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AltholzverbrennungNein zur Umrüstung von Kohlekraftwerken

Großer Haufen Altholzreste: Paletten, Möbelteile, Verpackung.
Das meiste Altholz wird verbrannt und daraus Strom oder Wärme erzeugt. (Foto: PxHere / CCO)

Mit staatlicher Förderung in Kraftwerken Altholz statt Kohle zu verbrennen, weckt Begehrlichkeiten. Der Verband der Altholzverwerter jedoch lehnt eine solche Förderung ab, weil sie keinen Nutzen fürs Klima hätte.

06.07.2021 – Ein Förderprogramm für die Umrüstung von Kohlekraftwerken auf die Verbrennung von Gas oder Biomasse wurde bereits im Sommer letzten Jahres in Form eines Entschließungsantrages vom Bundestag beschlossen. Es soll den Kohleausstieg flankieren und steuerbare Kraftwerkskapazitäten erhalten.

Doch bis jetzt gibt es kein solches Förderprogramm und nach Meinung des Bundesverbandes der Altholzaufbereiter und -verwerter (BAV) sollte das auch so bleiben. Der Verband fordert den expliziten Ausschluss einer Förderung zur Umrüstung von Kohlekraftwerken auf Altholz. Seine Argumente: Das anfallende Altholz wird bereits vollumfänglich verwertet. Weitere Kraftwerke würden demnach zu keiner weiteren CO2-Einsparung führen. Die zusätzlichen Kraftwerkskapazitäten würden die Wirtschaftlichkeit der bestehenden kleinen Kraftwerke gefährden, weil die umgerüsteten Kohlekraftwerke enorme Stoffmengen verstromen würden.

Konkurrenz für kleine Altholzkraftwerke

Nach Angaben des Verbandes verwertet die Altholzbranche in Deutschland jährlich rund acht Millionen Tonnen Altholz. Durch die Förderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) entstanden seit 2000 in Deutschland über 70 Altholzkraftwerke zur energetischen Altholzverwertung. Mehr als fünf Milliarden Euro wurden in eine nachhaltige Strom- und Wärmeerzeugung investiert. Bewusst wurde im EEG eine maximale Größe von Altholzkraftwerken auf 20 MWel (elektrische Megawatt) festgelegt. Dies entspreche dem Prinzip der dezentralen Energiebereitstellung und der Nutzung regional anfallender Biomasse.

Altholz wird seit 2006 nicht mehr deponiert.  Dreiviertel der Altholzmenge wird energetisch genutzt, das verbleibende Viertel stofflich. Durch die EEG-Förderung wurde nach Meinung des Verbandes ein tragfähiger und funktionierender Verwertungsweg für nicht stofflich nutzbare Altholzqualitäten geschaffen, der sich bewährt hat. Die EEG-Anschubfinanzierung war erfolgreich - mit Ende der EEG-Förderung treten die Anlagen ab dem Jahr 2026 in eine förderfreie Post-EEG-Ära ein und werden sich dort am Markt durch Strom-, Wärme- und Abfallholzerlöse finanzieren.

Sollte der Gesetzgeber im Anschluss an die EEG-Förderung erneut Altholz im Rahmen der Verbrennung von Biomasse in umgerüsteten Kohlekraftwerken fördern, befürchtet der Verband, dass die bisherigen milliardenschweren Förderinvestitionen zunichtegemacht würden. Kleine nicht mehr geförderte Altholzkraftwerke müssten gegen geförderte umgerüstete Kohlekraftwerke antreten. Die wettbewerbliche Verzerrung würde die bestehenden Altholzkraftwerke vom Markt drängen.

Große Altholznachfrage kann zu unliebsamen Effekten führen

Dazu käme der immense Brennstoffbedarf der umgerüsteten Kohlekraftwerke aufgrund ihrer Größe. Ein Kohlekraftwerk mit einer Leistung von 800 Megawatt (bei 3500 Vollbenutzungsstunden) hätte einen Brennstoffbedarf von rund einem Drittel des jährlichen Gesamtaltholzaufkommens in Deutschland, das rund acht Millionen Tonnen beträgt. Die bisher politisch gewollte dezentral organisierte Verwertung würde auf wenige große Standorte reduziert, mit erheblichen CO2-Emissionen durch den zusätzlichen LKW-Verkehr über deutlich größere Entfernungen. Am Beispiel der 800-Megawatt-Anlage entstünde ein Bedarf von 112.000 LKW-Fahrten pro Jahr (bei 25 t je LKW), da Altholz aus logistischen Gründen vorwiegend auf dem Straßenweg transportiert wird.

Eine Studie des Beratungsunternehmens Enervis hatte im April den Förderbedarf für Energie aus einem umgerüsteten Kohlekraftwerk modellhaft errechnet. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass die Stromgestehungskosten eines umgerüsteten Kraftwerks zwischen 10,5 und 12 Cent pro Kilowattstunde liegen würden.  Strom aus diesen Anlagen wäre damit teurer als Strom aus den meisten Solar- oder Windkraftanlagen. Der durchschnittliche Förderbedarf wurde mit 3,7 Cent pro Kilowattstunde beziffert.

Die Auftraggeber der Studie – EnBW, Onyx Power und Enviva – sind potenzielle Nutznießer einer solchen Förderung. Das Unternehmen Enviva ist nach eigenen Aussagen der weltgrößte Hersteller von industriellen Holzpellets. Das Unternehmen Onyx Power betreibt vier Steinkohlekraftwerke, an einigen Standorten wird die entstehende Abwärme in lokale Fernwärmenetze eingespeist. Für sein Steinkohlekraftwerk in Bremen Farge hat das Unternehmen bereits eine Genehmigung zur Umrüstung beantragt. Nach der Umrüstung soll künftig Altholz der Klassen AII und AIII zum Einsatz kommen. Das sind Verschnitte und Abschnitte von Holzwerkstoffen, Paletten, Dielen, Fehlböden, Deckenpaneele, Türblätter aus dem Innenausbau oder Bauspanplatten bzw. Möbel mit PVC-Beschichtungen sowie Altholz aus dem Sperrmüll.

Rohstoff Altholz nicht unbegrenzt verfügbar

Die Umweltschutzorganisation Robin Wood kritisierte, dass solche Großkraftwerke voraussichtlich zu einem wesentlichen Teil mit abgeholzten Bäumen befeuert werden, und verwies auf die Pläne für das Heizkraftwerk Tiefstack in Hamburg Holz aus Namibia zu importieren. Die Hamburger Umweltbehörde machte sich Sorgen um die Verbuschung von Savannengebieten in Namibia, und deklarierte die Verbrennung von Holz aus Namibia als umweltschonend. Ein Gutachten hat diese Argumentation inzwischen widerlegt.

Dass diese Befürchtungen von Umweltschützern nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigt auch eine Bestandaufnahme der Europäischen Kommission. Sie kam zu dem Ergebnis, dass nicht nur Restholz in Europa verbrannt wird, sondern auch Holz aus Primärquellen zu Pellets verarbeitet wird. Darüber hinaus ist die Herkunft beachtlicher Holzmengen unklar. Würden weitere Großkraftwerke den Rohstoff Altholz nachfragen und diese Nachfrage auf kein entsprechendes Angebot treffen, ist die Gefahr groß, dass auch importiertes Holz aus intakten und ohne Not gerodeten Wälder in Deutschland verstromt wird. Nicht nur der Klimaeffekt wäre negativ – auch Steuermilliarden würden verschwendet. Die EU-Kommission arbeitet an einer Überarbeitung der Erneuerbaren-Richtlinie. Experten erwarten, dass in der Neufassung auch der Status von Holz als Biomasse neu bewertet wird. pf


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