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Biogas aus Pferdeäpfeln

Pferdemist ist ein interessantes Substrat für die Nutzung in Biogasanlagen. (Bild: © Uwe Steinbrich/ pixelio.de)
Pferdemist ist ein interessantes Substrat für die Nutzung in Biogasanlagen. (Bild: © Uwe Steinbrich/ pixelio.de)

Die Vergärung von Pferdemist stellt eine Biogasanlage vor besondere Herausforderungen. Die Nutzung der Pferdeäpfel als Substrat hat jedoch auch zahlreiche Vorteile. Inzwischen gibt es erfolgreiche Beispielanlagen, etwa in der bayerischen Region Oberland.

03.05.2015 – Ein einziges Pferd stellt genug Pferdeäpfel her, um einen Drei-Personen-Haushalt mit Strom zu versorgen. Bis zu 50 Kilogramm des als „Rosendünger“ geschätzten Materials fallen pro Tier und Tag an. Rund eine Million Pferde gibt es in Deutschland, genug, um mit ihrem Mist für etwa die gleiche Anzahl an Wohnungen Elektrizität herzustellen. Ein gewaltiges Potenzial. Ganz so leicht ist die Vergärung von Pferdemist allerdings nicht, da in den Ställen Stroh oder Sägespäne als Einstreu verwendet werden. Stroh enthält Lignin, ein Stoff, den Mikroorganismen nicht gut zersetzen können. Die Einstreu setzt sich zudem gerne im Gärbehälter der Biogasanlage an der Oberfläche des Gärsubstrats ab und behindert die Rührwerke.

Die Universität Hohenheim hatte deswegen eine erste Pilotanlage entwickelt. Sie nutzt ein Verfahren aus der Recyclingbranche, das Stroh zerkleinert, bevor es in den Gärbehälter gelangt. Ketten rotieren dabei mit hoher Geschwindigkeit, ähnlich einem Küchenmixer. Die Rührwerke können mit zerkleinertem Substrat ungestört arbeiten. Der Nachteil: Pferdemist ist etwas weniger energiehaltig als Mais. Es gibt jedoch auch zahlreiche positive Aspekte. Zum einen fällt das Material in den Ställen in Unmengen an und die Reitbetriebe sind dankbar, wenn sie es loswerden. Zum anderen wird Monokulturen vorgebeugt und auch die Problematik „Konkurrenz zwischen Teller und Energieherstellung“ entfällt. Die Reststoffe aus der Biogasanlage können zudem als hochwertiger Dünger eingesetzt werden.

Inzwischen gibt es Erfolgsbeispiele. So teilte das Bundeslandwirtschaftsministerium jüngst die Kür einer Pferdemist-Biogasanlage zur Anlage des Monats mit. Das Kraftwerk der Bioenergie Reichersbeuern GmbH ging im Dezember 2014 in Betrieb. Die Anlage der Region Oberland hat eine Leistung von 1.200 kW el und 1.000 kW th. Sie  wird künftig etwa die doppelte Menge des Strombedarfs der 2.165 Einwohner großen bayerischen Gemeinde erzeugen.

Als Einsatzstoffe werden pro Jahr folgende Substrate verwendet: 14.000 Tonnen Pferdemist, 4.000 Tonnen Rindergülle, 3.000 Tonnen Kleegras, 3.000 Tonnen Zwischenfrüchte und 500 Tonnen Gras aus der Landschaftspflege. Von rund 25 Reiterhöfen und weiteren Pferdehaltern im Umkreis von 30 Kilometern stammt der Pferdemist. Die Logistik wird von einem Unternehmen mit Abroll-Containern organisiert, so dass durch die nun zusätzlichen „Pferdemistfahrten“ bisherige LKW-Leerfahrten minimiert und bestenfalls vermieden werden. An der Anlage wird der Pferdemist mit einem speziellen Verfahren einsiliert, damit dieser auch langfristig lagerfähig wird. Durch die Silierung wird der Trockensubstanzgehalt des Pferdemists gesenkt, wodurch dieser effizienter in die Anlage eingebracht und verwertet werden kann.

Im Vergleich zu konventionellen Biogasanlagen ist eine hochtechnologisierte Fördereinrichtung im Einsatz, die auch Störstoffe wie beispielsweise Hufeisen aussondern kann. Im Annahmedosiersystem wird der Pferdemist so aufbereitet, dass dieser gut in der Anlage vergärt. Eine weitere Besonderheit der Anlage - neben dem Substrat Pferdemist - besteht darin, dass sie als Rezirkulationsanlage gebaut ist, die flüssigen Substrate wie Rindergülle verbleiben also länger im Fermenter. Zwar erhöht dies den Eigenstromverbrauch und beansprucht die Rührwerke stärker, doch ist es für den Betrieb vorteilhaft, da sich die Kosten für An- und Abfahrt von Flüssigkeiten reduzieren. Somit wurde in der Planung auf eine effiziente und nachhaltige Betriebsweise geachtet. Derzeit befindet sich die Anlage in der Inbetriebnahmephase und wird in den kommenden Wochen auf volle Leistung hochgefahren. Parallel finden die Planungen zur Nutzung der Abwärme der drei Blockheizkraftwerke statt. Dabei wird auch der Bau eines Wärmenetzes geprüft. rr


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