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Kommentar SolarmarktGibt es eine Alternative zu Made in China?

Solaranlage auf grüner Wiese
Die Preise für Solarmodule steigen – das liegt vor allem an der Abhängigkeit vom asiatischen Markt. (Foto: Markus Spiske auf Unsplash / Free License)

Transportkosten treiben die Preise für Solarmodule nach oben. Um aus der Abhängigkeit von Produkten aus Asien und der damit zusammenhängenden Kostenspirale zu kommen, wäre es höchste Zeit, sich die lokale Wertschöpfung in Form einer europäischen Zell- und Modulproduktion zurückzuholen. Aber wie?

22.09.2021 – Die aktuell sehr hohen Transportkosten für Containertransporte sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Modulpreise auf einem Niveau sind, wie wir es seit dem Herbst letzten Jahres nicht mehr gesehen haben. Diese Erkenntnis hatte ich in meinem letzten Kommentar bereits verbreitet. Ob und wie die Stärkung der lokalen Wertschöpfung in Form einer europäischen Zell- und Modulproduktion zu einem ein Ende der Abhängigkeit von Asien und zu einem Ausbrechen aus der nach oben zeigenden Kostenspirale führen könnte, darauf möchte ich in nun eingehen. Zunächst aber ein Blick auf die aktuelle Preisentwicklung.

Die Modulpreise haben sich in den vergangenen Wochen stabilisiert, bei den meisten Technologien sogar etwas nachgegeben. Dies führe ich einerseits auf einen sommerferienbedingten Nachfragerückgang, andererseits auf das nahende Quartalsende zurück. In den letzten Tagen wurden einige größere Modulkontingente auf den Markt geworfen, so dass die Verfügbarkeit momentan als gut zu bezeichnen ist und die Preise dadurch allgemein etwas unter Druck geraten. Da es sich hier um Lagerbereinigung und damit einen kurzzeitigen Effekt handelt, rechne ich in den Folgemonaten mit einer Korrektur nach oben.

Von China emanzipieren

Damit bleibt es wohl nicht bei einem Preisanstieg von etwa sechs bis neun Prozent seit Jahresanfang, wie wir ihn bei den meisten Indexwerten noch sehen. Allein die Höhe der Preise für Minderleistungsmodule, B-Ware oder Gebrauchtmodule (Low Cost) hat sich seit Januar im Durchschnitt nicht verändert, da es sich hier in der Regel um lokale Angebote handelt, die von Containertransporten aus Asien weitgehend unabhängig sind.

Wie aber können wir uns auch bei den anderen Produktgruppen von den großen Herstellern in China emanzipieren und uns damit vom Preisdiktat der Reedereien und Speditionen lösen?

Seit asiatische Hersteller vor mehr als einem Jahrzehnt den Siegeszug in Europa angetreten haben, sind alle bisherigen Versuche lokaler Produzenten gescheitert, ein konkurrenzfähiges Solarmodul für den Massenmarkt zu präsentieren und zu etablieren. Selbst protektionistische Maßnahmen durch die EU-Kommission, durch die der Import von Zellen und Modulen aus China in den Jahren 2013 bis 2018 stark reglementiert war, konnten die einheimische Industrie nicht retten.

Europa bei der Solarmodul-Produktion abgehängt

Heute gibt es keine ernstzunehmenden Produktionskapazitäten mehr in der EU, die über die Endfertigung von Modulen hinausgehen. Silizium, Wafer, Zellen, Gläser, Folien, Rahmenprofile, Kabel und Anschlussdosen – die meisten Vorprodukte müssen mittlerweile aus Asien beziehungsweise von außerhalb der EU bezogen werden, wenn das Endprodukt erschwinglich bleiben soll. Manche ehemals renommierte deutsche Marke beschränkt sich auf den Zusatz „Engineered in Germany“ oder „Deutsche Garantie“ in ihren Datenblättern, da das komplette Modul oder zumindest das fertige Laminat aus Asien kommt und im Inland nur noch der Rahmen aufgepresst wird.

Solche Produkte sind nicht viel teurer als reine chinesische Module, haben aber auch keinen Transportkostenvorteil gegenüber diesen, weil ja das gesamte Material aus Asien herübergeschafft werden muss. Nicht viel besser sieht es für lokale Modulhersteller aus, die zumindest das Laminieren noch selbst durchführen - auch sie müssen fast alle Vorprodukte aus Asien einführen.

Eine Modulproduktion selbst ist heute weitestgehend automatisiert, so dass Personalkosten hier nicht groß ins Gewicht fallen. Allenfalls bei den Energiekosten und den Umweltauflagen ergeben sich noch Nachteile gegenüber einer chinesischen Produktion. Diese lassen sich aber mit etwas Aufwand und Innovation ebenfalls beseitigen. Unlösbar ist – zumindest kurz- bis mittelfristig – das Beschaffungsproblem für Vorprodukte. Eine vertikale Integration einer Vielzahl von Fertigungsschritten möglichst an einem Standort ist der Königsweg, sowie eine entsprechend hohe Produktionskapazität, um Skaleneffekte zu erzielen. Genau hier liegt aber das entscheidende Problem, weshalb alle europäischen Player auf der Strecke geblieben sind, oder den Manufakturstatus nie verlassen haben.

Ob Meyer-Burger, dem neuesten Kandidaten im Rennen um einen relevanten Platz in der ansonsten asiatisch dominierten Herstellerriege das scheinbar Unmögliche gelingt, bleibt äußerst fraglich. Zumindest kann sich momentan kaum ein Akteur in der Branche, mit dem ich in den letzten Wochen gesprochen habe, vorstellen, dass es den Schweizern mit ihrem aktuellen Setup und der eingeführten Preisstruktur gelingen wird, einen relevanten Marktanteil zu erobern. Aktuell kämpft der Hersteller nämlich auch mit der Verfügbarkeit und den Kosten seiner Rohstoffe, was zu verzögerter Auslieferung bereits vor vielen Monaten bestellter Modulmengen und zu Verkaufspreisen führt, die fast 100 Prozent über denen der großen Tier-1-Hersteller liegen.

Was könnten die Game Changer sein?

Auch die nach eigenen Angaben bessere Modulqualität und die durch die eingesetzte Heterojunktion-Technologie etwas höheren Erträge, sowie der Lokalproduzenten-Bonus reichen meiner Meinung nicht aus, um die so viel höheren Modulkosten zu rechtfertigen.

So bleibt es vielleicht eine Wette auf das Wahlergebnis bei der im September stattfindenden Bundestagswahl in Deutschland und einen damit verbundenen Regierungswechsel, der vermeintlich zu sehr viel besseren Ausgangsbedingungen für einheimische, hochpreisige Produkte führt.

Ein zukünftig sehr viel höherer CO2-Preis könnte beispielsweise einer der Game Changer werden. Auch müssten die Investitionsbedingungen für Infrastrukturprojekte im Bereich der Regenerativen Energien sehr viel besser werden, damit wieder Großindustrie für eine Silizium- und Waferproduktion angesiedelt werden kann.

Ein deutscher Alleingang ist hier jedoch nicht unbedingt zu erwarten und ob ein Regierungswechsel in Deutschland einen so großen Impact auf die Europäische Industrie- und Energiepolitik hat, dass Meyer-Burger und andere Firmen dadurch eine bessere Überlebenschance bekommen, ist fraglich. Ein sehr langes Durchhaltevermögen ist hier sicherlich von Vorteil und eine Handvoll pfiffigere Konzepte, als wir sie in Europa bisher gesehen haben. Ansonsten wird China die lokale Solarszene mit seinen Produkten weiterhin übermächtig dominieren.

Ein Kommentar von Martin Schachinger, pvXchange.com


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Kommentare

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Axel Grohs 23.09.2021, 15:30:41

Kann nicht die Ansiedlung von PV-Fabriken analog zu Batterie-Fabriken aufgebaut werden?

Immerhin benötigt Deutschland in den nächsten 10 Jahren insgesamt ca. 300 GW PV-Module.

 

Oder so:

Deutschland könnte die Lieferung von 20 GW pro Jahr für 15 Jahre ausschreiben und die Module anstelle von Krediten zu Selbstkosten an Interessenten verteilen. Rückzahlung der Kosten über Stromlieferung (z.B. 50% des Jahresertrags) oder alternativ monatliche Raten über 20 Jahre.


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