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DeutschlandEigenverbrauch von Solarstrom nimmt zu

Solardachanlage
In Deutschland wird mehr Strom vom eigenen Dach verbraucht (Bild: Getty Images / Unsplash+ Lizenz).

Der Eigenverbrauch von Solarstrom in Deutschland steigt bereits seit Jahren stetig. Im Vorjahresvergleich erhöhte er sich 2024 besonders deutlich und Experten erwarten, dass die Eigennutzung weiter zunimmt.

08.12.2025 – Der Eigenverbrauch von Solarstrom gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung, zeigt eine in einer Analyse des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE für das Bundesumweltamt. Von 0,25 Terawattstunden Eigenverbrauch im Jahr 2012 über 3,55 Terawattstunden im Jahr 2020 und 8,20 Terawattstunden 2023 erreichte der Eigenverbrauch in Deutschland im vergangenen Jahr 12,28 Terawattstunden Solarstrom.

„Bei einer Netzeinspeisung von knapp 60 TWh hat der Eigenverbrauch im Jahr 2024 einen Anteil von 17 Prozent an der Nettostromerzeugung aus Photovoltaik. Das ist eine merkliche Steigerung gegenüber dem Jahr 2023, in dem der Anteil 13 Prozent betrug“, sagt Tobias Reuther, Datenexperte für die Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien am Fraunhofer ISE.

Das Fraunhofer ISE hat dabei erstmals eine belastbare Methode entwickelt, um den Eigenverbrauch von Solarstrom in Deutschland auf Basis tatsächlicher Daten zu berechnen. Grundlage sind Angaben aus dem Marktstammdatenregister sowie Daten der Übertragungsnetzbetreiber. Damit lassen sich realitätsnah Verbrauch und Einspeisung von PV-Anlagen quantifizieren.

Eigenverbrauch wird wirtschaftlich attraktiver

Steigende Strompreise machen selbst erzeugten Solarstrom für Haushalte und Unternehmen wirtschaftlich attraktiv, zumal die Kosten für Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher seit Jahren kontinuierlich sinken.

Bis 2009 wurde erzeugter PV-Strom überwiegend ins Netz eingespeist, denn die Vergütung war attraktiver als der Preis für Netzstrombezug. Diese Rahmenbedingungen haben sich umgekehrt: Netzstrom ist teurer geworden, und die zunehmende Elektrifizierung erhöht den heimischen Strombedarf. Haushalte mit Wärmepumpen, Elektrofahrzeugen und Batteriespeichern können ihren Solarstrom entsprechend besonders effizient selbst verbrauchen. Die heimische Sektorenkopplung macht den Eigenverbrauch rentabler.

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Energy Sharing braucht zwei Hebel zugleich: ein kluges Energiewirtschaftsgesetz und ein modernes Genossenschaftsgesetz. Erst im Zusammenspiel entstehen Rechtssicherheit, digitale Teilhabe und bezahlbarer Bürgerstrom. Gastbeitrag von Maximilian Kuhn

„Wir erwarten, dass der Eigenverbrauch durch die hohen Strompreise und den Erfolg von Batteriespeichern weiterhin steigen wird“, sagt Christoph Kost, Abteilungsleiter für Energiesystemanalyse am Fraunhofer ISE. „Es lohnt sich für Haushalte, insbesondere wenn sie mit dem Strom auch eine Wärmepumpe betreiben oder ihr E-Auto laden, ist aber auch für die Stabilität des Stromnetzes von Vorteil. Der Strom wird dann direkt dort produziert, wo er verbraucht wird, ohne je im Stromnetz gewesen zu sein.“

Energie vor Ort nutzen und teilen

Je mehr Strom vor Ort erzeugt und genutzt wird, desto weniger werden die Netze belastet, desto unabhängiger werden Verbraucherinnen und Verbraucher und desto günstiger und effizienter wird die Energiewende. Gleichzeitig wächst die Zahl der Menschen, die direkt an der Energiewende teilhaben – als Prosumer und Gestalter. Neben dem direkten Eigenverbrauch sind Mieterstrom und Bürgerenergieprojekte entscheidend, damit Erneuerbarer Strom dort genutzt werden kann, wo er entsteht.

Energy Sharing ermöglicht etwa, lokal erzeugten Solarstrom in Nachbarschaften, Genossenschaften oder Gemeinden zu teilen. Obwohl das Konzept in der EU vorgesehen ist, fehlte in Deutschland lange die gesetzliche Grundlage, um es im großen Stil umzusetzen. Im Paragraf 42c der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes wird Energy Sharing in Deutschland nun erstmals gesetzlich geregelt. Erneuerbar erzeugter Strom kann damit innerhalb einer lokalen Gemeinschaft weitergegeben und verbraucht werden. Von vielen Energieversorgerpflichten bleiben Energiegemeinschaften befreit, Anreize für den Ausbau des lokalen Verbrauch sind jedoch nicht vorgesehen. jb

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