Bauwerkintegrierte Photovoltaik (BIPV): Solares Bauen auf dem Weg zum neuen Normal

Das Zusammenspiel von Architektur und solarer Energieerzeugung findet zunehmend im Zukunftsfeld der bauwerkintegrierten Photovoltaik (BIPV) statt. Ihr Potenzial für die Energiewende hat eine Tagung in Stuttgart nun eindrucksvoll verdeutlicht.
22.07.2026 – Ein Haus planen, bauen und, ach ja, im letzten Schritt eine Photovoltaik-Anlage auf das Dach montieren? Diesem antiquierten Planungs-Weltbild sind die Teilnehmer der Fachtagung im Stuttgarter Haus der Architektinnen und Architekten längst enteilt. Schon im Jahr 2020 hatte sich Thomas Stark, Professor für Energieeffizientes Bauen an der Hochschule Konstanz HTWG und Moderator der Tagung, gemeinsam mit der Architektenkammer Baden-Württemberg, dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) und dem Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) zur Initiative für Bauwerkintegrierte PV-Anlagen Baden-Württemberg zusammengeschlossen.
Das damalige Ziel: Gefördert durch das Umweltministerium Baden-Württemberg sollte ein Gegenmittel gefunden werden gegen allgemeine Wissens- und Informationsdefizite, ineffiziente Planungsprozesse, unzureichende rechtliche Regelungen und limitierte Produktangebote.
Fazit Teil 1 nach der Tagung in Stuttgart
Es hat sich viel getan in den vergangenen fünf Jahren. So hat das Netzwerk eine Online-Plattform mit beachtlichem Informationsgehalt installiert, unter anderem mit einem Leitfaden über alle Planungsschritte hinweg und einer Galerie mit rund 100 BIPV-Projekten. Diese sind zwar überall in Deutschland und teilweise im Ausland angesiedelt (Schweiz, Kroatien, Niederlande). Dass sich die BIPV-Initiative in Baden-Württemberg gegründet und in anderen Bundesländern bislang keine Nachahmer gefunden hat, mit Ausnahme der Berliner Allianz BIPV, ist aber kein Zufall. Mehr als anderswo bereiten im Südwesten Bevölkerungsdichte, Wald- und Agrarflächen, Verkehr, Industrie und Tourismus potenziell den Boden für Nutzungskonflikte.

Fachtagung Bauwerkintegrierte Photovoltaik (BIPV) im Stuttgarter Haus der Architektinnen und Architekten. (Foto: Benedikt Brüne)
Bei der Bauwerkintegrierten Photovoltaik spielt dies keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Die Erzeugung direkt beim Verbraucher erspare zudem Teile des Netzausbaus, erklärte Dominik Bernauer, Abteilungsleiter Energiewirtschaft im Landesumweltministerium. Nicht zuletzt verbessern gebäudeintegrierte Solarmodule die Material‐ und Energieeffizienz am Bau, wenn sie Funktionen konventioneller Dach- und Fassadenbauteile übernehmen – ein weiterer Pluspunkt.
BIPV sei zunächst eine Frage der Baukultur, und sie hat im Rahmen der Energiewende „mit Abstand die höchsten Akzeptanzwerte in der Bevölkerung“, erklärte Thomas Stark. Aufbauend auf dem erarbeiteten Wissen und einer ersten Fachtagung im vergangenen Jahr werde sich die bauwerkintegrierte Photovoltaik nun Schritt für Schritt weiter etablieren. „Der Markt darf weiter wachsen, die BIPV soll das neue ‚normal‘ sein.“
Fazit Teil 2
Die Vorteile werden erkannt, Vertreter von öffentlicher Hand und Privatwirtschaft glänzten mit beachtlichen Projektvorstellungen: von der integrierten Dachanlage auf dem Stuttgarter Landtagsgebäude (Bauherr: Vermögen & Bau), der messingfarbenen PV-Fassade am Landratsamt Waiblingen (Planung: a+r Architekten) bis zu den rund 1.200 Solarglas-Modulen, die der Hersteller Sunovation (Obernburg, Unterfranken) für das Bürohochhaus Matchbox in Eschborn produziert hat, um nur drei Beispiele zu nennen.
Der Austausch über Modul-Farbvarianten, Elektroplanung und Montagesysteme machte allerdings auch deutlich: Im Austausch zwischen Bauherr, Architekt und Elektroplaner verhindert nur eine frühzeitige und umfassende Planung so manchen Umweg in der späteren Projektumsetzung. Die Stichworte Brandschutz und Schnittstellen – welches Gewerk muss wann in die Planung mit einbezogen werden? – fielen mehrfach in diesem Zusammenhang. Zudem greife eine singuläre Betrachtung der bauwerkintegrierten Photovoltaik potenziell zu kurz – Fragen wie Energiemanagement, Speicherung, Flexibilisierung müssten mitbetrachtet werden, sagte Frank Ensslen vom Fraunhofer ISE.
Ein weiteres Thema ist die fehlende Kostentransparenz. Die verschwindet häufig in den Gesamtkosten. So bieten Projekte mit bauwerkintegrierter Photovoltaik große Chancen, die Lernkurve ist aber noch nicht komplett vollzogen. Viele der beteiligten Akteure betreten häufig Neuland. „Das schafft erst einmal Unsicherheit“, resümierte Thomas Stark. „Durch diese Phase muss man durch. Die Erfahrung hilft, dann bekommt das Thema immer mehr Relevanz.“ Benedikt Brüne
Online-Leitfaden, Projekt-Galerie und Informationen zur Fachtagung: https://bipv-bw.de/





















































