prozess bei Beteiligungsformaten und der Einbindung weiterer lokaler Akteure. „Wenn Menschen sehen, dass sie sich beteiligen können und wirtschaftliche Vorteile in der Region bleiben, steigt die Bereitschaft, solche Projekte mitzutragen“, sagt Gundacker.

Windenergie eröffnet finanzielle Spielräume

Auf den gepoolten Flächen könnten fünf bis sieben Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 31 bis 43,4 Megawatt entstehen. Damit ließen sich rechnerisch zwischen 17.500 und 24.500 Haushalte jährlich mit Strom versorgen.

Die AöR kann sich mit bis zu 10 Prozent am Projekt beteiligen. Damit eröffnen sich durch Einnahmen aus der Energieerzeugung zusätzliche finanzielle Spielräume für kommunale Aufgaben wie etwa für Investitionen in Schulen und Kindertagesstätten, die Modernisierung der Infrastruktur oder die Weiterentwicklung kommunaler Angebote.

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Die Erfahrungen aus Bad Bergzabern zeigen, dass Kommunen beim Ausbau der Windenergie nicht auf die Rolle von Zuschauern beschränkt bleiben müssen. Wer frühzeitig handelt, Interessen bündelt und Beteiligung ermöglicht, kann die Energiewende aktiv mitgestalten und wirtschaftliche Chancen stärker in der Region verankern, so die Akteure. Flächenpooling und kommunale Organisationsstrukturen bieten dabei die Möglichkeit, regionale Wertschöpfung zu sichern, Handlungsspielräume zu erweitern und die Akzeptanz für die Energiewende zu stärken.

Die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz unterstützt als kompetenter Dienstleister Kommunen und ihre Bürger in Rheinland-Pfalz bei der Umsetzung von Aktivitäten zur Energiewende und zum Klimaschutz. Sie wurde 2012 als Einrichtung des Landes gegründet und informiert unabhängig, produkt- sowie anbieterneutral.

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