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Deutsches Stromnetz ist äußerst zuverlässig

Sehr stabiles Netz: Ein Stromkunde muss in Deutschland statistisch mit nur 2,4 Stromausfällen in zehn Jahren rechnen. (Bild: © Petra Dirscherl/ pixelio.de)
Sehr stabiles Netz: Ein Stromkunde muss in Deutschland statistisch mit nur 2,4 Stromausfällen in zehn Jahren rechnen. (Bild: © Petra Dirscherl/ pixelio.de)

Die aktuellen Zahlen zu Stromausfällen zeichnen wie schon in den vergangenen Jahren ein sehr positives Bild von der Zuverlässigkeit der deutschen Stromnetze. Von Blackouts kann keine Rede sein. Im Gegenteil, Stromausfälle sind bundesweit eine Rarität.

09.10.2015 – Deutschland verfügt weiter über eines der zuverlässigsten Stromnetze der Welt. Insgesamt muss ein Stromkunde hierzulande statistisch mit 2,4 Stromausfällen in zehn Jahren rechnen. Das zeigt die aktuelle Störungsstatistik 2014 des Forums Netztechnik / Netzbetrieb im Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE). Im vergangenen Jahr war die Versorgung mit Strom bundesweit äußerst stabil und die Werte die besten seit Beginn der Datenerhebung 2004. Der wichtigste Kennwert ist die Dauer des durchschnittlichen Stromausfalls pro Stromkunde ohne höhere Gewalt. Im Jahr 2014 lag sie bei nur 11,9 Minuten. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 waren es 15 Minuten.

Ergänzend dazu wird die Kennzahl auch mit dem Einfluss höherer Gewalt erfasst. Darunter fallen insbesondere extreme Wetterereignisse wie Stürme und Hochwasser sowie Unterbrechungen infolge behördlicher Anordnung. Die durchschnittlichen Stromausfälle mit höherer Gewalt betrugen 2014 nur 13,1 Minuten. 2013 war es mit 27,6 Minuten doppelt so viel Zeit gewesen. Wichtigste Ursache für die deutlich höheren Werte im Jahr 2013 waren die damaligen schweren Sommerhochwasser im Süden und Osten Deutschlands. Die unterschiedlichen Zahlen für beide Jahre zeigen, dass einzelne extreme Wetterereignisse die Störungsstatistik stark beeinflussen können.

Die jährliche Störungsstatistik beruht auf freiwilligen Datenmeldungen der Netzbetreiber. Der Beteiligungsgrad ist laut VDE seit Jahren hoch: Es werden demnach über 70 Prozent der Stromkreislängen erfasst. Die erhobenen Daten seien sehr detailliert und erlaubten umfassende Analysen, heißt es. Sie ist so eine wichtige Ergänzung für ähnliche Statistiken, wie die der Bundesnetzagentur, in der beispielsweise Störungsanlässe nicht detailliert erfasst werden. rr

 


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Kommentare

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Herbert Saurugg 09.10.2015, 08:25:00

+194 Gut Antworten

Auch der Truthahn kennt nicht die Truthahn-Illusion, wodurch er bei jeder Fütterung das Vertrauen in seinen Besitzer steigert, um am Tag vor Thanksgiving plötzlich böse überrascht zu werden. Und auch wir verhalten uns so ähnlich, wenn wir in die Vergangenheit schauen und daraus die Zukunft ableiten (Rückspiegeleffekt). Denn dabei übersieht man leicht, dass sich die Rahmenbedingungen völlig ändern und die Zukunftsaussage daher massiv gefährdet wird. Ein solcher Indikator sind etwa die Redispatching Maßnahmen, die massiv ansteigen ... http://www.saurugg.net/2015/blog/stromversorgungssystem/auswertung-redispatching-intradaystops

 

Oder anders ausgedrückt: "Ein schwerer Unfall in einem Atomkraftwerk passiert nicht. Unter dieser Voraussetzung wurde die japanische Gesellschaft aufgebaut. Unter dieser Voraussetzung wurden 54 Kernreaktoren errichtet. Das Rechtssystem, die Politik und die Wirtschaft, ja selbst die Kultur basierten auf der Voraussetzung, dass ein Unfall in einem Atomkraftwerk nicht passieren würde. Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass man auf nichts vorbereitet war. Als dann tatsächlich ein Unfall passierte, war dem nichts entgegenzusetzen. Die Aussage von Politikern, Energieversorgern und Aufsichtsbehörden, dass man sich das „nicht vorgestellt“ hätte, entspricht in gewisser Hinsicht durchaus der Wahrheit." S. 26, Kan, Naoto: Als Premierminister während der Fukushima-Krise. München: Iudicium, 2015

Redaktion energiezukunft 13.10.2015, 08:50:49

+194 Gut Antworten

Hallo Herr Saurugg,

 

das deutsche Stromnetz ist sehr stabil und leistungfähig. Doch Sie haben natürlich völlig recht - die Redispatching-Maßnahmen haben zugenommen. Deswegen ist es wichtig, das Stromnetz für die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte auszubauen und fit zu machen. Der Artikel beschreibt den Status Quo, nicht die To-Dos. Ich persönlich bin der Meinung, dass die Energiewende dezentral vorangetrieben werden sollte, mit positiver Beteiligung der Menschen vor Ort. Viele Bürger engagieren sich gerne und aktiv für die Energiewende - und wenn es bundesweit viele kleine, unterschiedliche Erzeugungsanlagen gibt, liegen Herstellung und Verbrauch auch nahe beieinander. Dadurch werden etwas weniger Leitungen benötigt als wenn z. B. Windstrom nur auf der Nordsee hergestellt wird - und dann in großen Mengen bis nach Süddeutschland geleitet werden muss.

Rebecca Raspe, Redaktion energiezukunft

Herbert Saurugg 19.10.2015, 15:24:49

+217 Gut Antworten

Hallo Frau Raspe,

 

ich habe Ihre Antwort erst jetzt, zufällig, gesehen. Ja, der Status-quo ist,was bisher passiert ist - lässt aber nur bedingt den Schluss zu, dass das auch morgen noch stimmt. Daher bin ich bei solchen Meldungen besonders kritisch, da wir auf den Störfall überhaupt nicht vorbereitet sind. Es ist nicht schlimm, dass etwas schief gehen kann, denn es gibt keine 100-%ige Sicherheit. Fatal ist aber, wenn man damit nicht rechnet - wie etwa in Japan (aber auch bei uns): http://www.herbert.saurugg.net/2015/blog/stromversorgungssystem/was-wir-aus-der-atomkatastrophe-von-fukushima-lernen-sollten

Die großen Energieversorger können da wohl ein Lied davon singen ... niemand hat mit den enormen Veränderungen in dieser kurzen Zeit gerechnet.

 

Die Lösung ist mit Sicherheit im dezentralen Stromnetz/-system (Energiezellensystem; http://www.herbert.saurugg.net/energiezellensystem) zu finden, denn das ist gegenüber jeglichen Störungen robust, was derzeit nicht der Fall ist. Das noch nichts passiert ist, hat mehr mit Glück zu tun ...

 

Das Problem ist, dass viele derzeitige "Lösungsansätze" noch immer mit der industriegesellschaftlichen Großtechniklogik gedacht werden, bzw. auch umgesetzt werden sollen. Und das wird in einem zunehmend komplexeren System nicht funktionieren. Wir basteln aber dabei an der kritischsten aller Infrastrukturen herum, als wäre das ein Laborversuch. Und das wird wohl noch fürchterlich ins Auge gehen.

 

Gerne bin ich bereit, auch für diese Plattform meine Einsichten beizutragen. Ein kurzes Mail reicht.

 

Beste Grüße aus Wien

Herbert Saurugg


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