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Landwirtschaft und PhotovoltaikAgri-Photovoltaik ohne extra EEG-Vergütung

Baufahrzeug auf Ackerfläche, erste Metallstützen für zukünftige PV-Anlage sind montiert.
Bauarbeiten auf der Fläche der zukünftigen Agri-PV-Anlage in Bad Waldsee (Foto: solmotion project GmbH)

Eigentlich sollten Agri-PV-Projekte ein eigenes Segment im EEG werden und eigene, leicht höhere Vergütungen erhalten. Doch die Zustimmung der EU zu dieser Beihilfe steht nach wie vor aus. Das Unternehmen solmotion baut Agri-PV-Projekte dennoch.

17.12.2025 – Soll Photovoltaik parallel zur landwirtschaftlichen Nutzung einer Fläche stattfinden, sind Projektierung und Bau etwas aufwändiger. Auch kann die Fläche nicht so dicht mit Modulen bebaut werden, wie in den sonst üblichen Freiflächen-Solarparks. Deshalb sollten Agri-PV-Anlagen mit dem im April 2024 beschlossenen Solarpaket1 einen kleinen Bonus bekommen. Viele Projektierer und Landwirte planten Anlagen, doch gebaut wurden sie vielerorts bisher nicht. Denn die Anlagen rechnen sich meist nicht ohne die in Aussicht gestellte eigene Vergütungskategorie.

Dass das Solarpaket1 bisher nicht von der EU beihilferechtlich genehmigt wurde, liegt an einer Lücke im deutschen Energierecht. Die Mitgliedsstaaten sind verpflichtet, geeignete Fördermechanismen zu implementieren, die Übergewinne abschöpfen und den Verbrauchern zugute kommen lassen. Deutschland hat diese Vorgabe bisher nicht erfüllt – mit der Konsequenz, dass die EU keine neuen Beihilfen im Energiesektor durchwinkt.

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Zwei Zielen muss die zukünftige Förderung für Strom aus Erneuerbare Energien-Anlagen gerecht werden: Übergewinne sollen abgeschöpft werden und Verbrauchern zugutekommen. Und: Nach dem EU-Beihilferecht sollen Fördergelder angemessen sein.

Ein Unternehmer, der nicht wartet, ist Michael Keil, Geschäftsführer von solmotion aus Ravensburg. Sein Unternehmen baut derzeit gleich drei Agri-PV-Projekte mit insgesamt rund 15 Megawatt Leistung. Planung und Konzepte der von verschiedenen Landwirten bewirtschafteten Flächen ähneln sich. Die Photovoltaik wird auf Tracker-Systemen installiert. Das Nachführen steigert die Erträge bei tiefstehender Sonne morgens, abends und im Winter. Weitere Vorteile: Schnee kann abgeworfen und für die landwirtschaftliche Bearbeitung der Flächen können die Module passend gekippt werden.

Kombination mit Batteriespeichern

„Die Mehrerträge aus diesen Zeiten, in denen die Börsenpreise meist sehr auskömmlich sind, erwirtschaften die Mehrkosten, die das System mit sich bringt“, erklärt Keil. Zudem sind passend dimensionierte Batteriespeichersysteme Teil jeder Anlage. Sie werden als Grünstromspeicher betrieben, speichern Strom aus den PV-Anlagen ein und speisen ihn ins Netz, wenn die Preise hoch sind.

Die drei Anlagen sind auf Tracker-Systemen der Firma Zimmermann aufgebaut. Der regionale Hersteller hat diese Technik laufend weiterentwickelt und bietet laut Keil eine der verlässlichsten Lösungen am Markt. Die leistungsstarken Glas-Glas-Module sind bifazial. Das bedeutet, dass auch reflektiertes Licht auf der Unterseite der Module in Strom umgewandelt wird.

Vermarktung über EEG

„Anfang des Jahres waren wir wie viele im Markt gespannt, ob die beihilferechtliche Genehmigung noch kommt. Bald war klar, dass die neue Bundesregierung diese Entscheidung nicht weiter forciert. Wir wollten aber die Zukunftslösung Agri-PV nicht einfach abschreiben und haben uns auf den Weg gemacht, Projekte neu zu denken“, führt solmotion-Geschäftsführer Michael Keil aus. Sein Team war mit neuen Strategien und Ideen erfolgreich. „Machen statt Warten“, ist laut Keil das interne Motto.

Vermarktet wird der Strom über das EEG. Eine Fläche wird als Weidefläche für Rinder landwirtschaftlich genutzt, eine zweite Fläche voraussichtlich ebenfalls, aber auch Grünland ist in der Diskussion. Die als Vornorm existierenden Vorgaben für Agri-PV erfüllen zwei der Projekte, das dritte nicht. Zwar wird dort die gleiche Anlage gebaut, aber der Referenzertrag von 66 Prozent wird nicht erreicht. Dieses Projekt rechnet sich dennoch, und würde sich auch ohne Agri-PV-Bonus rechnen.

Vom Know-how kann jeder profitieren: Das Unternehmen bietet einen Projekt-Check für Landwirte, Investoren und Projektierer an. Keil erklärt: „Oft lohnt sich ein zweiter, geschärfter Blick auf vermeintlich unwirtschaftliche Projekte. Mit unserer Erfahrung aus der Praxis und den jetzt gestarteten, weiteren Projekten können wir die richtigen Stellschrauben erkennen und drehen.“ Das gelte nicht für jedes Projekt: „Manche wären auch mit Solarpaket1 bei uns durchs Raster gefallen. Da waren die Annahmen teils zu optimistisch.“ Das gilt laut Keil besonders für sehr kleine Anlagen. pf

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