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Klimaklage




Solare Energiewende – KommentarDer freie Markt wird es nicht richten

Solarmodule und Schild: Have a sunny day
(Foto: Activ Solar / Flickr / CC BY-SA 2.0)

Klimaziele 2030 und aktuelle PV-Preisentwicklung – passt das noch zusammen? Steigende Rohstoff- und Transportpreise treffen auch den Wind- und Solarmarkt. Nur durch konzertiertes Vorgehen aller Akteure kann die Energiewende gelingen.

10.07.2021 – Mehr Geld für den Klimaschutz auszugeben, das vereinbarten die G7-Staatschefs gerade bei ihrem jüngsten Gipfeltreffen in Cornwall, Großbritannien. Das bedeutet auch, noch viel mehr Geld für den Ausbau der Erneuerbaren Energien bereitzustellen und die bisherige Zubaugeschwindigkeit deutlich zu erhöhen.

Schon nach der erfolgreichen Verfassungsbeschwerde gegen deren zu kurz gegriffene Klimaschutzbemühungen mussten die Regierungsparteien in Deutschland in den vergangenen Wochen ihr Klimaschutzprogramm nachbessern. Statt 2050 soll Deutschland jetzt bereits 2045 klimaneutral sein und das Klimaziel für 2030 wurde von 55 auf 65 Prozent Treibhausgasminderung angehoben.

Solarausbau muss sich vervielfachen

Klimafachleute warnen zwar davor, dass diese Vorgaben noch immer nicht ausreichen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, müsse im Jahr 2030 nämlich ein Ausbau auf mindestens 200 Gigawatt installierter Leistung erreicht sein (von heute 55 Gigawatt). Dies bedeute von heute an gerechnet einen jährlichen Photovoltaik-Zubau von mindestens 15 Gigawatt allein in Deutschland – nicht zwei oder drei Gigawatt, wie in den vergangenen Jahren.

Der Markt soll es regeln …

Wie aber sollen solche Zubaumengen bei den heute noch geltenden Hürden und Einschränkungen durch Politik und Gesetze erreicht werden? Auf welche Art soll der „Markt“ es regeln, wenn die Errichtung von mittleren bis großen Erzeugungsanlagen mit regenerativen Energieträgern aufgrund der anhaltenden Preissteigerungen immer teurer und unwirtschaftlicher wird?

Steigende Rohstoff- und Transportpreise treffen auch Wind- und Solarmarkt

Im vergangenen Monat sind nochmals fast alle Werte im pvXchange-Preisindex um rund 1 Eurocent pro Wattpeak nach oben gegangen, bifaziale Module verteuerten sich sogar um 2 Eurocent. Damit liegen die Preise einiger Modultypen heute bis zu 20 Prozent über denen zu Beginn des vierten Quartals 2020, als die Modulpreise ihren historischen Tiefpunkt erreicht hatten. Bei aktuell weiter steigenden Rohstoff- und Transportpreisen werden zwar alle Energieerzeugungsformen teurer, insbesondere aber auch die Windkraft und die Photovoltaik.

Während die Beschaffungskosten für Wechselrichter- und Energiespeicher noch weitestgehend stagnieren, explodieren die Preise für Solarmodule förmlich, aber auch für Unterkonstruktion und Installationsmaterial. Dies ist unter anderem auf eine Vervielfachung der Siliziumpreise zurückzuführen. Seit Anfang des Jahres verdreifachten sich die Kosten für Polysilizium bereits, was einer kontinuierlichen Unterversorgung aufgrund des Kapazitätsmangels zu verdanken ist. Nach einer kürzlich aufgetretenen Havarie in einer Polysiliziumfabrik in Xinjang, der chinesischen Provinz, in der etwa 40 Prozent des Weltbedarfs produziert werden, sind sogar eine Verschärfung des Engpasses und damit eine weitere Preissteigerung zu erwarten.

Aber auch der Anstieg der Kupfer- und Stahlpreise macht der Branche zu schaffen. Die Einkaufskonditionen für Solarkabel werden aufgrund des großen Kupferanteils auch beinahe monatlich nach oben angepasst, Ähnliches passiert bei Montagesystemen.

Nicht zuletzt wirken sich die mittlerweile horrenden Kosten für Warenlieferungen in einem globalisierten Markt negativ auf die Komponentenpreise aus – internationale Frachtpreise hatten sich innerhalb des letzten Jahres Corona-bedingt vervielfacht, auf mittlerweile das Sieben- oder Achtfache des ursprünglichen Wertes. Bedauerlicherweise ist zu erwarten, dass sich daran in naher Zukunft nicht viel ändert. Dazu müsste erst die Wirtschaft außerhalb Chinas wieder ordentlich in Gang kommen und der Containerstau in asiatischen Häfen aufgelöst werden.

PV-Projekte bis auf Weiteres verschoben

Einige Analysten korrigieren bereits ihre Prognosen für den weltweiten Photovoltaik-Ausbau für dieses Jahr, da viele geplante Projekte nicht wirtschaftlich realisiert werden können. Manche sehen aufgrund der anhaltend hohen Kosten für Reinsilizium und damit insbesondere für Mono-PERC-Zellen schon ein Revival der polykristallinen Module auf uns zukommen. Da aber die Zelle nicht mehr der ausschlaggebende Faktor im Modul ist und alle anderen Produktionskosten gleichbleiben, werden sich hier keine entscheidenden Preisvorteile darstellen lassen.

Ich selbst sehe auch noch keinerlei neue Verfügbarkeit im Polysektor kommen. Der einzige größere Modulhersteller, der momentan noch konsequent auch auf polykristalline Technologie setzt, ist Canadian Solar. Ansonsten wird man höchstens bei schon vor längerer Zeit produzierten Restkontingenten fündig, meistens mit Modulen niedriger Leistungsklassen unterhalb 300 Watt.

Aktuell sind Solarmodule über den internationalen Spotmarkt allerdings preiswerter zu bekommen, als direkt beim Hersteller – dieser bedient sich nämlich vorwiegend aus Überhängen und Rückläufern von nicht realisierbaren Projekten. Die Produktpreise wurden teilweise weit vor dem Preisanstieg der letzten Monate ausgehandelt. So können zumindest kleine bis mittlere Anlagengrößen noch erwartungsgemäß realisiert werden.

So manches Großprojekt wird wohl für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt werden müssen, bis sich die Situation wieder entspannt hat. Ob der chinesische Markt angesichts der hohen Preise wie prognostiziert performt und in der zweiten Jahreshälfte einen Großteil der dort produzierten Module schluckt, bleibt abzuwarten. Immerhin sind die chinesischen Projektentwickler nicht so abhängig von bezahlbaren Überseetransporten wie wir Europäer. Sollten die Erwartungen nicht erfüllt werden, können wir auf eine Entspannung bereits im vierten Quartal dieses Jahres hoffen. Zu den historisch niedrigen Modulpreisen aus 2020 werden wir dennoch so schnell nicht zurückkehren.

Politische Hürden müssen fallen

Um den Photovoltaikmarkt also am Laufen zu halten und den Bau von mittleren bis großen Anlagen in naher Zukunft weiter anzukurbeln, sind gute Ideen gefragt. Der schnelle Abbau von Marktbarrieren durch den Gesetzgeber ist sicherlich eine der möglichen und sinnvollen Maßnahmen, allerdings bedarf es auch größerer Ausschreibungsvolumina und eines unkomplizierten Zugangs zu den öffentlichen Auktionen, gerade auch für kleinere Player. Nur durch ein konzertiertes Vorgehen aller Akteure kann die Energiewende gelingen, können die selbst gesteckten Ziele und der dringend notwendige Ausbau der Erneuerbaren in der eingangs erwähnten Geschwindigkeit erreicht werden.
Ein Kommentar von  Martin Schachinger / pvXchange.com

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