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PV-PilotprojektSolardach über der Autobahn

So könnte es aussehen, das Solardach für die Autobahn
So könnte es aussehen, das Solardach für die Autobahn. (Foto: LABOR3 Architektur GmbH)

Die Überdachung von Autobahnen mit Photovoltaik hätte in Deutschland ein riesiges Potenzial für die Stromerzeugung. Zusätzlich könnte der Asphalt geschützt und Lärm vermieden werden. Ein Pilotprojekt untersucht nun die Praxistauglichkeit.

31.07.2020 – Mehr als 13.000 Kilometer Autobahn ziehen sich kreuz und quer durch Deutschland – es ist das viertlängste Netz auf der ganzen Welt. Könnte diese Fläche durch eine Überdachung mit Solarmodulen effizient und sinnvoll für die Stromerzeugung genutzt werden? Welche weiteren Vorteile würden dadurch entstehen? Genau diesen Fragen geht ein internationales Pilotprojekt des Austrian Institute of Technology (AIT) jetzt nach.

Die Forscher gehen davon aus, dass diese Form der Überdachung von Straßen neben der solaren Energiegewinnung und Mehrfachnutzung der Fläche auch noch weitere positive Effekte mit sich bringen könnte: Die Straßenoberfläche wird vor Niederschlägen und Überhitzung geschützt und erreicht dadurch eine längere Lebensdauer. Außerdem wäre es durch eine geeignete Konstruktion möglich, einen zusätzlichen Lärmschutz zu erhalten.

Forscher planen Tests mit Prototyp

Im ersten Teil des AIT-Projekts wird nun gemeinsam mit den Projektpartnern ein Entwurf für einen Prototyp einer Photovoltaik-Straßenüberdachung ausgearbeitet. Dazu wird zunächst ein geeignetes PV-Konzept mit passenden Modulen entwickelt sowie eine entsprechende Tragkonstruktion entworfen.

Im zweiten Teil soll daraus der Prototyp gebaut, mit Messtechnik ausgerüstet und für ein Jahr lang im Betrieb wissenschaftlich getestet werden. Dadurch erhoffen sich die Forscher Rückschlüsse auf die vielfältigen Anforderungen einer derartigen Anlage – zum Beispiel in Bezug auf Entwässerung, Wind- und Schneelasten, Standsicherheit und Anprallsicherheit, Wartungsmöglichkeiten und Verkehrssicherheit.

Die Solardächer sollen dabei keinesfalls die Straßen komplett verdunkeln. Vielmehr werden Module und Gestelle verwendet, die noch ausreichend lichtdurchlässig sind. Diese teiltransparenten Module reduzieren zwar die Effizienz – jedoch nur in einem sehr geringen Maße.

PV-Potenzial von mindestens 72 GW

Mit an dem Projekt beteiligt ist auch das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE), das schon seit mehreren Jahren an der Einbettung von Solarmodulen in und an Verkehrswegen forscht. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass in Deutschland auf technologisch sinnvollen Flächen – wie zum Beispiel an Lärmschutzwänden, Radwegen und Seitenstreifen – ein PV-Potenzial von mindestens 72 Gigawatt (GW) besteht. Eine Überdachung von Verkehrswegen mit Photovoltaik sei ebenfalls denkbar und schütze gleichzeitig den Straßenbelag vor Umwelteinflüssen.

Vorteile ergeben sich laut dem Institut durch die Nutzung bereits versiegelter Flächen, einen geringeren Aufwand für Aufbau, Verlegung und Installation sowie eine kurze Anbindung für den Netzanschluss. Herausforderung seien dagegen die teilweise sehr hohen Anforderungen an die Modultechnologie, die Notwendigkeit eines effizienten Verlegungssystems für große Flächen sowie den erhöhten Aufwand für Reinigung und Wartung.

Wie effizient so ein Solardach für die Autobahn wirklich ist und wie aufwendig sich die Instandhaltung gestaltet, wird sich vermutlich erst nach dem einjährigen Testbetrieb des Prototyps zeigen. Entscheidend werden auch die Kosten sein, die im Vorfeld als eher hoch einzuschätzen sind. jk


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Kommentare

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eWender 01.08.2020, 14:50:09

- das Dach selbst rechnet sich über die reduzierten Unterhaltskosten der Fahrbahn . Langlebigkeit, Winterdienst.

- zudem Sicherheitsgewinn durch stets trocken Fahrbahn

- Lösung für die Versorgung Ladeinfrastruktur der eFahrzeuge

- Befestigungsmöglichkeit der Oberleitung

- deutliche CO2 Einsparung bei den Verbrennern - reduzierte Geschwindigkeit - reduzierter Fahrtwind.

Doch weshalb forschen? Beschließen und erste Anlagen bauen und die Nächsten kontinuierlich verbessern.

 

Die Einhausung bei Aschaffenburg - trägt bereits die längste PV-Anlage über einer Autobahn seit ca. 2014.

tobmat 04.08.2020, 07:33:37

0 Gut

Ob sich das Dach rechnet bleibt abzuwarten. Die Konstruktion ist ziemlich aufwendig und muss starken Beanspruchungen standhalten. Die meisten PV-Technologien vertragen Erschütterungen nur sehr schlecht, da die verbauten Zellen zum Brechen neigen. In den zu installierenden Höhen, oberhalb der Verkehrsschilder, kommt dann noch der Wind hinzu.

 

Für die Ladeinfrstruktur der eFahrzeuge ist das Projekt irrelevant. Da ist es viel günstiger auf einem Feld neben dem Parkplatz eine Freiflächenanlage zu installieren.

 

Warum sollte sich bei den Fahrzeugen die Geschwindigkeit reduzieren? NAtürlich darf die Kosntruktion den Verkehr nicht behindern.

Christian 04.08.2020, 11:43:10

Ich halte es für eine vielversprechendes Projekt.

Ich glaube wenn man die zusätzlichen Effekte neben der Energieproduktion einrechnet. wird es verhältnismäßig gar nicht so teuer.

Ich denke die größten Probleme sind Komfort und Sicherheit.

Bei schweren Unfällen (vor allem LKW) kommt es immer wieder vor, dass die Leitplanken nicht ausreichen. In im Falle einer Kollision könnten daher Teile der Dachkonstruktion beschädigt werden und einstürzen. Auch Brände unter dem Dach sind vermutlich nicht gut (auch wenn dieses Problem in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen hat.

 

Das größte Problem sehe ich im ständigen Lichtwechsel. Wer schon einmal eine Baumallee bei Sonne gefahren ist, weiß was ich meine.


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