TOP-THEMA
EEG 2027









Energiewende in der SchweizLuzern mit klaren Zielen zum Solarausbau

Luftaufnahme großes Haus mit steilem Dach, beide Seiten mit Photovoltaikmodulen
Mehrfamilienhaus im Hubelmattquartier in Luzern mit Solaranlage. Installiert wurde auch ein Batteriespeicher, um den Eigenverbrauch zu optimieren. (Foto: Stadt Luzern)

Die Stadt Luzern will bis 2050 im Stadtgebiet eine Photovoltaik-Leistung von 180 Megawatt ausbauen. Ende 2025 waren Solaranlagen mit insgesamt 32,5 Megawatt installiert. Vier Beispiele zeigen, wie Eigentümer von Solarstrom profitieren.

02.10.2026 – Eine Klima- und Energiestrategie soll unter anderem den Solarausbau in Luzern beflügeln. Das Zieljahr 2050 liegt noch weit in der Zukunft, doch es gibt Zwischenziele. Für 2025 wurde das Zwischenziel von 30 Megawatt Leistung übertroffen. Höhere Förderbeträge und die 2022 eingeführte Solardachpflicht haben dazu beigetragen. Doch das Tempo muss noch einmal mehr anziehen, von bisher vier Megawatt auf sechs Megawatt pro Jahr. Es braucht „weiterhin den Einsatz von allen – von der Stadt wie von privaten, gewerblichen und genossenschaftlichen Eigentümerschaften“, betont Umwelt- und Mobilitätsdirektor Marco Baumann.

Batteriespeicher gab den Ausschlag

Da ist zum Beispiel der Stockwerkeigentümer Jean-Pierre Grüter, der zuerst skeptisch war, „ob sich eine Solaranlage für uns lohnt.“ Den Ausschlag gab schließlich der Batteriespeicher für das Mehrfamilienhaus im Hubelmattquartier. Der tagsüber erzeugte Strom wird nun auch abends genutzt, wenn viele Bewohner zu Hause sind. Für die Abrechnung wird das Eigenverbrauchs-Optimierungs-Modell des städtischen Energieversorgers ewl genutzt. Gebaut wurde eine beidseitige Steildachanlage mit knapp 95 Kilowatt Leistung.

Ebenfalls eine beidseitige Steildachanlage wurde in der abl-Siedlung Breitenlachen gebaut. Verteilt auf 17 Gebäude wurden Solarmodule mit insgesamt 1.023 Kilowatt Leistung montiert. Mit 900.000 Kilowattstunden pro Jahr wird mehr Strom erzeugt als in den Gebäuden benötigt wird. Die Mieterschaft profitiert von einem niedrigen Strompreis.

Ein Beispiel aus dem Gewerbe findet sich bei der Bäckerei Hug, wo viel Energie für Produktion und Kühlung benötigt wird. Die erste Solaranlage wurde bereits 2018 im Rahmen der Dachsanierung des Bürotrakts gebaut. 2025 wurde sie weiter ausbaut. „Bei gleichbleibenden Strompreisen amortisieren sich beide Anlagen innerhalb von drei Jahren – und es ist lässig, sein eigenes Kraftwerk zu haben“, sagt Stefan Hug.

Auch Familie Wiget, die im Säntihof wohnt, erzeugt inzwischen eigenen Solarstrom. Zwar konnte sich die Stockwerkeigentümergemeinschaft nicht zu einer gemeinsamen großen Solaranlage durchringen, doch für die Mini-PV-Anlage im eigenen Garten brauchte die Familie keine Zustimmung anderer Parteien. Auch die Anmeldung für die Förderung und bei der Energieversorgerin waren überraschend einfach, wie die Familie berichtet.

 

Mehr zum Thema

Hausdach mit Photovoltaik, im Hintergrund hohe Berge
Umgang mit Erzeugungsspitzen

Schweiz ändert Vergütungsmodell für Solarstrom

In der Schweiz können Verteilnetzbetreiber ab 2027 Solarstrom mit dem Marktpreis zum Zeitpunkt der Einspeisung vergüten. Damit entsteht für Erzeuger ein Anreiz, Strom dann ins Netz einzuspeisen, wenn er tatsächlich gebraucht wird.

Gebäudefassaden bieten ebenfalls Flächen für Photovoltaik

In Luzern schlummert – wie in vielen anderen Städten – noch viel ungenutztes Solar-Potenzial. Gerade Fassaden würden oft übersehen, wie die Stadt in einer Mitteilung konstatiert. Doch auch dort könnten mit geringem bürokratischen aufwand Anlagen gebaut werden: Unter Einhaltung der Gestaltungsvorgaben genügt für die meisten Fassadenanlagen eine Baumeldung; eine Baubewilligung ist nur in speziellen Fällen erforderlich. Dank ihrer vertikalen Ausrichtung können Fassadenanlagen zudem gerade im Winter, wenn die Sonne tief steht, wertvolle Stromerträge liefern.

Auch bei Dächern lohne es sich, über die klassische Südausrichtung hinauszudenken: Wer die gesamte geeignete Dachfläche nutzt, erzielt insbesondere an weniger sonnigen Tagen eine höhere Eigenversorgung. Das gelte auch für Gebäude in Schutzzonen und für inventarisierte Bauten – sie sind ebenfalls zur Eigenstromerzeugung verpflichtet. Mit sorgfältig auf das Gebäude abgestimmten Lösungen lassen sich Denkmalschutz und Photovoltaik in der Regel gut miteinander vereinbaren.

Kostenfreies Energie-Coaching von der Stadt Luzern

Damit Eigentümerschaften das Potenzial ihrer Liegenschaften einfach beurteilen können, bietet die Stadt Luzern ein kostenlose Energie-Coaching an. Dabei werden Dach und Fassaden bewertet und eine Grundlage erstellt, um Angebote für die Planung einer Solaranlage einzuholen.

Neben der Bundesförderung Pronovo unterstützt auch die Stadt den Bau von Photovoltaikanlagen, wobei der städtische Förderbeitrag zusätzlich zur Bundesförderung ausbezahlt wird. Je nach Bauweise kommen seitens der Stadt weitere Förderbeiträge dazu.

Mit den neuen Modellen ZEV und LEG können mehrere Wohnungen oder ganze Nachbarschaften gemeinsam den lokal produzierten Solarstrom nutzen. Dies erhöht den Eigenverbrauch ebenfalls, wodurch sich Anlagen noch schneller amortisieren. Der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch wird ZEV genannt – damit können alle Parteien, auch Mietparteien, einer Liegenschaft vom eigenen Solarstrom profitieren. Der virtuelle Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (vZEV) und die Lokale Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) erlauben es darüber hinaus ganzen Nachbarschaften, gemeinsam Solarstrom zu nutzen. pf

Mehr zum Thema

Platz in Luzern bei Nacht, Personen, blaue Lichtshow an den Fassaden
Energy Sharing in der Schweiz

Einfache Regeln, Netzentgeltrabatte und neu gewonnene Freiheiten

In der Schweiz entstanden binnen eines halben Jahres mehrere hundert Energiegemeinschaften. Netzentgeltrabatte machen das Modell attraktiv, aber noch wichtiger für den Hochlauf sind einfache Regeln. Ein Gastbeitrag

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen