Menü öffnen

Jahresbilanz 2020Wachsender Markt für Energiespeicher

Ein Arbeiter vor einem Schrank mit mehreren Batteriemodulen.
In Deutschland wächst der Markt für Batterie- und Wärmespeicher. (Foto: Tesvolt)

Energiespeicher sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Die Branche konnte sich im vergangenen Jahr über gestiegene Umsätze freuen, jedoch nicht in allen Segmenten. Vor allem Batterie- und Wärmespeicher in Gebäuden legten kräftig zu.

18.03.2021 – Passend zur Bekanntgabe der Jahresbilanz gab der Vorsitzende des Bundesverbandes Energiespeicher Systeme (BVES) den Einbau des 300.000 Heimspeichers bekannt. Urban Windelen konnte insgesamt von einem positiven Geschäftsjahr 2020 und einem ebenso optimistischen Ausblick für das laufende Jahr berichten.

Drei Segmente werden in der Branchenanalyse unterschieden: Haushalt, Industrie und Gewerbe sowie Systeminfrastruktur. Dabei werden auch thermische, mechanische, elektrochemische und chemische Speicher berücksichtigt. Ladesäulen und Wasserstoff sind ebenfalls integriert.

Insgesamt konnten die Unternehmen der Speicherbranche ihre Umsätze im letzten Jahr kräftig steigern, jedoch nicht in allen Segmenten gleichermaßen. Das größte Wachstum gab es bei Installationen im Haushalt. 3,5 Milliarden Euro gaben deutsche Haushalte im vergangenen Jahr für Speicherlösungen aus, wobei sowohl Heim- als auch Wärmespeicher zusammengefasst sind. 2019 waren es 2,36 Milliarden Euro.

Heimspeicher boomen

Im Haushaltsegment sind es vor allem die Heimspeicher, die den Markt beflügeln. 285.000 Systeme waren Ende 2020 installiert. Bis Mitte März 2021 war die stolze Zahl von 300.000 erreicht. Sie halten 2,3 Gigawattstunden grünen Strom bereit, ausreichend für die jährlichen Waschgänge von über 20.000 Haushalten oder um über 170-mal mit dem E-Auto um die Erde zu fahren.

Nahezu 70 Prozent der Photovoltaikanlagen werden inzwischen mit einem Batteriespeicher kombiniert. Mit 1,1 Milliarden Euro Umsatz verzeichnete die Branche ein Umsatzwachstum von 60 Prozent und erwartet weiteres Wachstum in diesem Jahr. Die durchschnittliche Kapazität steigt dabei, sie beträgt mittlerweile 8,5 Kilowattstunden. Da mit dem EEG 2021 nun auch größere Anlagen (bis 30 Kilowatt Leistung) beim Eigenverbrauch von der EEG-Umlage befreit sind, erwarten die Speicherhersteller einen Zubau größerer PV-Anlagen im Eigenheimbereich und damit einhergehend auch größere Heimspeicher.

Um 40 Prozent stiegen die Umsätze bei Wärmespeichern. Diese Speicherform generierte 2,4 Milliarden Euro Umsatz, wobei insbesondere Wärmepumpen auf dem Vormarsch sind.

Wenig Bewegung beim Ausbau der Großspeicher

Einen Umsatzrückgang verzeichnete das Segment der Industrie- und Gewerbespeicher. Die Analysten des Verbandes führen das auf die Corona-Pandemie zurück, in der viele Betriebe mit mehr Unsicherheit und Umsatzeinbußen zurechtkommen mussten. Nach Einschätzung des Verbandes entzieht sich Deutschland weiterhin dem internationalen Trend zum verstärkten Einsatz von Großspeichern in der Systeminfrastruktur. Der Umsatz mit solchen Systemen stagnierte auf Vorjahresniveau. Begründet wird dies mit den niedrigen Preisen für Primärregelenergie – es lohnt sich schlichtweg nicht, in teure Großspeicher zu investieren.

Wasserstofflösungen finden in Deutschland ein schwieriges Umfeld vor, so dass Marktanwendungen im industriellen Maßstab sich (noch) nicht durchsetzen können. Eine gute Entwicklung zeigen dagegen thermische Speichersysteme, die insbesondere in der Industrie zunehmend Anwendung finden und zur Dekarbonisierung beitragen.

Eine Umfrage in der Speicherbranche zeichnet ein sehr optimistisches Bild. 70 Prozent der Befragten rechnen mit steigenden Umsätzen, nur acht Prozent befürchten einen Umsatzrückgang. Als Treiber werden die E-Mobilität, weitere Erneuerbare-Anlagen und steigende CO2-Kosten gesehen. Auch die noch nicht im Detail beschlossene Spitzenlastkappung motiviert zum Speichereinbau. Mit diesem Instrument sollen die Kosten des Netzausbaus auf Verteilnetzebene minimiert werden, indem steuerbare Verbraucher, wie zum Beispiel Ladesäulen oder Wärmepumpen, zeitweise ferngesteuert vom Netz genommen werden, um es nicht zu überlasten.   Jedes zweite Unternehmen will neue Mitarbeiter einstellen, die Suche nach Fachkräften bleibt weiterhin herausfordernd.

Die Rahmenbedingungen bremsen

Die größten Hemmnisse sieht die Branche in der uneindeutigen Definition des Stromspeicherbegriffs, in langwierigen Genehmigungsverfahren, Netzanschlussbedingungen mit unpraktikablen Mess-
und Abrechnungskonzepten und in der Intransparenz der geltenden Regelungen. Mit den rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen sind die Unternehmensvertreter nicht zufrieden.

Urban Windelen vom BVES fasst zusammen: „Ein Zubau von über 100.000 allein an Hausspeichern in einem Jahr ist ein tolles Ergebnis. Und gleichzeitig ein deutliches Signal, dass die Bürger in Haushalt, Gewerbe und Industrie zunehmend auf Speichertechnologien setzen wollen, um ihre Energieversorgung sicher, grün und kosteneffizient zu gestalten. Dieses Signal sollte endlich auch die Politik hören und der deutschen hochinnovativen Speicherbranche passende Rahmenbedingen für ihre Produkte geben. Allein auf den Netzausbau zu setzen und die Menschen in ein veraltetes Energiesystem zu quetschen, wird für eine erfolgreiche Energiewende nicht ausreichen.“ pf


Mehr zum Thema


Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

(wird nicht veröffentlicht)
max 2.000 Zeichen


energiezukunft