Schafe im SolarparkSichere Weideflächen

Braune Schafe, links am Bildrand aufgeständerte Solarmodule
Inzwischen keine Ausnahme mehr: weidende Schafe in einem Solarpark. (Foto: naturstrom AG / Iryna-Vasylchenko)

Junge Lämmer mit ihren Muttertieren sind dieser Tage landauf landab in Solarparks zu sehen. Die niedlichen Flächenpfleger halten den Bewuchs unter den Solarmodulen kurz. Aber auch die Schäferinnen und Schäfer haben gerade alle Hände voll zu tun.

01.05.2026 – Der Frühling ist eine umtriebige Zeit bei allen Schafhalter:innen: Viele Lämmer müssen sicher zur Welt gebracht und im Anschluss mit ihrer Familie auf einer sicheren Weide untergebracht werden. Was eignet sich da besser als die gut umzäunte Fläche eines Solarparks, die auch noch Unterstände für die Tiere bietet?

„Die Vorteile überwiegen ganz klar: Die Tiere haben Sonnen-, Wind- und Regenschutz. So gute Weideflächen bekomme ich sonst ganz schwer“, berichtet Karlheinz Luff, der seine Schafe schon seit über zehn Jahren auf dem naturstrom-Solarpark im fränkischen Merkendorf weiden lässt. Die Jungtiere kommen zwar in einem geschützten Stall zur Welt, hüpfen aber relativ zügig mit etwa 40 erwachsenen Tieren auf die Solarweide. Ab Ende März gibt es dort genug frisches, eiweißreiches Futter.

Etwas anders sieht es im brandenburgischen Solarpark Petershagen aus. Er ist sehr groß, rund 73 Hektar. „Die Tierzahl muss dem Aufwuchs angepasst sein. Etwa 100 Tiere können ganzjährig auf der Fläche sein, auch im Winter. In den wärmeren Monaten habe ich bis zu 200 Tiere dort, die in abgesteckten Flächen den Solarpark systematisch abweiden“, erklärt Katrin Todt von der Naturschutzschäferei Katrin Todt, deren Schafe hier grasen.

Die Tiere halten den Pflanzenbewuchs unter den Modulen kurz, so dass die Module nicht beschattet werden. Eine maschinelle Mahd wäre zwischen den Aufständerungen zwar möglich, aber aufwendig und teuer. Die Schafherden sind da um einiges geduldiger und dennoch sehr effizient – gut für den Solarparkbetreiber. Die Schafe haben aber auch ihre Ansprüche: Sie wollen gutes Futter finden und sich wohl fühlen.

Gerlind Brand aus Straußfurt beim Solarpark Henschleben spricht von einer „Win-win-Situation“: „Feste Pachtflächen bringen uns finanzielle Sicherheit für den Familienbetrieb. Als Betrieb der Initiative Tierwohl sind wir dort auch gut aufgehoben: zwar fressen die Schafe manche Wildkräuter wie die Brennnessel nicht, aber auf der artenreichen Wiese finden sie immer schmackhaftes Futter. Die Anlage ist auch sicher für die Tiere, die Kabel sind alle optimal verlegt und gesichert. Da gibt es eigentlich keine Möglichkeit zum Hängenbleiben.“

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Schafe machen Solarparks sicherer

Die Verantwortlichen schauen täglich nach ihren Tieren. Besonders im Sommer müssen beispielsweise die Trinkmöglichkeiten regelmäßig aufgefüllt werden. Da das Frischfutter auf der Wiese aber natürlicherweise einen hohen Wassergehalt aufweist, ist die Wasserversorgung aber gar nicht so aufwendig wie meist angenommen. Über die tägliche Inaugenscheinnahme sind auch die Betreiber der Anlagen sehr dankbar. Obwohl an vielen Anlagen Kameras installiert sind, ist der tägliche Besuch ein wichtiger Sicherheitsaspekt: Er schützt vor potenziellem Diebstahl und die Schäfer:innen können melden, falls es Defekte oder andere Auffälligkeiten an der Anlage gibt.

Für die Betriebe ist die Zusammenarbeit ein gutes Aushängeschild für neue Möglichkeiten in der Landwirtschaft. Gerlind Brand hatte beispielsweise schon Besuch aus dem Thüringer Umweltministerium und von internationalen Vereinen: „Die sind immer begeistert, wie gut das funktioniert. Man kann nach außen zeigen, dass das eine gute Kombi ist. Sowohl für die Energiewende als auch den Naturschutz. Das schafft Akzeptanz, wenn zukünftig immer mehr Erneuerbare-Anlagen kommen“, meint die Diplom-Agrarökonomin.

Nutzen für die Biodiversität

Den Mehrwert für den lokalen Naturschutz sieht auch die Diplom-Ökologin Katrin Todt. Zusammen mit dem Naturschutzbeirat des Landkreis Märkisch-Oderland hat sie sich im Rahmen der ökologischen Baubegleitung für einzelne Maßnahmen stark gemacht.

Auf einem Lagercontainer innerhalb der Anlage wurde auf ihren Vorschlag hin ein geschützter Nistkasten für den seltenen Wiedehopf angebracht. Der Vogel ist im Gebiet ansässig und wird durch den Dung der Tiere angelockt. Besonders gut gefällt ihr auch der Randstreifen, der als Ausgleichshabitat zwischen Straße und Solarpark angelegt wurde: „Hier können Kraniche gut anlanden, die hier in der Gegend ihr Brut- und Rastgebiet haben“.

Auch andere Tiere wie Feldhasen, Kleinvögel und Turmfalken auf Nahrungssuche hat sie im Solarpark Petershagen schon beobachtet.

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Besonders erfreulich, wenn die Schäfer:innen von Sichtungen seltener Arten berichten. Im fränkischen Merkendorf landen zwar selten Kraniche an, dafür ist Karlheinz Luff schon öfter das laut Roter Liste stark gefährdete Rebhuhn begegnet. „Für solche Vögel gibt es durch die intensive Landwirtschaft nur noch wenige Rückzugsräume. Im Solarpark finden sie Schutz. Die Schafe lassen sie in Ruhe, ihr Dung zieht Insekten als Nahrung für Vögel an und außerdem nutzen die Vögel die Wollreste gerne für den Nestbau.“

Die drei Landwirt:innen haben zudem Vorschläge, wie das Modell „Solarweide“ noch attraktiver werden kann. Schon beim Bau könne darauf geachtet werden, dass die Module hoch genug aufgeständert werden. Auch ein nahe gelegener Wasser- und Stromanschluss ist vorteilhaft, um die Trinkwasserversorgung für die Tiere und die Stromzufuhr für die abgesteckten Elektrozäune zu gewährleisten. Durch weitere innovative Betriebsmodelle wie die Hühnerhaltung oder Agri-PV zur Nahrungsmittelproduktion würden sich sicher noch mehr Landwirte als Energiewirte begeistern lassen.

Gastbeitrag von Franziska Mehrbach aus dem Team Bürgerenergie & projektbegleitende Kommunikation der naturstrom AG.

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