EEG-Novelle 2026: Direktvermarktung ist derzeit kein lohnendes Modell für PV-Dachanlagen

Noch gibt es keine konkreten Vorschläge zur anstehenden EEG-Novelle. Doch der 10-Punkte-Plan der Wirtschaftsministerin deutet Einschnitte bei der Förderung kleiner Solardachanlagen an. Ein Fehler, wie jetzt auch das Fraunhofer ISE feststellt.
04.02.2026 – Mit ihrem 10-Punkte-Plan im Herbst letzten Jahres stellte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche die EEG-Vergütung von kleinen Solardachanlagen in Frage. Nun, da die lang erwartete EEG-Novelle demnächst in ihren Eckpunkten vorgestellt werden soll, mehren sich die Stimmen, die diesen Schritt als Fehler bezeichnen. Zuletzt hatte ein breites Verbändebündnis vor Einschnitten in diesem Ausbausegment gewarnt. Und auch das Umweltbundesamt hat in einem Gutachten die bestehenden Regeln zur Marktintegration kleiner Solaranlagen als ausreichend angesehen.
Nun kommt das Fraunhofer ISE in einer Kurzstudie im Auftrag der Elektrizitätswerke Schönau zu einem ähnlichen Befund. Damit genügend – entsprechend den gesetzlichen Zielvorgaben – Photovoltaikanlagen gebaut werden, müssen auch weiter viele Hausbesitzer Geld in die Hand nehmen und eine eigene Solaranlage auf dem Hausdach installieren. Die neu installierte Leistung solcher Anlagen lag im Jahr 2023 bei acht Gigawatt Leistung, im vergangenen Jahr 2025 immerhin noch bei circa fünf Gigawatt. Das sind rund 30 Prozent des PV-Zubaus. Diese privaten Investitionen, die die Energiewende in Deutschland maßgeblich mitgestaltet haben, würden ohne eine feste Vergütung wegbrechen – zu unausgereift sind andere Vermarktungsmodelle.
Die Studie analysiert ausführlich die Marktentwicklung kleiner PV-Dachanlagen, die Wirtschaftlichkeit sowie die Potenziale eines systemdienlicheren Einsatzes. Ergänzende Experteninterviews gehen auf die mögliche Rolle dieser Anlagen und die (kaum erreichbare) Wirtschaftlichkeit in der Direktvermarktung ein.
Ohne feste Vergütung muss höhere Eigenverbrauchsquote erreicht werden
„Unsere Berechnungen ergeben, dass für eine Direktvermarktung des Stroms kleiner PV-Dachanlagen bis 30 Kilowatt Leistung zurzeit noch eine um etwa 15 Prozent höhere Eigenverbrauchsquote nötig wäre, um den gleichen wirtschaftlichen Ertrag wie unter EEG-Vergütung zu erzielen“, sagt Verena Fluri, Projektleiterin und Mit-Autorin der Studie beim Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg. „Mit der Folge, dass die Anlagen vermutlich kleiner dimensioniert und Dachflächen nicht vollständig genutzt würden.“
Direktvermarktung bedeutet hohen Aufwand und damit Kosten
Die Direktvermarktung von Strom aus kleinen PV-Anlagen stelle derzeit aber noch einen hohen Mehraufwand gegenüber der Einspeisevergütung für die Betreiber dar, da viele Prozesse noch nicht standardisiert und vereinfacht sind. Erforderlich wäre unter anderem eine Beschleunigung des Smart Meter Rollouts und eine flächendeckende Umsetzung eines standardisierten, elektronischen Datenaustauschs in der Energiewirtschaft. Derzeit dürfte der Betrieb einer PV-Anlage, die sich über die Direktvermarktung finanzieren muss, in vielen Fällen nicht wirtschaftlich sein. Beispielsweise muss der Direktvermarkter mit dem Anlagenbetreiber kommunizieren, die Marktkommunikationsprozesse mit dem jeweiligen Netzbetreiber etablieren, die Fernsteuerbarkeit der Anlage sicherstellen und Nachweispflichten erfüllen.
Festpreis in Kombination mit dynamischem Tarif empfohlen
Um einen wirtschaftlichen Betrieb der kleinen Solaranlagen zu ermöglichen und gleichzeitig Systemdienlichkeit zu sichern, sollten laut Fraunhofer ISE Optionen wie ein Festpreistarif in Kombination mit einem dynamischen Strombezugstarif oder eine flexible Einspeisevergütung geprüft werden.
„Ein überstürzter Ausstieg aus der EEG-Vergütung würde Kleininvestoren, wie zum Beispiel die Bürgerenergie, direkt treffen, weil die Anlagen sich kaum noch rechnen“, befürchtet EWS-Vorstand Alexander Sladek. „Und vor allem würde die Energiewende ausgebremst, weil weniger und kleinere Anlagen gebaut würden.“
Dann kann NRW seine solaren Ausbauziele vergessen
Auch in Nordrhein-Westfalen sei die Zurückhaltung bei den privaten Dachanlagen zu spüren, wie der Landesverband Erneuerbare Energien in seiner Ausbaubilanz 2025 feststellt. Der Solarboom der letzten Jahre basierte in Nordrhein-Westfalen fast ausschließlich auf privaten Dachanlagen. „Genau in diesem Segment gab es im letzten Jahr bundes- wie auch landesweit ein Minus von annähernd 30 Prozent“, kommentiert LEE NRW-Vorsitzender Hans-Josef Vogel die jüngsten Zahlen.
Vogel lehnt die Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche entschieden ab, mit der anstehenden Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes die Vergütung für private Dachanlagen zu streichen: „Reiches Aufgabe als Ministerin ist es, die Wirtschaft zu fördern und nicht abzuwürgen. Kommt es wirklich zum Aus für die Förderung privater Dachanlagen, kann die NRW-Landesregierung ihre solaren Ausbauziele vergessen.“
Während Milliarden-Subventionen für neue fossile Gaskraftwerke an Energiekonzerne fließen, sei es ein Unding, dass Bürgerinnen und Bürger keine Unterstützung mehr für den Einstieg in ihre private Energiewende erhalten sollen, zumal die Photovoltaik der Einstieg in weitere nachhaltige Technologien wie Wärmepumpe oder Elektromobilität sei. pf















































