Solarmarkt-AusblickChinas Exportpolitik lässt Modulpreise steigen

Solarpark im Bau, Module sind noch nicht überall montiert
Zuletzt lagen die Preise für chinesische Solarmodule unter den Herstellkosten. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. (Foto: naturstrom AG)

Ab April 2026 bekommen chinesische Solarmodulhersteller keine Exportrabatte mehr. Das führt schon jetzt zu höheren Preisen. Gastautor Martin Schachinger beobachtet seit vielen Jahren die Modulmärkte und konstatiert das Ende der Niedrigpreisphase.

26.01.2026 – Das neue Jahr ist bereits ein Jahr der radikalen Veränderungen und dieser Trend wird sich noch verstärken. Das vergangene Jahr endete relativ ruhig und langweilig, gerade auch die Modulpreisentwicklung betreffend – über Monate hinweg war kaum Bewegung zu erkennen. Auch verabschiedete sich die Branche aufgrund der speziellen Lage der Feiertage im Dezember bereits früh in den Weihnachtsurlaub. Dementsprechend konnte man sich eine angenehm lange Zeit erholen, runterkommen, über das Vergangene nachdenken und Pläne für das vermeintlich Kommende schmieden.

Das Jahr des Feuerpferds

Doch mit dieser angenehmen Ruhe ist es bereits in den ersten Tagen seit Neujahr endgültig vorbei. Das Jahr 2026 soll nämlich laut verschiedener, noch allgemein gehaltener Prognosen eine Mischung aus Wandel, Chancen und Herausforderungen bringen. Für China respektive ganz Asien ist es astrologisch das Jahr des Feuerpferds, das für Unabhängigkeit, Tatkraft, Energie und einen starken Drang nach Veränderung steht und nur alle 60 Jahre vorkommt. Nun, das Feuerpferd hat sich denn auch mit Wucht in unseren bis dato ruhigen Alltag gedrängt. Nicht nur durch Wetterkapriolen, auch geopolitisch haben wir in den wenigen Tagen des neuen Jahres bereits heftige Erschütterungen erlebt. Kein Stein scheint mehr auf dem anderen zu liegen, die Welt scheint neu geordnet werden zu müssen.

In ganz unterschiedlichen Regionen des Globus erschallt der Ruf nach Veränderung, leider selten friedlicher Natur, häufig ist Gewalt im Spiel – Energie, Feuer, Wandel. Gewaltig versprechen auch die Veränderungen im Solarmarkt zu werden, auch wenn die Dramatik natürlich in keinerlei Art und Weise mit den Zuständen in den Krisenregionen vergleichbar ist. Auch hat im Prinzip beinahe jeder bei den Modulpreisen auf eine Anpassung nach oben gewartet, auch wenn der Zeitpunkt nicht klar war. Allerdings hat wieder einmal niemand mit der Heftigkeit der Anpassungen gerechnet.

China streicht Steuererleichterung für Exporte

In China ist die Katze aus dem Sack gelassen worden: die angekündigte Streichung der Exportrabatte tritt ab dem 1. April 2026 in Kraft. Doch was zunächst als laues Lüftchen in nicht allzu weiter Ferne beginnt, scheint sich schneller als erwartet zu einem ausgewachsenen Tsunami zu entwickeln. Aus diesem Grunde habe ich auch die untenstehende Grafik um eine 2-Monats-Prognose erweitert. Betrachtet man nämlich nur die gemittelte Preisentwicklung aller Technologieklassen im Januar, scheint sich mit 0 bis maximal 5 Prozent Preissteigerung noch alles in geordneten Bahnen abzuspielen. Blickt man aber in die nahe Zukunft und hört auf die Ankündigungen diverser Hersteller, dann ergibt sich bereits ein ganz anderes Bild.

Preise steigen bereits jetzt

Aktuell informieren etliche Händler Ihre Kunden per E-Mailnewsletter, Sozialen Medien oder persönlich darüber, dass die Preise ab Anfang April steigen werden und sie sich entsprechend ihrer Projektpipeline bitte bevorraten möchten. Versuchen die Kunden dann allerdings, sich Ware für eine Lieferung im zweiten Quartal zu sichern, werden sie in der Regel bereits mit deutlich angehobenen Preisen konfrontiert. Diese stehen auch kaum im Verhältnis zu den 9 Prozent, die durch die Anpassungen in China gerechtfertigt wären. Vielmehr sind im Projektbereich Preiserhöhungen um bis zu 20 Prozent zu akzeptieren, im Distributionsbereich beziehungsweise in Webshops wurden die Modulpreise in den vergangenen Tagen teilweise bereits um bis zu 30 Prozent nach oben korrigiert.

Woher kommt nun plötzlich der sprunghafte Preisanstieg, obwohl die tatsächliche Kostensteigerung auf der Produktionsseite deutlich geringer ausfallen dürfte? Fragt man beim asiatischen Hersteller nach, verweist der einen natürlich auf den Wegfall der Exportsteuererleichterung, sowie auf einen Preisanstieg bei Vorprodukten, angefangen bei Siliziumingots über Silberpasten, Zellen, Glas bis hin zum Aluminium für die Modulrahmen. Aber rechtfertigt das einen Preisanstieg von 20 bis 30 Prozent? – Wohl kaum. Ist das nachhaltig? – Wohl kaum.

Hersteller wollen Verluste der letzten Monate kompensieren

Aktuell laufen die Produktionen in China auf Hochtouren – man versucht bis März noch so viel Ware zu fertigen, wie die Produktionslinien hergeben. Bis Ende März heißt es dann: alles muss raus! So viel Ware wie möglich soll bis dahin auf dem Seeweg oder bereits in den Zielländern sein, um die bereits jetzt eingepreiste Steuererhöhung als Marge mitnehmen zu können. Die Linien werden im April dann vermutlich erst einmal runtergefahren, um weitere Kosten zu sparen. Offenbar versuchen viele Produzenten, die von Staatsseite angekündigte Verteuerung und die damit verbundene vermeintliche Akzeptanz durch Erfüllung der ohnehin existierenden Erwartungen als Anlass dazu zu nutzen, in die Gewinnzone zu kommen und die horrenden finanziellen Verluste durch die Niedrigpreisphase der vergangenen Jahre zu kompensieren. Diese Tendenz zum Überkompensieren von Ereignissen, die sich auf den Modulpreis auswirken, konnten wir in den vergangenen Jahren bereits häufiger beobachten. Oft können sich die Preise auf dem überzogenen Niveau aber durch die automatisch einsetzende geringere Nachfrage nicht halten und müssen zeitnah wieder nach unten korrigiert werden.

Die Rechnung wird nämlich - wie so oft - ohne die Kunden und potenziellen Abnehmer der verteuerten Ware gemacht. Wir befinden uns zumindest in Europa nämlich in einem Markt, in dem die Zubauzahlen für Kleinanlagen rückläufig sind und Projektentwickler und Installateure sich zunehmend mit größeren Gewerbe- und Freiflächenanlagen beschäftigen müssen oder dürfen – wie man’s nimmt. Auch im Jahr 2026 spricht vieles dafür, dass sich dieser Trend fortsetzt. Allerdings sind solche Projekte sehr preissensibel, so dass ein Preisanstieg in der oben genannten Höhe sehr viele Planungen aufgrund wegfallender Wirtschaftlichkeit zunichtemachen dürfte. Bereits bei dem bisherigen Preisniveau mussten Projektierer sehr selektiv vorgehen – rein durch das EEG finanzierte Photovoltaikanlagen lohnen sich nur noch unter gewissen Umständen, wie zum Beispiel geringen Planungs- und Netzzugangskosten.

Um den Photovoltaik-Markt nicht gleich in den ersten Monaten abzuwürgen, sollten Preiserhöhungen also mit Bedacht gemacht werden. Gleichzeitig muss der seit Jahren geforderte und vielzitierte Bürokratieabbau endlich Fahrt aufnehmen, damit die verschleppten Netzzusagen und alle anderen erforderlichen Genehmigungen und Zertifikate nicht zum Terminator eines jeden Bauvorhabens werden. Wenn dann auch noch eine wenn auch geringe EEG-Vergütung als Fall-Back-Lösung, sowie auskömmliche Zuschlagswerte in den Ausschreibungen erhalten bleiben, könnte der sich ankündigende Wandel in diesem Jahr noch in eine wünschenswerte solare Zukunft führen, anstatt zurück in die fossile Vergangenheit. Martin Schachinger/pvXchange.com

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