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Saudi-ArabienPreis für Solarstrom fällt auf Rekordtief

Solaranlage in einer Wüste
Solaranlage in einer Wüste (Foto: David Mark auf Pixabay )

Mit Ausschreibungen will Saudi-Arabien seine Energiewende beschleunigen. Erneuerbaren-Projekte mit einer Kapazität von 3,6 Gigawatt stehen in den Startlöchern – und ein Solarpark liefert künftig Strom für 1,04 US-Cent. Das ist Weltrekord.

13.04.2021 – Vor wenigen Wochen verkündete Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman den Start der zwei Initiativen „Saudi Green“ und „Middle East Green“, die den Klima- und Umweltschutz in der Monarchie und der Region vorantreiben sollen. Der Ausstoß von Treibhausgasemissionen soll um 60 Prozent reduziert und ein deutliches Zeichen gegen den Klimawandel gesetzt werden. Im Rahmen des Projekts „Vision 2030“ will die saudische Führung schon seit mehreren Jahren die Abhängigkeit vom Erdöl deutlich verringern.

Durch ein Ausbauprogramm für Erneuerbare Energien soll der Erneuerbaren-Anteil bis 2030 auf 50 Prozent angehoben werden – derzeit machen die regenerativen Erzeugungsformen nur einen Bruchteil am Energiemix aus. Dafür führt die zuständige Energiebehörde „Renewable Energy Project Development Office“ (REPDO) neuerdings auch Ausschreibungen durch, die zunehmend ausländische Investoren anziehen sollen. Die Stromabnahmeverträge werden an private Stromerzeuger vergeben und haben in der Regel eine Laufzeit von 25 Jahren.

Weitere Projekte werden durch den staatlichen Investmentfonds „Saudi Public Investment Fund“ (PIF) finanziert. Fertiggestellt wurde dadurch bereits der 300 Megawatt Solarpark „Sakaka IPP PV“, der am vergangenen Donnerstag eingeweiht und von der Firma Acwa Power entwickelt wurde. Miteigentümer am Unternehmen ist der PIF. Im Bau befindet sich außerdem derzeit das 400 Megawatt Windenergieprojekt „Doumat Al Janda“.

Strom für 600.000 Menschen

Die Kapazität sämtlicher Erneuerbaren-Projekte – einschließlich jener, die gerade in den beiden Ausschreibungen einen Zuschlag erhalten haben – beläuft sich auf stolze 3,67 Gigawatt. Laut einer Erklärung des Kronprinzen sowie des Energieministers könne damit genug Strom erzeugt werden, um mehr als 600.000 Menschen zu versorgen und die Treibhausgasemissionen um mehr als sieben Millionen Tonnen zu senken.

Ein weiterer positiver Nebeneffekt der Ausschreibungen in Saudi-Arabien: Die Kosten für den produzierten Solarstrom fallen stark, die Projekte unterbieten sich gegenseitig mit immer niedrigeren Zuschlägen. Für das 600 Megawatt Photovoltaik-Projekt „Shuaibah IPP PV“ betrug das niedrigste Gebot nur 1,04 US-Cent – das ist Weltrekord.

Dabei sind die Voraussetzungen für Erneuerbare Energien in Saudi-Arabien insgesamt besonders gut. In den kommenden Jahren könnte vor allem die Photovoltaik einen echten Boom erleben – schließlich verzeichnet der Wüstenstaat eine der höchsten Sonneneinstrahlung weltweit. Ob die Anteile fossiler Energieträger am Energiemix tatsächlich so stark sinken wie derzeit von der saudischen Führung angekündigt, bleibt abzuwarten. Aufgrund der hervorragenden Bedingungen könnte das Königreich eigentlich noch eine viel schnellere – und vor allem eine vollständige – Energiewende einleiten. jk


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Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Siegfried Huemer 13.04.2021, 10:36:56

Die haben es Begriffen, obwohl sie Öl genug hätten, um Strom zu erzeugen. www(.)siglus(.)at

Efan 13.04.2021, 10:51:50

ohne das jetzt wirklich ganz ernst zu meinen, wenn man aus diesem Strom e-Fuels macht, diese nach England verschifft und dort per Generator wieder verstromt, wäre das günstiger als die garantierte Vergütung die für hinkley point c gezahlt wird ???? :-)

Hubert Kirrmann 14.04.2021, 10:19:24

Bitte genau Kostenofferte zeigen. Sind die 1 cts/kWh mit oder ohne Subventionen?

Nick Schaefer 14.04.2021, 19:15:31

@Kirrman:

Der Preis von 1cts/kWh ist selbstverständlich OHNE Subventionen.

Preise OHNE Subventionen welche nur knapp darüber liegen werden auch in Spanien und Portugal in den öffentlichen Vergaben der letzten zwei Jahre erzielt.

Sowie in allen anderen halbwegs stabilen sonnigen Ländern.

 

Diese Preise vergleichen sich mit Kohlestrom zu 50 cts/kWh, wobei wir dafür an der Strombörse nur 4 cts/kWh bezahlen, und die Umweltschäden, Arsen- ind Feinstaubstoten nie den Verursachern in Rechnung gestellt werden.

 

Oder das neuste und modernste AKW der Welt, welches in Hinkley Point in UK gebaut wird: Dort wurde 2013 vertraglich ein Preis von 10 UK pence/kWh vereinbart, welcher mit der Inflation ansteigt. Womit er heute schon über 15 cts/kWh kostet. Und nirgends die Kosten für Entsorgung, Rückbau, und Katastrophen-Versicherung abdeckt.

 

Strom kann übrigens mit HVDC Gleichstrom-Hochspannungsleitungen um die ganze Welt transportiert werden, für 1 cts/kWh.

 

Fazit: SolarStrom ist bei weitem der allergünstigste Stromträger, nicht nur heute, sondern in der gesamten WeltGeschichte, und steht problemlos in Kürze in realistisch unermesslichem Ausmass zur Verfügung.

Hubert Kirrmann 19.04.2021, 12:18:18

+20 Gut

Schechtmachen der anderen ist keine Antwort.

Also, 1 W PV produziert 1,4 kWh/Jahr in Arabien (in Mitteleuropa 1 kWh). Wenn die Module 0,3€/W kosten, das Errichten 0,4€/W kosten produziert dieser Watt zu 50 Rp/kWh.

Um auf 0,01€ zu kommen muss die Anlage 50 Jahre ohne Unterhalt produzieren.

Bitte Rechnung auflegen.

Sebastian Latz 07.07.2021, 10:08:11

+10 Gut

Herr Kirrmann,

in dieser Größenordnung kosten Module 0,17 ct/W, bei zwei Achsiger Nachführung erreichen sie dort Erträge bis 2500 Volllaststunden pro Jahr. Geht man von deutlich niedrigeren Löhnen, Sicherheitsanforderungen, etc bei der Installation aus, können Sie das kWp für 500 - 550 € bauen. Wenn sie die Erträge und die Laufzeit von 25 Jahren gegenrechnen, kommen sie sogar mit Marge und maintenance fee auf 1 ct/kWh.

 

Selbst in Deutschland baut EnBW Anlagen ohne Förderung für 650 €/kWp.

Kurt Müller 18.04.2021, 16:51:51

Viel zu schön um wahr zu sein! Wenn man Strom für 1,04 US-Cent produzieren und für einen Cent pro kWh "um die ganze Welt transportieren" könnte, würde die Wirtschaft weltweit boomen, weil man überall auf Sonnenenergie setzen würde. Kohle- und Atomausstieg hätten sich erübrigt, weil die Versorger von sich aus mit aller Kraft so schnell wie möglich raus wollten.

Die Saudis sind für Märchen aus 1001 Nacht bekannt!

Geht's nicht eine Nummer kleiner? Mir würde fürs erste eine Anlage zur Wasserstoff-Elektrolyse reichen, die aus Solarenergie einen subventionsfreien Betrieb (ohne Anschaffungskosten) des ÖPNV einer Stadt wie Hamburg gewährleistet. Kennt jemand so eine Referenzanlage?

Michael Oldenburg 25.06.2021, 23:01:48

Diese Nachricht ist ein Schlag ins Gesicht der Wasserstofflobbyisten. Bis 2030 will Saudi-Arabien 50% des Eigenenergieverbrauchs mit Erneuerbaren, sprich Strom aus Photovoltaik-/Solaranlagen decken. Ab wann man Überschüsse, die dann exportiert werden können, produziert, steht hier nicht, aber so wie das aussieht, wird das wohl noch mindestens 20 Jahre dauern.

 

In anderen Wüstenstaaten dürfte es nicht besser aussehen.

Es wird wohl so schnell nichts mit grünem Wasserstoff aus grünem Strom aus Afrika oder Asien.


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