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Oxford PVDer unsichtbare Booster

Person steht in PV-Fertigungshalle vor einer automatisierten Linie zur Waferbearbeitung
Cheftechnologe Ed Crossland führte durch die Fertigungshallen der Pilotlinie von Oxford PV in Brandenburg. (Foto: energiezukunft / Petra Franke)

Oxford PV will die Perowskit-Photovoltaik erfolgreich kommerzialisieren. Zum zehnjährigen Jubiläum in Brandenburg feierte das Unternehmen mit Mitarbeitenden, Vorständen und Gästen. Auch ein seltener Einblick in die Produktionshallen wurde gewährt.

22.09.2026 – Seit zehn Jahren forscht und produziert der Solarhersteller Oxford PV in Brandenburg an der Havel. Aus Anlass des Jubiläums wurde das Erreichte gefeiert.

Geschäftsführer der Oxford GmbH und CEO der Oxford PV Gruppe David Ward drückte in seiner Begrüßungsrede seinen Stolz auf das Erreichte aus – immerhin sei Brandenburg der weltweit erste kommerzielle Fertigungsstandort für Perowskit-auf-Silizium-Tandemsolarzellen. Der beachtliche Weg, der zurückgelegt wurde, sei der Erfolg vieler Pioniere.  „Wissenschaftliche Durchbrüche machen erst dann einen Unterschied, wenn sie den Markt erreichen. Ich bin besonders stolz darauf, wie wir das erreicht haben – nämlich indem viele Talente im Team zusammenarbeiten“, sagte Ward vor den versammelten Gästen und Mitarbeitenden.

Aufsichtsratsvorsitzender Christian Langen berichtete aus den Anfängen, als das Unternehmen den zuvor von Bosch und Johanna Solar genutzten Produktionsstandort übernahm und dabei einige Stolpersteine überwinden musste. „Wir waren 30 Leute und ständig damit beschäftigt, die nächste Finanzierungsrunde auf die Beine zu stellen. Die Entscheidung, hier eine Produktion aufzubauen war schwierig: zu groß, zu früh, zu viel Risiko – das waren die Einwände. Es hat echte Pioniere gebraucht, um diesen Weg erfolgreich zu gehen.“

Rund 100 Mitarbeitende arbeiten mittlerweile am Standort Brandenburg, 70 weitere in Oxford, wo vor mehr als einem Jahrzehnt die Geschichte des Unternehmens begann. Der Wissenschaftler Henry Snaith, Physiker an der Oxford University, wies als erster die enormen Potenziale nach, die der Einsatz von Perowskiten in der Photovoltaik bringen könnte.

Es folgte eine Ausgründung und schon bald darauf fand das Unternehmen in Brandenburg einen Standort, an dem alles passte, um die zukunftsweisende Technologie vom Labor in die Produktion zu überführen.

So freute sich denn auch die anwesende SPD-Bundestagsabgeordnete Sonja Eichwede, dass der Klang des mit Fortschritt und Tradition verbundenen Namens Oxford nun auch auf die Stadt Brandenburg abstrahlt.

Geforscht wird parallel: in Brandenburg und Oxford, wo das Unternehmen ein eigenes Forschungslabor führt. Die Erkenntnisse aus dem Labor in eine hochmoderne Pilot-Fertigungslinie zu überführen, ist die Aufgabe der Experten und Expertinnen in Brandenburg. Immer wieder müssen Prozessschritte variiert werden und die Ergebnisse geprüft werden. 2024 wurden die ersten Module an einen Kunden in den USA ausgeliefert.

Brandenburgs Bürgermeister Daniel Keip gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass mittelfristig auch eine größere industrielle Fertigung am Standort aufgebaut wird. Die Voraussetzungen dafür böte die Kommune. Kommerziell gefertigt werden nicht nur Solarmodule in gängigen Größen, sondern auch Produkte für verschiedene Anwendungen – beispielsweise in der Raumfahrt oder formbare Photovoltaikelemente für Autos, Schiffe oder Flugzeuge.

Konkrete Zahlen gibt es nicht, aber eine Roadmap

Auskünfte zu Produktionszahlen oder -kosten gibt das Unternehmen nicht. Auch nähere Beschreibungen, mit welchen Materialen und wie genau die Perowskitschicht auf die Siliziumzellen aufgebracht werden, sind nicht öffentlich.

Doch eine Roadmap hat das Unternehmen sehr wohl, wie Laura Miranda Perez, Leiterin Unternehmensstrategie, erläutert: Jedes Jahr sollen die Module einen Prozentpunkt mehr Wirkungsgrad erreichen bei gleichzeitiger Steigerung der Lebensdauer. Noch in diesem Jahr will Oxford PV ein Produkt mit 26 Prozent Wirkungsgrad und 15 Jahren Produktgarantie vorstellen. 2035 soll die Marke von 35 Prozent erreicht werden. Zu diesem Zeitpunkt wird davon ausgegangen, dass die LCOE (Levelised Cost of Electricity) im Vergleich zur besten verfügbaren Siliziumtechnologie um 20 Prozent gesenkt werden.

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Laura Miranda Perez ist ebenfalls seit den frühen Anfängen an Bord. Sie erklärt die Strategie des Unternehmens. „Unser Produkt soll massentauglich werden. Dafür gehen wir parallele Wege. Wir vergebenen strategische Lizenzen zur Fertigung, die andere Solarhersteller nutzen können. Aber auch wir selbst wollen mittelfristig eine eigene größere Fertigung im Gigawattmaßstab aufbauen.“ Über einen möglichen Standort gibt es derzeit noch keine Entscheidung, es müsse einfach alles passen – Umfeld, Verfügbarkeit von Mitarbeitern und die staatliche Regulierung.

Mit der strategischen Lizenzierung verfolge das Unternehmen sein Ziel, die Solartechnologie der nächsten Generation in den Mainstream zu überführen. Seit 2025 hat der chinesische Hersteller Trina Solar eine Lizenz für Perowskit-Silizium-Anwendungen, darf aber darauf basierende Produkte nur in China für den chinesischen Markt fertigen. Ein anderer Lizenznehmer ist First Solar in den USA, allerdings nur für nicht-siliziumbasierte Anwendungen – passend zur Dünnschicht-Technologie des Unternehmens.

Rundgang durch die Produktionshallen bei Oxford PV

Cheftechnologe Ed Crossland führte schließlich die Besucher und Besucherinnen durch die Produktionshallen. Die Maschinen standen allerdings an diesem Tag still – alle Mitarbeitenden waren zur Geburtsfeier auf dem Außengelände der Firma eingeladen.

Die Fertigung bei Oxford PV beginnt mit der Bearbeitung von eingekauften Wafern – aus ihnen werden ähnlich wie bei anderen Solarherstellern hocheffiziente Siliziumsolarzellen gefertigt. In einem zweiten Prozessschritt werden auf die Wafer verschiedene Layer – dünne Schichten – aufgebracht. Hier liegt das eigentliche Know-how von Oxford PV. Eine der aufgebrachten Schichten ist die Perowskit-Schicht, die eine andere Wellenlänge des Sonnenlichts in Strom umzuwandeln vermag. So werden die höheren Wirkungsgrade erreicht. Die Perowskitschicht ist mit bloßem Auge nicht sichtbar, die Zellen und späteren Module haben die Optik von Siliziummodulen. Schließlich werden die Zellen verschaltet, im zuletzt neu implementierten technologischen Schritt in Schindeltechnologie.

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Die etwa zehn Meter langen in sich geschlossenen Zellfertigungslinien unterscheiden sich optisch auf wenig von den Prozesslinien anderer Hersteller. Was auffällt – und auch von Ed Crossland thematisiert wird – sind die fehlenden Roboterarme, die Wafer, Zellen oder schließlich Module greifen und in den nächsten Prozessschritt führen. Hier brauche man Flexibilität. Da ständig neues ausprobiert und produziert wird, wären starre auf einen Massenprozess ausgelegte Automatisierung eher hinderlich.

Ed Crossland beschreibt eine der Herausforderungen, die Oxford PV auf seinem Weg immer wieder lösen muss: „Unser Ziel war immer, die Perowskit-Technologie in bestehende erprobte Silizium-Herstellungsverfahren zu integrieren. Das ist gar nicht so leicht, denn auch die Produktionsverfahren der Siliziumtechnologie entwickeln sich ständig weiter. Da Schritt zu halten und die neuesten Verfahren und Erkenntnisse auch bei uns zu implementieren, ist eine große Herausforderung.“ Petra Franke

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