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Neues Konzept für kommunale Biogasanlagen

Wissenschaft und Praxis wollen gemeinsam ein realistisches, langfristig angelegtes Konzept erarbeiten, wie organische Abfälle auch in kleineren Städten und ländlichen Regionen im Sinne einer Kreislaufwirtschaft optimal  verwertet werden können. (Foto:
Wissenschaft und Praxis wollen gemeinsam ein realistisches, langfristig angelegtes Konzept erarbeiten, wie organische Abfälle auch in kleineren Städten und ländlichen Regionen im Sinne einer Kreislaufwirtschaft optimal verwertet werden können. (Foto: Biogastour 2013, CC BY-ND 2.0, https://www.flickr.com/photos/42198164@N05/9334177168)

Abfälle auch im kleinen Maßstab nutzen und für die Energieversorgung von Kommunen nutzbar machen, das ist das Ziel eines neuen Forschungsprojekts der Universität Bayreuth mit Wissenschaft und Industrie. Bisher lohnt das erst ab 200.000 Einwohnern.

12.02.2016 – Kommen nicht genügend organische Abfälle zusammen, gilt die Energieerzeugung in Biogasanlagen als nicht wirtschaftlich. Dabei schlummert enormes Potenzial in den Abfalleimern deutscher Haushalte, das größtenteils nicht genutzt wird. „Bio-Abfälle sind ein interessanter Rohstoff, zumal die Frage der Entsorgung für zahlreiche Kommunen immer drängender wird“, fasst Prof. Ruth Freitag vom Lehrstuhl für Bioprozesstechnik an der Universität Bayreuth die Lage zusammen.

Sie koordiniert als Leiterin das neue Forschungsprojekt „FOR10‘000“. Die Stadt und der Landkreis Bayreuth dienen dabei als Beispielregion, dort fallen jährlich etwa 10.000 Tonnen Biomüll an. Die Bayerische Forschungsstiftung fördert das Vorhaben die nächsten zwei Jahre mit 600.000 Euro. Mit dabei sind auch mehrere Hochschulen und kleine und mittlere Unternehmen aus dem nordbayerischen Raum sowie einige Betreiber von Biogas-, Klär- und Kompostieranlagen.

Bereits geringe Abfallmengen zur Eigenversorgung nutzen

Wissenschaft und Praxis wollen gemeinsam ein realistisches, langfristig angelegtes Konzept erarbeiten, wie organische Abfälle auch in kleineren Städten und ländlichen Regionen im Sinne einer Kreislaufwirtschaft optimal verwertet werden können. Es soll in wirtschaftlicher Hinsicht attraktiv und auf kommunaler Ebene umsetzbar sein. Den Projektbeteiligten zufolge ist dabei ein wichtiger Aspekt die dezentrale Form der Energiegewinnung, die es auch kleineren Akteuren erlaubt, vergleichsweise geringe Abfallmengen zur Eigenversorgung mit Energie zu nutzen. Die Unabhängigkeit von großen Stromnetzen würde folglich steigen.

Ein wichtiger Aspekt von FOR10‘000 ist die sogenannte Substratvorbehandlung der organischen Abfälle, denn die Zusammensetzung ist sehr vielfältig und schwankt je nach Jahreszeit. „Hierbei geht es um die Entwicklung von Technologien, mit denen verschiedenste Arten von Bio-Müll so zusammengeführt und aufbereitet werden, dass sie in ein und derselben Biogasanlage weiterverarbeitet werden können“, so die Forscher. Landwirtschaftliche Abfälle, zum Beispiel Gülle, sollen gleichermaßen wie organischer Müll aus der Biotonne verwertbar sein. Es geht also darum, die Biogasanlage flexibler und somit im Endeffekt effizienter nutzbar zu machen, damit sie nicht länger nur von einem Substrat abhängig ist.

Integration von Biogasanlagen in kommunale Strukturen

Ein weiterer innovativer Schwerpunkt des Projekts ist die Veredelung des gewonnen Biogas zu Methan. Denn das aus den organischen Abfällen erzeugte Biogas besteht etwa zur Hälfte aus Methan und Kohlendioxid. Das Methan kann vielfach weiterverwendet werden und ins Erdgasnetz eingespeist oder an Gas-Tankstellen weitergeleitet werden. Das Kohlendioxid wird in einer chemischen Reaktion unter Einsatz von Wasserstoff zu Methan und Wasser umgewandelt. Mit diesem Verfahren kann der Methangehalt des Biogas auf mehr als 90 Prozent gesteigert werden und das Abfall-Gas Erdgasqualität erreichen.

Die Verantwortlichen betonen zudem die übergreifende Funktion des Projekts, nämlich die Integration leistungsstarker kleiner und mittlerer Biogas-Anlagen in kommunale Gesamtsysteme der Energieversorgung und Abfallverwertung. „FOR10‘000 versteht sich daher nicht nur als wissenschaftliches Vorhaben, sondern will überdies einen Weg zu innovativen öffentlichen Dienstleistungen bahnen, die konkret zur Energiewende beitragen.“ cw


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