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Photovoltaik und LandwirtschaftDeutschland hat enormes Potenzial für Agri-PV

Luftaufnahme Obstbaumplantage, ein Teil davon mit Solarmodulen überdacht, ein Teil mit Netzen behängt
Kernobst, wie Äpfel, profitiert besonders von der Schutzwirkung durch Photovoltaik-Module, die Hagelschutznetze ersetzen. (Foto: Fraunhofer ISE)

Das Fraunhofer ISE hat untersucht, wieviel PV-Leistung auf landwirtschaftlichen Flächen parallel zur Landwirtschaft gebaut werden könnte. 500 Gigawatt Solarleistung sind demnach allein auf den am besten geeigneten Flächen möglich.

10.07.2025 – Für die Studie des Fraunhofer ISE wurden erstmals alle Arten landwirtschaftlicher Flächen betrachtet: Dauergrünland, Ackerfläche und Dauerkulturen wie Obstbau, Wein oder Beeren. In einem mehrstufigen Verfahren wurden optimale Standorte identifiziert. Bereits auf den am besten geeigneten Flächen könnten demnach 500 Gigawatt Solarleistung installiert erden – weit mehr als die Ausbauziele für Deutschland vorsehen.

Der erste Kriterienkatalog zur Bewertung der Flächen enthielten geografische Faktoren sowie rechtliche und behördliche Anforderungen, beispielsweise Restriktionen wie Naturschutzgebiete.

Der zweite Kriterienkatalog umfasst politisch-wirtschaftliche und agrarökonomische Eignungskriterien, um besonders geeignete Standorte zu finden. In diesem Schritt wurde betrachtet, welche Flächen besonders geeignet sind, etwa aufgrund der Solareinstrahlung, des vorhandenen Netzeinspeisepunkts oder weil Dauerkulturen wie Wein oder Obst besonders von Synergieeffekten profitieren.

Um eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu schaffen, führten Expertinnen und Experten aus Landwirtschaft, Wissenschaft, von Verteilnetzbetreibern und Projektierungsbüros eine Gewichtung der Kriterien durch. Im Ergebnis wurde ein Bodeneignungsindex berechnet, um die Gebiete in fünf Eignungsklassen einzuordnen, von am besten bis am wenigsten geeignet. „Ein wichtiges Ergebnis der Studie ist die Rolle des Netzausbaus: Das Fehlen von Netzanschlusspunkten ist für viele Flächen ein einschränkender Faktor“, erklärt Studienautorin Salome Hauger.

Agri-PV-Potenzial auch auf lokaler Ebene

Nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch lokal lässt sich mit Hilfe von Geoinformationssystem-basierten Analysen das Potenzial für Agri-PV bis auf die einzelne Parzelle berechnen. Dazu arbeiten die Forschenden des Fraunhofer ISE mit Landkreisen zusammen und beziehen Netzdaten der lokalen Verteilnetzbetreiber mit ein.

So untersuchte das Fraunhofer ISE im Projekt AgriChance die ländlichen Gebiete des Stadtstaates Hamburg. Im Rahmen von drei Szenarien wurden die identifizierten Flächen unter techno- und agrarökonomischen Gesichtspunkten klassifiziert. Demnach sind insbesondere Dauerkulturen im Alten Land und in den Vier- und Marschlanden (bis zu 620 Hektar) optimal geeignet. Auch das Potenzial für Gewächshäuser ist vielversprechend, hier könnten auf 160 Hektar bestehenden Gebäuden fast 50 Megawatt Leistung installiert werden.

In einer weiteren Studie für die Landkreise Ahrweiler und Breisgau-Hochschwarzwald berücksichtigte das Forschungsteam verschiedene Faktoren wie Raumplanungsdaten, reale Rasterdaten und Fruchtfolgen. Die Ergebnisse zeigen ein beträchtliches Potenzial für Agri-PV in beiden Landkreisen. Die am besten geeigneten Flächen können mit potenziellen Anlagen 16 beziehungsweise 12 Prozent des derzeitigen Energieverbrauchs der Landkreise erzeugen. Die Agri-PV kann somit einen wichtigen Beitrag zur Entschärfung von Landnutzungskonflikten in landwirtschaftlichen Gebieten leisten.

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Aufgrund der fehlenden beihilferechtlichen Genehmigung der EU konnten die Sonderregelungen des Solarpakets 1 für Ausschreibungen von Agri-PV-Anlagen bisher nicht umgesetzt werden. Auch die Datenlage zu den installierten Anlagen ist unklar.

Flächen sind heiß begehrt

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien hat auch zu Konkurrenz um die Flächen geführt. Die Agri-Photovoltaik, kurz Agri-PV, hat an diesem Punkt unbestreitbare Vorteile. Sie findet parallel zur landwirtschaftlichen Nutzung statt. Die Solarmodule werden in diesen Fällen in großen Reihenabständen senkrecht aufgestellt oder zum Beispiel im Obstanbau als transparente Dächer über den Kulturen errichtet.

Bisher gibt es nur wenige Agri-PV-Anlagen, die regulatorischen Vorgaben dafür existieren erst seit wenigen Jahren. Zudem ist die im Solarpaket1 enthaltene höhere Vergütung für Strom aus solchen Anlagen weiterhin noch nicht rechtssicher. Die beihilferechtliche Genehmigung seitens der EU steht immer noch aus. pf

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