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Neues Verfahren für große Kompostwerke

Das Verfahren ist in eine bestehende Kompostierungsanlage eingebunden. Die Vergärung findet in vier in Reihe geschalteten Fermentern statt. (© Sutco Recyclingtechnik GmbH)
Das Verfahren ist in eine bestehende Kompostierungsanlage eingebunden. Die Vergärung findet in vier in Reihe geschalteten Fermentern statt. (© Sutco Recyclingtechnik GmbH)

Ab diesem Jahr müssen Verbraucher braune Biotonnen nutzen. Die Folge: Es fällt sehr viel mehr Kompostmüll an, der wiederverwertet werden muss. Wissenschaftler haben pünktlich zu dieser Gesetzesänderung ein neues Verfahren entwickelt, das große Kompostwerke effizienter macht.

02.01.2015 – Zeitgleich zur 2015 in Kraft getretenen bundesweiten Biotonnenpflicht wurde ein neues Verfahren entwickelt, das die Effizienz von großen Kompostwerken deutlich verbessert. Das berichtet der wissenschaftliche Informationsdienst BINE. Im neuen Verfahren werden vorab die flüssigen, organischen Bestandteile des Bioabfalls abgetrennt und zur Biogaserzeugung genutzt. So lässt sich in den Großanlagen zur Müllverwertung auch Energie gewinnen. Für das Projekt wurde ein Biofilmfermenter konzipiert, der gegenüber anderen Vergärungsverfahren Kostenvorteile aufweist.

Für Hobbygärtner ist Kompostieren einfach. Sie werfen Kartoffelschalen und Laub im Garten auf einen Haufen und mit der Zeit verwandelt die Natur diese in eine nährstoffreiche Erde. Wird der Bioabfall stattdessen über Biotonnen gesammelt und entsorgt, dann führt der Weg in große, zentrale Kompostwerke und ist deutlich aufwendiger. Der Abfall wird vorbehandelt, aufgeschichtet, im Prozess mehrfach umgesetzt, kontinuierlich mechanisch belüftet und das Sickerwasser erfasst und dem Prozess wieder zugeführt. Das kostet Energie und bedeutet technischen Aufwand. Doch nur so entsteht Kompost in einer verlässlichen Qualität, wie sie etwa die Landwirtschaft fordert.

Die Firma Sutco RecyclingTechnik hat gemeinsam mit der Entsorgungs-Gesellschaft Westmünsterland (EGW) und dem Fachgebiet Siedlungswasser- und Abfallwirtschaft der Universität Duisburg-Essen ein Verfahren entwickelt, das Kompostieren mit Biogaserzeugung kombiniert: Dabei trennt eine Schneckenpresse organische Bestandteile aus dem vorbehandelten Biomüll ab. Der feste, von Organik entfrachtete Anteil wird dem herkömmlichen Kompostierungsprozess zugeführt. Durch diese Vorstufe des Abpressens lassen sich zusätzliche Behandlungskapazität schaffen und die Werke können so mit den vorhandenen Anlagen mehr Material verarbeiten. Der spezifische Energieverbrauch pro Tonne Bioabfall reduziert sich dabei laut BINE Informationsdienst um zehn bis 15 Prozent. Die abgepresste Flüssigkeit wird in einer neuen Vergärungsanlage behandelt und daraus entsteht in den Fermentern Biogas. Das Gas kann in Motoren zur Erzeugung von Strom und Wärme genutzt oder als Biomethan ins Erdgasnetz eingespeist werden. Biogas aus Bioabfall zu erzeugen statt aus nachwachsenden Rohstoffen, beispielsweise Mais, hat den Vorteil, dass keine landwirtschaftlichen Anbauflächen benötigt werden.

In Deutschland fielen 2012 etwa neun Millionen Tonnen Bio- und Grünabfälle getrennt vom Restabfall an. Die erfasste Menge pro Einwohner schwankt innerhalb der Bundesländer von 37 Kilogramm in Brandenburg bis 151 Kilogramm in Niedersachsen. Seit dem 1. Januar 2015 schreibt das novellierte Kreislaufwirtschaftsgesetz flächendeckend die getrennte Entsorgung von Biomüll vor. Nach Prognosen wird die Menge dadurch um bis zu 30 Prozent wachsen, weil bisher ein großer Teil des Bioabfalls vermischt mit Restabfall in der grauen Tonne entsorgt wurde. Daher sind Konzepte gefragt, um die Kapazitäten der rund 1.000 deutschen Kompostwerke zu erhöhen. rr


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