Solarförderung im Visier: Klimaschutz und solare Energiewende auf Zielkurs halten

Die Überlegungen von Bundeswirtschaftsministerin Reiche, die Einspeisevergütung für neue private PV-Anlagen zu streichen, stößt auf Kritik. Das gefährde Klima- und Ausbauziele sowie die ganze Solarbranche und torpediere die dezentrale Energiewende.
12.08.2025 – „Die Umsetzung eines derartigen Vorhabens würde die Branche mit ihren rund 150.000 Beschäftigten stark schädigen“, warnt der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) vor dem Vorstoß aus dem Bundeswirtschafts- und Energieministerium, die PV-Förderung für Eigenheime zu streichen. Um die gesetzlichen Klima- und Ausbauziele zu erreichen, brauche es vielmehr verlässliche Investitionsbedingungen in allen Photovoltaik-Marktsegmenten. Dazu zähle auch eine Förderung für Solarstrom, der nicht selbst verbraucht werden könne, erklärte der BSW-Solar.
Statt schädliche Debatten über eine Drosselung des Energiewende-Tempos bei der Photovoltaik zu führen, sollte die Bundesregierung die anstehenden Aufgaben der Energiewende nun konsequent angehen, so die Forderung des Branchenverbandes. Hierzu gehöre, den Photovoltaik-Ausbau für alle relevanten Marktsegmente auf Zielkurs zu halten, Speicher und Netze schneller auszubauen und den erzeugten Sonnenstrom systemdienlich ins Stromsystem zu integrieren.
Förderstopp torpediert die Energiewende
Nach einer Umfrage unter Solarinstallateuren würden sich lediglich vier von zehn Kunden ohne eine Förderung noch eine Solarstromanlage im Heimsegment anschaffen. Zuvor hatten bereits wiederholt repräsentativer Bevölkerungsumfragen gezeigt: Eine parteiübergreifende Mehrheit der Bevölkerung sieht Solarenergie als beliebteste Stromart und plädiert dafür, Photovoltaik in Deutschland verstärkt zu nutzen. Durch die aktiven Teilhabemöglichkeiten für alle gesellschaftlichen Akteure ist demnach vor allem die Gebäude-Photovoltaik ein entscheidender Faktor für die nach wie vor ungebrochen hohe Zustimmung zur Energiewende in Deutschland.
Gebäude-PV unterstützt das flexible Stromsystem
Der BSW-Solar wies auch Überlegungen zurück, Betreiber von Solaranlagen künftig stärker an den Netzkosten beteiligen zu wollen. Die Kombination von Solaranlagen mit Batteriespeichern, Elektroautos, Klimaanlagen oder Wärmepumpen gewährleiste eine effiziente Nutzung der Netzinfrastruktur – und ist bereits heute der Standardfall beim Kauf einer privaten Dach-Photovoltaikanlage.
Durch die Kombination von Erzeugung, Verbrauch und Batteriespeicher an einem Ort wird das rare Gut der Netzkapazitäten von Gebäude-Photovoltaikanlagen ideal genutzt, denn für selbst produzierten und vor Ort verbrauchten Strom wird kein zusätzlicher Netzausbau benötigt. Durch Gebäude-Solaranlagen können also der Netzausbaubedarf gesenkt und die Kosten hierfür reduziert werden. Eine Beteiligung solarer Prosumer an den Netzkosten sei damit nicht zu rechtfertigen.
Weitere Kommentare aus der Erneuerbaren-Branche –
Ziel: Ein digitales, flexibles und effizientes Energiesystem
„Wir dürfen nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen. Bevor wir die Einspeisevergütung abschaffen, brauchen wir zuerst eine Systemmodernisierung für mehr Digitalisierung und bessere Prozesse: der flächendeckende Smart-Meter-Rollout, einfache Abstimmungen mit Verteilnetzbetreibern und klare Marktkommunikationsregeln sind dafür grundlegend“, kommentierte Philipp Schröder, CEO und Mitgründer von 1KOMMA5°. Die Politik müsse jetzt eine ernst gemeinte Qualitätsoffensive starten. „Solange Prozesse haken und Daten nicht zuverlässig ausgetauscht werden, gibt es keine verlässliche Basis für die Umstellung der Förderung. Und ohne Günstiger Strom aus Wind und Sonne ist kein Problem, sondern ein strategischer Vorteil für Bürger und Wirtschaft und ein Garant für die Energieunabhängigkeit Deutschlands Planungssicherheit droht der komplette Stillstand“, so Schröder. „Günstiger Strom aus Wind und Sonne ist kein Problem, sondern ein strategischer Vorteil für Bürger und Wirtschaft und ein Garant für die Energieunabhängigkeit Deutschlands. Gleichzeitig verursachen vor allem alte, vollständig ungesteuerte Anlagen hohe Kosten nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).“ Hier müssten dringend Speicher nachgerüstet werden, die netzdienlich steuern können, meint Schröder. „Flexibilität und Steuerbarkeit kosten nichts extra, sie müssen endlich sauber und wirksam umgesetzt werden, damit der günstige Strom bei allen ankommt. Klar ist: Die Einspeisevergütung, wie sie heute funktioniert, basiert nicht auf smarten Signalen aus dem Markt. Sie sollte schrittweise auf ein marktnahes Modell umgestellt werden. Die geförderte Direktvermarktung ist hier der Schlüssel mit intelligenter Steuerung, Speichern und der Möglichkeit, dass auch kleine Anlagen aktiv am Markt teilnehmen. Unser Ziel ist ein digitales, flexibles und effizientes Energiesystem, das alle miteinander vernetzt.“
Akzeptanz für die Energiewende nicht verspielen
„Das Framing von Wind und Solar als Kostentreiber ist falsch und gefährlich“, warnt auch Carolin Dähling, Bereichsleiterin Politik und Kommunikation bei Green Planet Energy: „So setzen wir die Akzeptanz für die Energiewende aufs Spiel. Private PV-Anlagen machen die Energiewende erlebbar und sind ein niedrigschwelliger Einstieg zu Elektromobilität und Wärmewende. Damit sind sie ein wichtiger Faktor für die Sektorenkopplung. Außerdem sind private Solaranlagen eine der einfachsten Möglichkeiten, Stromverbrauch und Stromerzeugung zu synchronisieren, ohne das Netz zu belasten.“
Sinnvolle Reformierung der Einspeisevergütung statt populistischer Debatten
Statt populistischer Debatten brauchen wir seriöse Vorschläge für das Strommarktsystem der Zukunft“, sagt Dähling. „Um das Energiesystem effizient auf 100-Prozent Erneuerbaren umzustellen, braucht es eine sinnvolle Reform der Einspeisevergütung, die finanzielle Anreize so setzt, dass sich die Anlagen automatisiert systemdienlich verhalten. Was nicht passieren darf: Dass wir weniger Erneuerbare ausbauen – das wäre nicht nur schlecht für das Klima und unsere Abhängigkeit von anderen Staaten, sondern würde auch die Stromkosten in die Höhe treiben.“ na





















































