50 Jahre DGSEin halbes Jahrhundert für die Energiewende

Gruppenbild 30 Personen mit Schild DGS
Solar-Familie: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der DGS-Delegiertenversammlung Ende Juni 2025 in Nürnberg. Zusätzlich nahmen noch Delegierte online teil. (Foto: DGS / Jörg Sutter)

Seit einem halben Jahrhundert engagiert sich die DGS für eine erneuerbare und bürgernahe Energieversorgung. Gegründet aus Krisenbewusstsein und Pioniergeist wird sie getragen von Ehrenamt, Fachkompetenz und dem Wissen um das Potenzial der Sonne.

05.08.2025 – Am 17. Oktober 2025 feiert die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) ihr 50-jähriges Bestehen. Ein halbes Jahrhundert Einsatz für saubere Energie, praxisnahe Aufklärung und technologischen Fortschritt - getragen von ehrenamtlichem Engagement und visionären Ideen.

Die DGS ist damit nicht nur Deutschlands ältester Solarverein, sondern auch eine zentrale Säule der Energiewende von unten. Was 1975 als kleine Bewegung begann, ist heute ein bundesweites Kompetenznetzwerk mit rund 3.500 Mitgliedern, zehn Fachausschüssen, 19 regionalen Sektionen und fünf Landesverbänden.

„Wir sind glücklich über das, was bisher für die Energiewende erreicht wurde – von allen zusammen, die sich für die Nutzung der Solarenergie einsetzen“, sagt Frank Späte, der seit Juni 2025 Präsident der DGS ist.

Und doch betont er: „Wir sehen aber auch noch deutliche Defizite. Zwar stammen in Deutschland im Jahr 2024 rund 59 Prozent des Bruttostroms aus Erneuerbaren Energien, aber nur 18 Prozent des Endenergiebedarfs für Wärme und ganz zu schweigen von den marginalen Anteilen bei der Mobilität – also noch ein langer, steiniger Weg bis zu den 100 Prozent für alles.“

Von der Nische zur Bürgerbewegung

Gegründet wurde die DGS im Herbst 1975 als Reaktion auf die Ölkrise 1973 und den Bericht „Die Grenzen des Wachstums“. Damals galt die Nutzung von Sonnenenergie für viele als Hirngespinst.

Doch einige sahen weiter, so die Gründer der DGS: die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik und der Verleger und Journalist Axel Urbanek. Die Pioniere von damals schufen eine Plattform, auf der technisches Know-how, politische Forderungen und konkrete Lösungen für Verbraucherinnen und Verbraucher zusammenkamen.

 

1976 lud die DGS zu der Tagung „Solares Heizen“ in Göttingen ein, der ersten deutschen Tagung zum Thema Sonnenenergie überhaupt. Ein Jahr später organisierte der Verein in Hamburg das erste Deutsche Sonnenforum.

Seit 1989 ist die DGS die deutsche Sektion der International Solar Energy Society (ISES). 1994 wurden die Leitfäden Solarthermie und Photovoltaik veröffentlicht, zwei wertvolle Wissensquellen für Installateure und Anlagenplaner. Die Geschichte nahm ihren Lauf.

Heute wirkt das, was einst experimentell war, fast selbstverständlich: Über 4,8 Millionen Photovoltaikanlagen mit über 100 Gigawatt Gesamtleistung erzeugen CO2-freien Strom und 2,59 Millionen Solarthermie-Anlagen mit 14,2 Gigawatt Leistung Wärme. Seit kurzem hat sich ein neues Marktsegment etabliert, PV-Kleinstanlagen, die auch als Balkonkraftwerke oder Steckersolar bezeichnet werden.

Dass diese Entwicklung, der Ausbau der Solarenergie, überhaupt möglich war, ist nicht zuletzt der DGS zu verdanken. Sie brachte Solartechnik in die Haushalte, setzte sich in Normungsgremien für Verbraucherrechte ein und bildete Fachkräfte aus – lange bevor die Energiewende zur Staatsaufgabe wurde.

Die Nutzung von Kleinstsolaranlagen (Balkon-Solar) hat die DGS ab 2016 mit der Solarrebell-Initiative angestoßen und seither begleitet.

Ehrenamt als Fundament – Menschen als Motor

Das Besondere an der DGS ist ihr Fundament: das Ehrenamt. Menschen wie Reimar Hellwig, der 1976 Mitglied wurde und bis heute als Solarpionier aktiv ist. Der heute 83-Jährige experimentierte schon als Jugendlicher mit Wasserrädern und Windrädern, baute Sonnenkollektoren auf seinem Balkon und fuhr später mit dem E-Roller bis zum Nordkap. „Auf den Treffen damals spürte man einen starken Pioniergeist“, erinnert sich Hellwig. „Die Menschen waren offen, hilfsbereit, konstruktiv – und voller positiver Energie.“

Eine neue Generation knüpft daran an: Raphael Mainusch trat mit 17 in die DGS ein, hielt ehrenamtlich Vorträge zu PV und Wärmepumpen und gründete mit 18 sein eigenes Unternehmen. Mit seiner Firma WEMA GmbH Erneuerbare Energien plant und realisiert der heute 20-Jährige PV-Anlagen im Megawattbereich. „Die DGS war für mich Türöffner und Netzwerk zugleich. Ich konnte schnell lernen, Kontakte knüpfen und mit dem Ehrenamt in die Selbstständigkeit starten“, berichtet Mainusch. Inzwischen ist er Vorsitzender der neu gegründeten DGS-Sektion Metropolregion Rheinland.

Wissen für alle – von Bürgern bis Hochschulen 

Ob Handwerker, Professorin oder Privatperson – die DGS vermittelt Wissen über alle gesellschaftlichen Gruppen hinweg. Ein paar Beispiele: In ihren Solarschulen werden praxisnahe Schulungen mit Zertifikat angeboten. In den Fachausschüssen wird an Fachthemen wie Photovoltaik, Energieeffizienz und erneuerbarer Wärme wie Solarthermie gearbeitet. So arbeiten beispielsweise im Fachausschuss Hochschule, der in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum feiert, über 160 Lehrende daran, Green Energy in die Lehre zu bringen. Auf dem Portal pv-wissen.de stellt die DGS kostenfrei Fachwissen für PV-Fachkräfte bereit. Die Landesverbände, vor allem Berlin-Brandenburg und Franken, bieten hilfreiche Services wie Beratungen, Webinare und Tools wie pv@now zur Wirtschaftlichkeitsanalyse an.

Diese Breite ist auch in der Struktur der DGS sichtbar: Neben der Geschäftsstelle auf dem EUREF-Campus in Berlin wirken bundesweit Sektionen und Landesverbände. Sie organisieren lokale Veranstaltungen, Infoabende und Projekte – immer mit dem Ziel, solare Selbstversorgung praktisch zu ermöglichen. Diese Nähe zu den Menschen ist ein Markenzeichen des Vereins.

Ein Verein mit Haltung – auch gegenüber der Politik

Trotz aller Erfolge sieht die DGS Nachholbedarf, besonders in der Wärmeversorgung. DGS-Präsident Späte fordert klare politische Entscheidungen: „Wir wollen mehr Nutzung der Solarenergie und wir wollen 100 Prozent erneuerbare Energien.“ Mit Blick auf die aktuellen Pläne der Bundesregierung – insbesondere die von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche angestoßenen Gaskraftwerksprojekte – findet Späte deutliche Worte: „Dass die Fossilen weiterhin Subventionen erhalten und neue Gaskraftwerke geplant werden ist anachronistisch, denn wenn jetzt neue Gaskraftwerke gebaut werden, zementieren wir, dass die Fossilen für die nächsten 30 bis 40 Jahre laufen müssen. Was wir brauchen, sind mehr Energiespeicher, ein cleveres Energiemanagement, neue kreative Ideen und Umsetzungen – aber nicht mehr fossile Brücken.“

Die DGS versteht sich dabei nicht als technokratischer Mahner, sondern als zivilgesellschaftliche Kraft. Sie will mitnehmen, erklären, begeistern – gerade auch junge Menschen. Das Jubiläumsjahr wird deshalb begleitet von zahlreichen Veranstaltungen bundesweit: vom Photovoltaik-Symposium im Kloster Banz im März über Feiern auf der Intersolar und der Delegiertenversammlung bis hin zur Abschlussfeier im Oktober. Auf der neuen Website finden Interessierte unter anderem einen Eventkalender, Informationen zum wöchentlich erscheinenden Newsletter, dem Fachmagazin SONNENENERGIE und zur Nutzung der Sonnenenergie.

Vision bleibt: Energieversorgung für alle – sauber, sicher, selbstbestimmt

Bei aller Kritik bleibt die DGS eine optimistische Organisation. Sie hat sich – wie es Markus Elsässer, Geschäftsführer der Solar Promotion, auf der Intersolar formulierte – „einen hervorragenden Ruf in Forschung und Entwicklung erarbeitet und maßgeblich dazu beigetragen, dass Deutschland führend ist bei der Solarenergie“. Zahlreiche Innovationen und Durchbrüche seien durch Mitglieder der DGS entstanden. „Sie hat auch den Austausch und die Vernetzung gefördert“, fuhr er fort und hob die Wissensvermittlung und Beratung nicht nur für Fachleute, sondern auch für Verbraucherinnen und Verbraucher hervor.

Auch nach 50 Jahren bleibt die Vision klar: „War es vor 50 Jahren unsere Aufgabe, die Sonnenenergie von der Forschung in die Anwendung zu bringen, so ist es heute unsere Aufgabe, sie allen Menschen nahezubringen“, sagt Vizepräsident Torsten Lütten. Für Späte ist klar: „Die Energiewende ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Wir wollen die gesamte Bevölkerung mitnehmen – gerade auch junge Menschen. Und wir zeigen mit unseren Angeboten, dass jeder und jede mitmachen kann.“ Ina Röpcke

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen