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Das Stromnetz steht unter Druck, aber von wem?

Derzeit streiten Energiewirtschaft und Politiker darum, wer die Schuld an Netzengpässen trägt. (Foto: <a href="https://pixabay.com/" target="_blank">pixabay</a>, <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank">CC0 1.0</a>)
Derzeit streiten Energiewirtschaft und Politiker darum, wer die Schuld an Netzengpässen trägt. (Foto: pixabay, CC0 1.0)

Der Netzbetreiber Tennet meldet Rekordkosten für Noteingriffe ins Stromnetz: Zu viel Windstrom im Norden, zu wenig im Süden und vor allem fehlt der Netzausbau. Dabei könnte das Problem entschärft werden, wenn Kohlekraftwerke abgeschaltet würden.

04.01.2018 – „Der Ausbau der erneuerbaren Energien setzt das deutsche Stromnetz immer stärker unter Druck“, berichtete die Nachrichtenagentur dpa am Montag öffentlichkeitswirksam und berief sich auf Zahlen des Übertragungsnetzbetreibers Tennet. Der hatte zum Start des neuen Jahres von sogenannten Noteingriffen ins Stromnetz berichtet, im vergangenen Jahr summierten sich die Maßnahmen auf einen Betrag von fast einer Milliarde Euro. 2016 waren es noch 660 Millionen gewesen. Für das Handeln der Netzbetreiber kommen die Stromkunden über die Netzentgelte auf ihrer Stromrechnung auf.

Ökostrom als Sündenbock

Dass sich viele Medien (das ZDF titelte etwa „Ökostrom belastet Netze“) auf die Erneuerbaren Energien und insbesondere die Windenergie als Sündenbock festlegen, scheint erst einmal logisch. Die Erzeugung durch Ökostromanlagen ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen und im gleichen Maße die Noteingriffe. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn die konventionellen Energien und insbesondere alte Kohlekraftwerke haben in den letzten Jahren ihre Leistung nicht in dem Maße reduziert wie die Erneuerbaren Energien immer mehr Verantwortung für unsere Stromerzeugung übernehmen. Die Folge ist: Starke Überkapazitäten, verstopfte Stromnetze und ein starres System, weshalb die Netzbetreiber viel Geld für Ausgleichsmaßnahmen zahlen müssen.

Ein Papier aus dem Bundeswirtschaftsministerium und der Bundesnetzagentur, das Mitte November an die Öffentlichkeit gelangte, brachte für das Problem eine Lösung ins Spiel, die zumindest die Symptome lindern könnte. Dort schreiben die Experten, eigene Analysen hätten ergeben, dass „die Stilllegung von Kohlekraftwerken die Lage im Stromnetz deutlich entspannen kann“. Ein Großteil der Kraftwerke habe heute eine belastende Wirkung auf das Netz, eine Stilllegung könnte somit die Versorgungssicherheit steigern.

Kohlekraftwerke sorgen für Netzengpässe

Ähnlich sieht es die renommierte Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Bei entsprechender Wetterlage treffe viel Windstrom auf Netze, die ohnehin mit Kohlestrom verstopft seien. Im Netzgebiet von Tennet seien insbesondere die Kohlekraftwerke im Nordwesten und das Hamburger Kohlekraftwerk Moorburg für Netzengpässe verantwortlich. Deshalb kommt der Windstrom aus dem Norden nicht im Süden an.

Ein weiterer Grund ist die verfehlte Ausbaupolitik der vergangenen Jahre, kritisiert Hans-Josef Fell, der als Abgeordneter der Grünen das Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG im Jahr 2000 mit auf den Weg brachte. Er fordert, den Ausbau der Windkraft nicht nur im Norden Deutschlands zu fördern, sondern auch für den Süden Anreize zu setzen. Der vernachlässigte dezentrale Ökostromausbau sei „zusammen mit der fehlenden Abschaltung von unflexiblen Kohlekraftwerken ursächlich für die hohen Netzeingriffskosten von Tennet.“ cw


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