PV-Markt: Modulpreise im Abwärtstrend

Überkapazitäten der chinesischen Hersteller und verhaltene Nachfrage lassen die Modulpreise sinken. Vor allem auf dem Absatzmarkt USA brechen Absätze weg, aber auch in Europa lahmt der Zubau. Ein Gastbeitrag von Martin Schachinger
21.07.2025 – Würde man den Modulpreisen eine Identität mit eigener Willensbildung zuschreiben, so könnte man in diesem Monat von einer vielleicht richtungsweisenden Entscheidung sprechen. War im letzten Monat von mir noch die Rede von unklaren Tendenzen im Modulmarkt und von nur marginalen, eher unambitionierten Bewegungen, so ergibt sich mittlerweile ein deutlicheres Bild. Den Preisen war die Luft weiter oben scheinbar zu dünn, daher haben sie sich entschieden zu fallen. Betrachtet man die akuten Gründe dafür und auch das weitere Marktumfeld, in dem wir uns gerade befinden, könnte sich die Bewegung zu einem längerfristigen Trend ausweiten.
Die Modulpreise sind nach einer kurzen Stabilisierungsphase in den vergangenen Wochen quer durch alle Technologieklassen um gerundete 5 bis 8 Prozent gefallen. Damit bewegen sie sich preislich wieder stark in Richtung des Niveaus, welches bereits zu Jahresanfang gesehen wurde und das für Modulproduzenten als nichts anderes als ungesund zu bezeichnen ist. Ob es bei einem kurzen Ausschlag bleibt oder die Preisspirale sich weiter nach unten dreht, wird weiter unten ausführlicher analysiert.
Nachfrage hinkt Erwartungen hinterher
Einige wichtige Großhändler haben nämlich zu Beginn der zweiten Jahreshälfte ihre über Monate hinweg vorsichtig erhöhten Verkaufspreise schon wieder um 1 bis maximal 2 Eurocent pro Wattpeak nach unten korrigiert. Andere werden dem Beispiel vermutlich bald folgen. Die tatsächliche Nachfrage im Photovoltaik-Markt hinkt den Erwartungen hinterher, so dass etwas zu optimistisch eingekaufte Modulbestände nun auf die Bilanz drücken und verstärkt wieder abgebaut werden müssen.
Diese Preissenkungen gehen aber nicht vollständig zu Lasten der Zwischenhändler, da die Entwicklung bereits durch fallende Siliziumpreise in China eingeleitet wurde. Auch hat die Binnennachfrage dort nach Auslaufen von Fördermaßnahmen abgenommen, so dass wieder vermehrt preiswerte Module für den Weltmarkt zur Verfügung stehen. So liegt das Preisniveau bei bifazialen Doppelglasmodulen für große Freilandanlagen schon wieder - beziehungsweise immer noch – deutlich unter 10 Eurocent pro Wattpeak, selbstverständlich fertig geliefert auf die europäische Baustelle.
Überkapazitäten drücken die Modulhersteller
Für Modulhersteller, die bereits in den letzten beiden Jahren keinen Euro mehr verdient, sondern eher eine ganze Menge Geld verloren haben, ist das keine gute Nachricht. Viele werden eine weitere Durststrecke nicht so ohne weiteres überleben, da die Reserven aufgebraucht sind. Gerade für chinesische Produzenten wird die Luft zunehmend dünn, da der Staat seine bisher großzügig gewährte Unterstützung sukzessive zurückfährt. Ein Einkassieren der Steuererleichterungen haben wir in den vergangenen Monaten ja bereits gesehen, aber auch zinsgünstige Kredite werden zusammengekürzt, wenn nicht gar fällig gestellt.
Das von der chinesischen Regierung ausgegebene Ziel, weltweit eine marktbeherrschende Stellung einzunehmen, ist von der Solarindustrie erreicht worden. Nun müssen die Unternehmen zeigen, dass sie davon profitieren und auf eigenen Beinen stehen können. Unterstützungsmaßnahmen mit Rettungspaketen und Sozialplänen für die Belegschaft sucht man im Land der Mitte vergebens, natürliche Auslese und das Überleben der Stärksten ist dort Programm – Wirtschaftsdarwinismus in Reinkultur.
Überproduktion wird weitergehen
Die Marktakteure selbst versuchen dabei mehr oder weniger verzweifelt gegenzusteuern. Wieder ist innerhalb der Kartelle von Preisabsprachen beziehungsweise freiwilligen Preisuntergrenzen und festen Produktionsquoten die Rede, um den Wettbewerb untereinander und damit den zerstörerischen Preiskampf einzudämmen. Dass dies aber nur mittelprächtig bis gar nicht funktioniert, das haben wir mehr als einmal gesehen. Am Ende ist sich doch jeder Hersteller über die gesamte Wertschöpfungskette selbst der nächste und wirft alles auf den Markt, was mit dem zur Verfügung stehenden Rohmaterial gefertigt werden kann. Was oben reinkommt, muss unten wieder raus, beinahe egal zu welchem Preis.
So wird es weiterhin in Teilen der Branche eine massive Überproduktion geben, gerade auch wenn die Märkte weltweit aufgrund der allgemeinen politischen Situation und dem sich abzeichnenden Rollback in eine von fossilen Energieträgern geprägte Energiewirtschaft abkühlen. Insbesondere die Situation in den USA macht den Herstellern weltweit zu schaffen. Dort trifft gerade Protektionismus einerseits auf eine negative Einstellung zu den Erneuerbaren Energien andererseits, so dass dieser Markt für viele Anbieter gerade wegbricht. Alternative Absatzkanäle sind aber kaum zu finden, schon gar nicht mit ähnlich hohem Preisniveau.
Marktaussichten in Europa eher trübe
Wird wenigstens der Markt und damit der Absatz in Europa in der zweiten Jahreshälfte wieder anziehen? Das darf getrost bezweifelt werden, denn viele Gründe sprechen.
Nicht nur in Deutschland macht sich zunehmend eine Photovoltaik- und Windkraft-feindliche Politik breit, bei der der Klimaschutz nur noch auf einem der hinteren Plätze rangiert – kürzlich getätigte Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche untermauern dies in erschreckender Weise.
Auch in der gesamten Europäischen Union sinken die Ambitionen, den Klimaschutz durch die Transformation zu einer auf erneuerbare Energien gestützte Stromerzeugung zu verstärken, um die selbst gesteckten Ziele zu erreichen. An allen Ecken und Enden werden Zielmarken aufgeweicht, Termine verschoben und ein Rollback hin zu fossil-atomaren Energieträgern vorbereitet. Selbst in der bisher noch etwas progressiveren EU-Kommission verursacht der allgemeine Rechtsruck ein konservatives Umfeld, in dem eine konsequente Verfolgung der bisher ausgegebenen Klimaziele nur noch schwer vorstellbar ist.
Alle diese Entwicklungen erzeugen nicht gerade ein positives Investitionsklima, in welchem in Europa weiterhin hohe Zubauzahlen zu erwarten sind. Die Verunsicherung ist aufgrund der konträren Stimmen aus den Ministerien groß. Wichtige Maßnahmen zum Bürokratieabbau, sowie zum Ausbau und zur Stabilisierung der Verteilnetze werden verzögert und verhindert, anstatt forciert. Errungenschaften, welche die Energiewende stärken und beschleunigen sollten, drohen verloren zu gehen. Lieber lässt man eine Branche zusammenbrechen, als die von ihr vorgeschlagenen Konzepte zu übernehmen und umzusetzen, selbst wenn damit viel Geld gespart werden kann. Die alten Seilschaften scheinen wichtiger zu sein.
Nicht resignieren, sondern kämpfen
In diesem schwierigen Umfeld heißt es nun, nicht zu resignieren sondern zu kämpfen. Es droht wieder eine Saure-Gurken-Zeit auf uns zuzukommen, wir sollten aber innerhalb der Branche nicht aufhören, mit guten Argumenten und Konzepten auf die Entscheider in der Politik einzuwirken. In der Gesellschaft müssen wir dafür werben, dass wir die Lösung der Probleme nicht allein den Politikern und Konzernbossen überlassen sollten, sondern jeder einzelne seinen positiven Beitrag leisten kann. Und ja, vielleicht müssen wir dazu auch wieder auf die Straße gehen und demonstrieren – zahlreich und laut unser Recht auf eine lebenswerte Zukunft einfordern!
Der Autor Martin Schachinger ist Gründer und Inhaber von pvXchange.com















































