E-Mobilität: Das fragwürdige Geschäft mit den Rohstoffen

Foto: Nahaufnahme eines Kobaltgesteins
Blau-grün schimmert das Kobalt durch die Gesteinsschichten in den Abbaugebieten der Demokratischen Republik Kongo. (Foto: © Fairphone / flickr.com, CC BY-SA 2.0)

Für den Ausbau der Elektromobilität werden viele Rohstoffe benötigt, doch der Abbau von Lithium, Kobalt und anderen Stoffen findet unter teilweise fragwürdigen Bedingungen statt. Forschung und Autokonzerne versuchen dem entgegenzuwirken.

28.11.2017 – Schrittweise will sich der größte deutsche Autobauer Volkswagen vom Verbrennungsmotor verabschieden und verstärkt der Elektromobilität zuwenden. Doch dieser Weg bringt neue Probleme mit sich. Der globale Wettlauf um die benötigten Rohstoffe ist längst entbrannt und der Abbau der Rohstoffe ist oft verbunden mit Ausbeutung und schlechter Energiebilanz. Experten und Forscher jedoch versuchen dem entgegenzuwirken, um Abbau und Recycling der Rohstoffe sozial- und umweltverträglicher zu gestalten.

Der wichtigste Rohstoff zum Bau von Batterien für Elektrofahrzeuge ist Lithium. Vor allem Australien und Chile bestimmen dessen Abbau auf dem Weltmarkt. Doch auch in Deutschland gibt es das Leichtmetall. Unter dem Erzgebirge liegen Europas größte Vorkommen, die nun nach und nach abgebaut werden sollen. Insgesamt 10 Millionen Batterien von Elektroautos könnten mit dem Vorkommen alleine unter der deutschen Erde versorgt werden. Für die deutsche Rohstoffagentur (Dera) ein wichtiger Schritt, damit sich Deutschland und seine Autobauer nicht vollkommen abhängig vom Weltmarkt machen. Auch können im Erzgebirge die Produktionsbedingungen besser kontrolliert werden. Und während in Chile der Abbau von Lithium unter Einsatz großer Mengen Wasser und schlechter CO2-Bilanz auf riesigen Salzseen stattfindet, würde der Abbau im Erzgebirge unter Tage weitaus energieeffizienter ablaufen.

Armes Kongo

Ein weiterer wichtiger Baustein der verbreiteten Lithium-Ionen-Batterien ist Kobalt. 60 Prozent der weltweiten Förderung stammt aus der Demokratischen Republik Kongo. Doch die Erträge aus dem Abbau kommen nur Wenigen zugute. Die DR Kongo findet sich im aktuellen Human Development Index auf dem 176 Platz von 188 wieder. Nutznießer sind unter anderem der sich an die Macht klammernde Präsident des Landes Joseph Kabila und seine Gefolgsleute, sowie global agierende Rohstoffhändler wie Glencore. Darüber hinaus weisen verschiedene Studien auf ein hohes Maß an Kinderarbeit in den Kobaltabbaugebieten hin.

VW kauft Kobalt bislang nicht direkt ein, sondern bezieht seine Batterien von Zulieferern. Nach Aussage des Konzerns würden ethische Verstöße gründlich untersucht. Im schwer zu durchschauenden weltweiten Rohstoffhandel ein schwieriges Unterfangen. Einen Schritt weiter ist hier BMW, die nach eigenen Angaben daran arbeiten, die eigene Kobalt-Lieferkette transparenter zu machen. So sei das verwendete Kobalt aus der DR Kongo ausschließlich aus staatlichen Minen, die sich in den Arbeitsbedingungen klar von kleinen ungeregelten Minen abgrenzen würden. Doch die grassierende Korruption im Land unter Kabila lässt auch die staatlichen Minen in einem wenig guten Licht erscheinen. Untersuchungen zeigen, dass innerhalb von zwei Jahren internationale Rohstoffunternehmen über 647 Millionen Euro an den Staat für Bergbaulizenzen zahlten und ein großer Teil davon wohl in die privaten Taschen der Politiker floss.

Das Freiburger Ökoinstitut empfiehlt in einer aktuellen Studie verpflichtende Umwelt- und Sozialstandards für die Industrie einzuführen, um dem Raubbau, insbesondere in den afrikanischen Ländern entgegenzuwirken. Die NGO Responsible Cobalt Initiative schafft hierbei erste Ansätze. Darüber hinaus müsse die Forschung rund um das Recycling intensiviert werden. Hierbei werden bereits Fortschritte erzielt. Experten schätzen, dass 2050 ca. 40 Prozent des benötigten Lithiums aus Batterien recycelt werden kann. Auch ökologischere Alternativen zu den herkömmlichen Batterien werden erforscht. An Lithium, Kobalt und anderen Rohstoffen wird es jedoch auch in Zukunft nicht mangeln. Die weltweiten Vorkommen stufen Experten als ausreichend verfügbar ein. Endlich hingegen ist der Rohstoff für die Verbrennungsmotoren: Erdöl. mf

   

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