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Solarstrom-Renaissance in Italien

Foto: Bild einer Photovoltaikanlage in Italien
Immer mehr italienische Unternehmen setzen auf günstigen eigenen Solarstrom, hier eine 200 kW PV-Anlage von Stucchi in Pagazzano bei Bergamo. (Foto: H.C. Neidlein)

Die Photovoltaik ist in Italien auf dem Vormarsch, auch ohne eine direkte finanzielle Förderung. Wichtige Treiber sind dabei die Kostensenkung, scharfe Gebäudestandards und ambitionierte Regierungspläne. Im Trend liegen vor allem der gewerbliche Eigenverbrauch und direkte Stromabnahmeverträge.

27.02.2018 – Bis 2014 galt Italien aufgrund großzügiger Einspeisetarife als Eldorado für Solarinvestoren. Gut 17 Gigawatt (GW) Photovoltaikanlagen wurden innerhalb kurzer Zeit installiert. Doch als die Förderung abrupt gestoppt und Anlagenbetreiber sogar nachträglich besteuert wurden, kam der Markt fast zum Stillstand. Nun wendet sich das Blatt wieder und in der Solarbranche herrscht Aufbruchstimmung. Denn aufgrund der Kostensenkung, einer neuen Energiestrategie der Regierung sowie verschärften Gebäudevorschriften erlebt die Photovoltaik eine zweite Renaissance. Im vergangenen Jahr gingen neue PV-Anlagen mit knapp 410 Megawatt (MW) ans Netz, ein Plus von 37 Prozent gegenüber 2016. Die insgesamt installierte Solarstromleistung erreichte Ende Dezember 2017 19,7 GW.

55 Prozent erneuerbarer Strommix bis 2030

55 Prozent erneuerbar soll der italienische Strommix bis 2030 sein, beschloss die italienische Regierung im November 2017. Derzeit liegt der Anteil des Stroms aus Sonne, Wind und Biomasse bei 24 Prozent (ohne große Wasserkraft). Zudem wurde angekündigt, die Kohlekraftwerke bis 2025 stillzulegen. Branchenverbände rechnen nun mit einem Zubau von über 30 GW Photovoltaik innerhalb der kommenden zwölf Jahre. Schon seit einiger Zeit gilt für Neubauten und bei grundlegender Gebäudesanierung eine „Solarpflicht“. Private Gebäude müssen ihren Strom- oder Wärmebedarf zu mindestens 50 Prozent über Photovoltaik oder Solarthermie selbst decken. Gewerbe- und Industrie zu 40 bis zu 80 Prozent. Für öffentliche Bauten gelten verschärfte Anforderungen. Indirekt gefördert wird der solare Eigenverbrauch durch Steueranreize sowie Net-Metering.

Amortisationszeit von unter vier Jahren

Vor allem Industrie- und Gewerbebetriebe setzen nun über die gesetzlichen Vorgaben hinaus auf günstigen Solarstrom vom eigenen Dach. So deckt beispielsweise der Lebensmittelgroßhändler Polo in Teolo im Großraum Verona einen Großteil seines Strombedarfs, vor allem für die Kühlung, über eine 367 Kilowatt (kW) starke Photovoltaik-Dachanlage. Die Investition rentiert sich laut Unternehmenschef Galdino Peruzzo innerhalb von weniger als vier Jahren. „Wir sind bisher sehr zufrieden und rechnen mit einer Amortisationszeit von fünf bis sechs Jahren“, sagt eine Unternehmenssprecherin von Stucchi in Pagazzano bei Bergamo. Der Hersteller von Ventilen und Vakuumpumpen nahm vor zwei Jahren eine 200 kW starke PV-Dachanlage in Betrieb, die über Unicredit geleast wurde. Der Solarstrom wird ebenfalls hauptsächlich zum Kühlen der Produktion und der Warenlager genutzt. Denn an heißen Sommertagen können sich diese ansonsten auf bis zu 40 Grad Celsius aufheizen. Nun möchte das Unternehmen auch auf Nachbargebäuden weitere PV-Anlagen für den Eigenstromverbrauch installieren lassen.

Zulieferer mit vollen Auftragsbüchern

Örtliche Zulieferer, wie der Industriedachausrüster Grondal aus Castiglione delle Stiviere südlich des Gardasees berichten von vollen Auftragsbüchern. Vor zwei Jahren entwickelte Guiseppe Engheben, Inhaber des mittelständischen Unternehmens. ein patentiertes Befestigungssystem für PV-Module. Das EGA-System ist speziell für die weit verbreiteten gerippten Dächer von Industrie- und Gewerbebauten ausgelegt. Es wird mit derselben Schraube an dem Blechdach oder der Platte befestigt, welche diese mit der darunterliegenden Trägerkonstruktion verbindet. „Auf diese Weise vermeiden wir eine zusätzliche Dachdurchdringung und damit Feuchtigkeitsprobleme“, so der Grondal-Chef. Zudem kann es einfacher montiert werden und es ist stabiler.

„Hier hatten wir viel zu tun“, erzählt Engheben und zeigt nach oben. In präzisen Abständen sind die EGA-Modulklemmen auf dem 11.000 Quadratmeter großen Dach der neuen Werkshalle von C 90 in Desio, nördlich von Mailand, montiert. Sie bieten Platz für eine 1 MW starke Photovoltaikanlage, welche für die Eigenstromversorgung des Unternehmens genutzt wird, das sich auf die Fertigung von hochwertigen Holzinneneinrichtungen von Booten spezialisiert hat.

Vermarktung über Stromabnahmeverträge

Im Trend liegen auch private Stromabnahmeverträge, sogenannte Power-Purchase-Agreements (PPAs). So ging im vergangenen Jahr in Montalto di Castroa (Provinz Lazio) die größte, nicht subventionierte PV-Anlage Italiens mit 63 MW in Betrieb. Der Strom wird zu einem Festpreis für vorerst zwei Jahre an den italienischen Stromhändler Green Trade geliefert. Wechselrichter und Mittelspannungs-Netztechnik lieferte übrigens SMA aus dem nordhessischen Niestetal.

Daneben spielt das sogenannte Repowering älterer PV-Anlagen, die noch unter dem bis 2014 geltenden Conto Energia (mit seinen Einspeisetarifen mit 20-jähriger Laufzeit) gebaut wurden, eine große Rolle. Seit vergangenem Februar gilt die Regelung, dass bei Anlagen bis zu 20 kW eine Leistungsverbesserung von maximal fünf Prozent ebenfalls per Einspeisetarif vergütet wird, bei Anlagen mit mehr als 20 kW eine Leistungsoptimierung um bis zu einem Prozent. Hans-Christoph Neidlein


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