Sag mir wo du stehstKeine Solarparks auf trockenen Mooren

Person steht auf Wiese im Solarpark, nimmt eine Bodenprobe
Torfbohrung in einem Solarpark zu Forschungszwecken. (Foto: Monika Hohlbein /Greifswald Moor Centrum)

Eine Studie beleuchtet die Treibhausgasbilanzen von Solarparks auf trockengelegten Moorböden. Weil die Anlagen einer Wiedervernässung entgegenstehen, müssen die beträchtlichen Kohlendioxidemissionen des Bodens der Anlage angerechnet werden.

03.03.2026 – Entwässerte Moorböden gibt es in Deutschland zuhauf, meist werden sie landwirtschaftlich genutzt. Doch inzwischen wurden bereits nicht wenige Solarparks auf solchen Flächen gebaut – keine gute Idee, wie Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen von der Universität Kopenhagen und der Universität Greifswald, Partner im Greifswald Moor Centrum in einer Studie beleuchten.

„Denn betrachtet man die Emissionsbilanz eines Solarparks, der auf einer trockengelegten Moorfläche gebaut wurde, muss man zu den Treibhausgas-Emissionen des Solarparks auch die dauerhaften Kohlendioxidemissionen des Bodens hinzurechnen. Ist der Solarpark erst einmal gebaut, wird eine Wiedervernässung schwierig, wenn diese nicht von Beginn an mitbedacht wurde“, erläutert Monika Hohlbein vom Greifswald Moor Centrum und Mitautorin der Studie.

Wiedervernässung orientiert sich nicht an Grundstücksgrenzen

Hohlbein weist auf einen weiteren Effekt hin: Will man ein Moor wiedervernässen, schaut man nach hydrologisch wiedervernässbaren Einheiten, nicht nach Eigentumsgrenzen. Das führt dazu, dass ein bestehender Solarpark nicht nur die Fläche blockiert, auf der er steht, sondern eine viel größere Fläche. Die Treibhausgasbilanz des Solarparks steigt dann mitunter beträchtlich. Auch diese Effekte wurden in der Studie betrachtet.

Der systematische Blick auf welchen Moorböden hierzulande Solaranlagen gebaut wurden, ist ein Novum. Die Forschenden betrachteten Solarparks, die bis 2023 fertiggestellt waren. Insgesamt ergab die Recherche eine Anzahl von 165 Solarparks, die fast alle auf trockenen Moorböden errichtet wurden, hauptsächlich in den moorreichen Bundesländern Bayern, gefolgt von Schleswig-Holstein und Niedersachsen. In Summe haben sie eine Leistung von 643 Megawatt, machen also nicht das Gros der Erzeugung aus – aber das soll bitte auch so bleiben.

„Sicherheit gibt es leider nicht“, wie Hohlbein erklärt. „Letztlich ist es eine Entscheidung der Genehmigungsbehörde, ob ein Solarpark gebaut werden kann oder nicht. Und die Behörden haben einen Spielraum. Eine rechtliche Verankerung, dass man nicht auf entwässerten Moorböden bauen darf, gibt es leider nicht.“ Immerhin ist mit dem EEG 2023 ausgeschlossen, dass Solarparks auf solchen Flächen eine EEG-Vergütung erhalten.

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Mindestens fünf der oben genannten 165 Solarparks wurden so gebaut, dass sie die im Solarpaket1 definierten Regeln für PV auf wiedervernässten Mooren erfüllen und somit die leicht höhere Vergütung erhalten könnten. Allerdings sind diese Beihilfen noch nicht europarechtlich genehmigt.

41 der Solarparks wurden auf früheren Ackerflächen gebaut, 25 auf Industrieflächen, 15 auf Umwandlungsflächen und sechs auf Grasland. Die übrigen 78 liegen an Bahntrassen oder Straßen, ein früherer Landnutzungstyp war daher nicht verfügbar.

Manche Fragen sind noch unbeantwortet

Forschungsfragen zu Photovoltaik auf Moorböden gibt es viele, beispielsweise untersuchen die Forschenden im Solarpark Lottorf, der auf einer wiedervernässten Moorfläche steht, welchen Einfluss die Bedeckung durch die Solarmodule auf die Treibhausgasemissionen hat. Denn ein Moorboden emittiert nicht kontinuierlich gleiche Mengen, sondern je nach Wasserstand und Nutzung gibt es Unterschiede. Und sogar innerhalb einer Fläche können sich die Werte unterscheiden.

Die Art der Gründung – welche Gestelle werden mit welchen Maschinen in den Boden gerammt – ist ebenfalls Forschungsgegenstand. Die pH-Werte der Böden sind verschieden, was sehr wahrscheinlich Auswirkungen auf mögliche Auswaschungen aus den Metallen oder ihrer Legierungen, aus denen die Aufständerung besteht, haben könnte.

Keine neuen Solarparks auf entwässerten Torfgebieten, lautet eine der wichtigen Botschaften der Studie. Gehen hingegen der Bau einer Anlage mit der Wiedervernässung Hand in Hand, werden die Emissionswerte einer Kilowattstunde Solarstrom noch positiver. Gleichzeitig könnte in diesem Fall die leicht höhere Vergütung den Ausfall der landwirtschaftlichen Erträge kompensieren. Petra Franke

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