SolarPower Europe: Solarbranche rückt Qualität in den Mittelpunkt

Europas Solarbranche wächst rasant. Ein Webinar von SolarPower Europe zeigte, warum die Qualität einer Anlage künftig ebenso wichtig ist wie die Geschwindigkeit, mit der sie gebaut wird.
01.10.2026 – Europas Photovoltaik-Kapazität wächst vom Megawatt- in den Gigawattbereich. Damit tritt die Branche in eine neue Phase ein, in der die Leistung einer Anlage über ihre gesamte Lebensdauer ebenso wichtig ist wie die Geschwindigkeit, mit der sie installiert wird. Das war die zentrale Botschaft eines Webinars des europäischen Branchenverbands mit dem Titel „Quality Across the PV Lifecycle: Building Europe's Solar Fleet for the Next 30 Years“, das Fachleute aus Industrie, Forschung und dem europäischen Forschungsprojekt SUPERNOVA zusammenbrachte.
Vom niedrigsten Preis zum langfristigen Wert
Wojtek Swietochowski von ABO Energy, stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgruppe für Qualität im Anlagenlebenszyklus bei SolarPower Europe, sieht den europäischen PV-Markt in einer Umbruchphase. Während in der ersten Ausbauphase fast nur der Preis zählte, stellten sich die Akteure heute eine andere Frage: Welchen Nutzen bringt eine Solaranlage über ihre gesamte Lebensdauer?
Swietochowski warnte, dass schlechte Qualitätsentscheidungen zunächst attraktiv wirkten, weil sie die Anfangsinvestition senken. Ihre Folgen zeigten sich jedoch oft erst Jahre später: Bauteile fallen aus, Garantieansprüche werden kompliziert, Erträge sinken, Fehler werden zu spät erkannt und die Anlage lässt sich schlechter modernisieren oder recyceln. „Die günstigste Lösung von heute kann die teuerste Lösung von morgen werden“, sagte er.
Umgekehrt zahlen sich Investitionen in Qualität aus. Ein gutes Anlagendesign senkt das technische Risiko, hochwertige Komponenten erhöhen die Zuverlässigkeit, eine sorgfältige Installation steigert die Systemleistung, und ein solides Datenmanagement ermöglicht fundierte Entscheidungen. Qualität wird damit zu einem wirtschaftlichen Faktor, der direkt beeinflusst, wie leicht sich eine Anlage finanzieren und versichern lässt.
Entscheidungen sichtbar machen
David Moser vom Becquerel Institute Italia stellte eine Entscheidungsmatrix vor, die im Rahmen der Task 13 der Internationalen Energieagentur entwickelt wurde und unter solardecisions.eu abrufbar ist. Das Werkzeug zeigt acht Akteursgruppen und acht Phasen im Lebenszyklus einer Anlage und umfasst mehr als 200 Aktivitäten. Es macht sichtbar, an welchen Punkten Entscheidungen eines Akteurs die Ergebnisse für andere bestimmen. Viele Entscheidungen, die die spätere Finanzierbarkeit beeinflussen, würden lange getroffen, bevor über die Finanzierung überhaupt gesprochen werde, so Moser. Erweiterungen erlauben es, Aktivitäten für PV-Anlagen, Batteriespeicher und Kombinationen aus beidem zu filtern.
Innovationen aus SUPERNOVA
Lukas Koester von EUREC präsentierte technische Entwicklungen aus dem Projekt SUPERNOVA. Sie alle gehen von zwei Fragen aus: Was muss aus den früheren Phasen des Lebenszyklus einer Anlage bekannt sein, und was sollte an die späteren Phasen weitergegeben werden?
Um dem Datenmangel auf Ebene der einzelnen PV-Module zu begegnen, haben die Projektpartner intelligente Module entwickelt, die Spannung, Strom, Temperatur und Sonneneinstrahlung messen. Ein von Tecnalia entwickeltes Werkzeug zur Fehlererkennung unterscheidet zwischen Verschattung, Leistungsbegrenzung durch den Wechselrichter, temperaturbedingtem Leistungsverlust und tatsächlichem Verschleiß der Module.
Ein Inspektionsroboter, der auf Arbeiten des Projekts RoboEM aufbaut, ist mit mehreren Kameratypen ausgestattet und kann Solarparks prüfen, ohne dass die Anlage abgeschaltet werden muss. Er ergänzt die Inspektion durch Drohnen.
Um Planung und Betrieb zu verbinden, haben die SUPERNOVA-Partner eine einheitliche Schnittstelle entwickelt, die Anlagendaten aus Planungsprogrammen wie PVcase in Monitoring-Systeme wie Synaptiq von 3E und Solargate von above überträgt. Ein von SIDEA entwickelter Plattformverbund ermöglicht es bestehenden Systemen, miteinander zu kommunizieren, und vermeidet Datenverluste beim Wechsel des Monitoring-Anbieters.
Weichenstellung für die kommenden Jahrzehnte
Zum Abschluss betonte Thomas Garabetian von SolarPower Europe, dass die Branche derzeit einen entscheidenden Punkt beim Thema Qualität erreicht habe. Was heute entschieden werde, bestimme für Jahrzehnte, wie zuverlässig die Anlagen laufen und wie wirtschaftlich sie sind. Umso wichtiger sei es, in allen Bereichen auf bewährte Verfahren zu setzen. Hans-Christoph Neidlein
























































