SolarPower Europe: EU-Solarmarkt stockt – Dachanlagen und PPAs unter Druck

Europaweit wird im Jahr 2025 voraussichtlich weniger Photovoltaik zugebaut als im Vorjahr – der erste jährliche Rückgang seit einem Jahrzehnt. Die Wettbewerbsfähigkeit und Klimaziele der EU sind in Gefahr. Doch es gibt Möglichkeiten gegenzusteuern.
08.08.2025 – Die neue Halbjahresanalyse des europäischen Solarmarkts von SolarPower Europe zeigt: Für 2025 wird ein Rückgang des Marktwachstums um -1,4 Prozent im wahrscheinlichsten Szenario erwartet. Das bedeutet den ersten Rückgang seit 2015 – nach außergewöhnlich starken Wachstumsjahren 2022 (+47 %) und 2023 (+51%) sowie einer Stagnation 2024 (+3,3%).
Laut aktueller Prognosen wird die EU im Jahr 2025 64,2 Gigawatt (GW) an neuer PV-Leistung installieren – ein Rückgang gegenüber 65,1 GW im Jahr 2024. Damit wird zwar das PV-Ziel der Europäischen Kommission für 2025 (400 GW) knapp erreicht – bis Jahresende dürfte die installierte Gesamtleistung in der EU bei 402 GW liegen.
Wettbewerbsfähigkeit und Klimaziele in Gefahr
Um die Ausbauziele für 2030 zu erreichen und die Klima- sowie Wettbewerbsambitionen Europas zu erfüllen, müsste jedoch ab sofort jährlich nahezu 70 GW zugebaut werden. Bleibt der aktuelle Trend bestehen, verfehlt die EU ihr Ziel von 750 GW im Jahr 2030 deutlich – es wären dann nur rund 723 GW installiert.
Die Analyse kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Rolle der Solarenergie in Europa verstärkt im Fokus steht. Laut Ember lieferte Solarenergie im Juni erstmals den größten Anteil am monatlichen Strommix der EU. Die Vereinten Nationen berichten, dass Erneuerbare Energien ein Drittel des EU-Wirtschaftswachstums antreiben. Und laut IRENA ist Solarstrom inzwischen 41 Prozent günstiger als die kostengünstigsten fossilen Alternativen.
Dries Acke, stellvertretender CEO von SolarPower Europe, kommentiert: „Ein Marktrückgang, genau in dem Moment, wo Solar eigentlich beschleunigen sollte, verdient die Aufmerksamkeit der EU-Führung. Europa braucht wettbewerbsfähigen Strom, Energiesicherheit und Klimaschutzlösungen. Solar liefert all das – jetzt müssen die politischen Entscheidungsträger die Rahmenbedingungen für Elektrifizierung, Flexibilität und Energiespeicherung schaffen, die den Solarmarkt bis 2030 tragen.“
Starker Einbruch bei Wohngebäude-Dachanlagen
Der erwartete Rückgang der Solarinstallationen ist vor allem auf die sinkende Nachfrage im Aufdachsegment, insbesondere bei Wohngebäuden, zurückzuführen.
In traditionell starken Märkten wie Italien, den Niederlanden, Österreich, Belgien, Tschechien und Ungarn verschieben Haushalte Neuinstallationen, da der Druck der Energiekrise von 2022 nachlässt. Gleichzeitig wurden viele Förderprogramme eingestellt, ohne adäquaten Ersatz.
Infolgedessen bricht der Markt für Wohngebäude-Solaranlagen in diesen Ländern gegenüber 2023 voraussichtlich um mehr als 60 Prozent ein. Auch Polen, Spanien und Deutschland verzeichnen Rückgänge von über 40 Prozent.
Solarparks wachsen weiterhin dank Auktionen
Demgegenüber zeigt sich der Freiflächenmarkt robuster: Für 2025 wird ein anhaltendes Wachstum erwartet – dieser Bereich könnte rund die Hälfte aller neuen Kapazitäten ausmachen.
Seit 2022 sorgen verbesserte Auktionsdesigns für neues Vertrauen. Im Jahr 2024 wurden in der EU 20 GW Freiflächen-Solar ausgeschrieben – ein neuer Rekord. Hybrid- und Speicherprojekte, besonders in Deutschland und Bulgarien, treiben diese Entwicklung. Deutschland führt die Auktionsrangliste an, gefolgt von den Niederlanden, Frankreich und Italien – auch Polen und Irland bauen ihre Auktionsvolumina aus.
Für 2025 deuten die Ausschreibungspläne auf weiteres Wachstum hin: Die jüngste Innovationsausschreibung in Deutschland erhielt 158 Gebote mit über 2 GW, größtenteils für Solar-Storage-Hybride. Die Zuschlagswerte sanken auf 0,05 €/kWh, gegenüber 0,07 €/kWh in der vergleichbaren Ausschreibung vom Oktober, bei der nur 487 MW vergeben wurden.
Gut gestaltete Ausschreibungen, die Flexibilität und Hybridisierung (mit Speicher und/oder Wind) fördern, sind entscheidend für die Widerstandsfähigkeit des Freiflächenmarkts.
PPAs brauchen bessere Rahmenbedingungen
Während sich der Auktionsmarkt stabilisiert, geraten Power Purchase Agreements (PPAs) unter Druck. In den letzten Jahren waren PPAs ein wichtiger Treiber für große Solaranlagen und boten Investoren sowie Unternehmen Preissicherheit über lange Zeiträume.
Doch 2025 lassen sinkende Strompreise das Interesse an langfristigen Verträgen schrumpfen. Allein im zweiten Quartal 2025 sank das Volumen neu abgeschlossener Solar-PPAs um 41 Prozent gegenüber dem Vorquartal – ein Warnsignal für die kurzfristige Marktentwicklung. Ein verbessertes regulatorisches Umfeld ist entscheidend, um das volle Potenzial von PPAs zu heben. hcn





















































