TOP-THEMA
EEG-Novelle







Solarenergie-ForschungPerowskit-Solarzellen wetterfest machen

Ein Mann in weißem Laborkittel hält eine Solarzelle in der Hand
Studien-Erstautor Dr. Kun Sun hält eine Perovskit-Solarzelle in der Hand. (Foto: © Dr. Yuxin Liang / TUM)

Perowskit-Solarzellen sind sehr effizient, reagieren jedoch sensibel auf Temperaturschwankungen – was ihren Weg auf die Dächer bislang ausbremst. Forschende haben entschlüsselt, wie Solarzellen altern und entwickeln nun wetterfeste Designkonzepte.

30.01.2026 – Perowskit-Solarzellen gehören zu den aussichtsreichsten Technologien, um Solarstrom günstiger und effizienter zu gestalten. Sie bestehen aus speziellen kristallinen Materialien, die Sonnenlicht sehr effizient in Strom umwandeln.  – aber bisher einen Nachteil haben, denn sie reagieren sensibel auf Temperaturschwankungen. Forscherteams haben nun herausgefunden, warum die vielversprechenden Materialien an Leistung verlieren und wie sie sich stabilisieren lassen. Gemeinsam mit Partnern vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), vom DESY (Deutsches Elektronen-Synchrotron) sowie vom KTH Royal Institute of Technology in Stockholm hat das Team die mikroskopischen Mechanismen aufgedeckt, durch die schwankende Temperaturen das Material altern lassen. Zudem haben sie eine Strategie entwickelt, um dies zu verhindern. Ihr Ansatz: Die fragile Kristallstruktur mithilfe speziell entwickelter „molekularer Anker“ stabilisieren.

Mehr zum Thema

Zwei Personen mit dunkel gefärbten Schutzbrillen in einem Forschungslabor betrachten einen im Bild nicht sichtbaren Gegenstand
Perowskit-Forschung

Effizienz resultiert aus strukturellen Defekten

Ausgerechnet die strukturellen Defekte in Perowskiten sind Grund für die besonderen photovoltaischen Eigenschaften. Zwei Physiker konnten jetzt den Mechanismus hinter der Effizienz umfassend erklären.

Jenseits des Labors: Überleben in der realen Welt

Um die Klimaziele von morgen zu erreichen, müssen Solarzellen die Eigenschaft besitzen, über Jahrzehnte zuverlässig zu funktionieren. Zwar erreichen Perowskit-Materialien bereits rekordverdächtige Wirkungsgrade bei der Umwandlung von Sonnenlicht in Strom, jedoch stehen sie in der Natur einem harten Gegner gegenüber: extremen Temperaturschwankungen. Fachleute nennen dies thermische Zyklen. Innerhalb eines einzigen Tages muss ein Solarmodul sowohl frostigen Nächten als auch großer Hitze standhalten. Diese realen Bedingungen – wiederholtes Erwärmen und Abkühlen – können eine frühzeitige Materialdegradation (Alterung) auslösen, wodurch Perowskit-Solarzellen einen Teil ihrer relativen Leistungsfähigkeit verlieren, berichten die Forschenden.

„Wenn wir diese Zellen auf unseren Dächern sehen wollen, müssen wir sicherstellen, dass sie nicht nur im Labor funktionieren, sondern auch den jahreszeitlichen Belastungen trotzen“, sagt Prof. Peter Müller-Buschbaum, der den Lehrstuhl für Funktionelle Materialien an der TUM School of Natural Sciences leitet und Mitglied des Exzellenzclusters e-conversion ist. Sein Team erforscht die mikroskopischen Ursachen und hat nun entschlüsselt, wie sie das Material instabil machen. Auf Basis dieser Erkenntnisse entstanden neue Designstrategien, um die obere Schicht von Tandem-Solarzellen robuster zu gestalten, sodass sie realen Bedingungen standhalten können. Tandem-Solarzellen bestehen aus übereinandergestapelten Solarzellen (mindestens zwei) und nutzen dadurch das Sonnenlicht besser aus.

Mehr zum Thema

Nachgefragt

„So vieles ist noch unverstanden“

Perowskit-Zellen und Module sind eines der intensivsten Forschungsgebiete weltweit. Unzählige Institute experimentieren mit Materialkombinationen, erforschen deren Eigenschaften und arbeiten an Lösungen für die industrielle Fertigung.

Bernd Stannowski erforscht am Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) mit seinem Team industrielle Technologien für Silizium und Perowskit Solarzellen.

Die Einbrenn-Phase entschlüsselt

In einer Studie, die in Nature Communications veröffentlicht wurde, untersuchte Erstautor Dr. Kun Sun vom TUM-Lehrstuhl für Funktionelle Materialien gemeinsam mit dem Forschungsteam sogenannte hocheffiziente Wide-Bandgap-Zellen – die oberen Zellen in einer Tandem-Solarzelle. Mithilfe hochauflösender Röntgenmessungen am DESY beobachteten sie in Echtzeit, wie das Material während schneller Temperaturänderungen „atmet“, indem sich das Kristallgitter je nach Temperaturprofil periodisch ausdehnt und zusammenzieht.

Was an der Entdeckung bemerkenswert war: Die Degradation tritt in einer ausgeprägten anfänglichen Einbrenn-Phase auf, von Experten als “Burn-in“ bezeichnet, in der die Zellen bis zu 60 Prozent ihrer relativen Leistungsfähigkeit verlieren. „Wir konnten zeigen, dass eine Art mikroskopisches Tauziehen diesen Verlust auslöst“, erklärt Kun Sun. „Im Inneren des Materials entstehen Spannungen und seine Struktur verändert sich. Das kostet Leistung.“ Mit diesem Wissen haben Ingenieurinnen und Ingenieure ein Entwicklungsziel: Die “Burn-in”-Phase unterbinden, um langfristige Stabilität zu erreichen.

Mehr zum Thema

schwarzes Mineral Perowskit
Forschung

Recycling von Perowskit-Solarmodulen

Wie sich Perowskit-Dünnschichtmodule am Ende ihrer Lebensdauer wiederverwenden lassen, untersuchen Forschende des ZSW mit Industriepartnern. Das Ziel: ein industrietaugliches Recyclingverfahren, das verwendete Materialien in großer Reinheit trennt.

Den „perfekten Anker“ entwickeln

Doch wie lässt sich verhindern, dass das Material buchstäblich auseinanderfällt? In einer zweiten Studie, veröffentlicht in ACS Energy Letters, berichten die Forschenden, wie sich das empfindliche Kristallmaterial stabilisieren lässt. Sie verwenden dafür spezielle organische Moleküle, die als Abstandshalter wirken und dabei die Struktur wie ein Anker zusammenhalten – vergleichbar mit einem molekularen Gerüst.

Durch den Vergleich verschiedener solcher Abstandshalter fanden die Forschenden einen Gewinner: Während gängige Kandidaten zum strukturellen Zerfall führten, erwies sich das voluminösere organische Molekül PDMA als beste Option: Es entstand eine deutlich robustere Solarzelle, die selbst unter dem mechanischen Stress schneller Erwärmung und Abkühlung stabil bleibt. „Die Zukunft der Photovoltaik trägt die Vorsilbe Tandem“, ist Prof. Peter Müller-Buschbaum überzeugt. „Indem wir die mikroskopischen Mechanismen verstehen, ebnen wir den Weg für eine neue Generation von Solarmodulen, die sowohl hocheffizient als auch robust genug für Jahrzehnte im Außeneinsatz sind.“ na

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen