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NetzmanagementEndlich den Strommarkt auf Erneuerbare optimieren

Windräder und Strommasten
Erneuerbare-Energien-Anlagen werden viel zu oft abgeregelt. Konventionelle Kraftwerke tragen wenig zur Flexibilisierung bei. (Foto: energiezukunft / Petra Franke)

Strommarkt und Netzmanagement benachteiligen Erneuerbare Energien. Abregelungen und daraus resultierende Entschädigungszahlungen werden immer wieder als Argument gegen die Erneuerbaren benutzt – ein alter Hut. Das System braucht einen Neustart.

18.01.2021 – Die Weichen am Strommarkt müssen endlich neu gestellt werden. Das bestehende Design des Strommarktes stößt nach Meinung von BEE-Präsidentin Simone Peter immer mehr an seine Grenzen. Ihre Begründung: „Das Strommarktdesign lässt zu, dass konventionelle Kraftwerke Strommengen produzieren, welche zum Teil nicht benötigt werden. Die so herbeigeführten Leitungsengpässe führen dann teilweise zur Abregelung CO2-freier, Erneuerbarer Energien, die dringend gebraucht werden.“

Eine Neugestaltung des Strommarktdesigns auf Basis der Erneuerbaren Energien stehe deshalb auf der Tagesordnung. Die Erneuerbaren Technologien seien zur tragenden Säule des Energiemarktes aufgestiegen. Die Ausgestaltung des Strommarktes müsse sich deshalb auf die Erneuerbaren Energien ausrichten.

Für die Zeiträume, in denen trotz hoher erneuerbarer Einspeisung dennoch eine zum Teil nicht benötigte hohe Leistung von konventionellen Kraftwerken bereitgestellt wird, stelle sich grundlegend die Frage der Sinnhaftigkeit. „Warum stellen konventionelle Kraftwerksbetreiber trotz stark negativer Strompreise über teilweise deutlich mehr als zwölf Stunden am Stück dennoch Stromüberkapazitäten im zweistelligen Gigawatt-Bereich bereit, wenn doch klar ist, dass die Erneuerbaren Energien ausreichend stabil große Strommengenanteile liefern können?“ 

Die Erneuerbaren dafür zu brandmarken, dass sie in solchen Fällen Entschädigungen für erzwungene, aber kaum notwendige Abregelungen bekommen, sei paradox. Zumal die Ereignisse negativer Strompreise massiv zunehmen.

Einspeisevorrang endlich durchsetzen

Die bestehenden Regeln zum Einspeisemanagement sehen für Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen Entschädigungen vor, wenn sie trotz Einspeisevorrang ihre Anlagen bei Netzüberlastung abregeln müssen. Nach Schätzungen der Bundesnetzagentur wurden 2020 etwas über eine Milliarde Euro an Entschädigungen gezahlt.

Der Einspeisevorrang wird aber häufig durch konventionelle Kraftwerke ausgehebelt. So lange die Flexibilität dieser Kraftwerke nicht ausgeweitet wird, steigt die Menge des abgeregelten erneuerbaren Stroms weiter. „Der gesetzlich verankerte Einspeisevorrang muss endlich durchgesetzt werden“, fordert Peter. „Es ist nicht zu akzeptieren, dass die Betreiber konventioneller Kraftwerke die steuerbare Flexibilität ihrer Anlagen nicht ausreichend nutzen, um die Überlastung der Stromnetze zu reduzieren. Entsprechende Regelungen würden auch die Entschädigungen und somit die volkswirtschaftlichen Kosten begrenzen.“

Erneuerbare Energien stellen mit einem Anteil von 47 Prozent am Bruttostrombedarf mittlerweile die tragende Säule der Energieversorgung dar und werden auch künftig bei weiter steigenden Anteilen die Nachfrage sicher und sauber decken.

Versorgungsunterbrechungen haben in den letzten Jahren immer weiter abgenommen. Wenn jetzt das Stromsystem weiter angepasst werde, würde der Strommarkt mehr und mehr zukunftsfest.  Dazu sollten die Flexibilitätsoptionen der Erneuerbaren Energien, von Speichern, Netzen und der Sektorkopplung weiter angereizt und genutzt werden und auch die noch im Strommarkt vorhandenen fossilen Energien ihren Beitrag leisten.

Eingebettet in den europäischen Verbund, in dem die Anteile Erneuerbarer Energien ebenfalls weiterwachsen und Bürgerenergie weiter gestärkt wird, stehe der Modernisierung eines überwiegend dezentralen und bürgernahen Energiesystems nichts im Weg. „Dafür müssen in den kommenden Monaten die Weichen gestellt werden,“ fordert Peter abschließend. pf


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