Trend im Solarmarkt: Solarmodulpreise steigen weiter

Im vierten Monat in Folge sind die Modulpreise über alle Technologieklassen hinweg gestiegen. Zwar ist der Anstieg nicht mehr so rasant, wie noch Anfang des Jahres, aber er konnte auch noch nicht gestoppt werden.
27.04.2026 – Die Modulpreise steigen weiter. Im Durchschnitt kletterten die Preise von März zu April nochmals um 5,5 Prozent nach oben, wobei Full-Black-Module den größten Preissprung zu verzeichnen haben. Die Gründe dafür liegen nicht unbedingt auf der Hand, da auf der Produktionsseite eher gegenläufige Trends zu finden sind. Die Preise für Polysilizium beispielsweise befinden sich aufgrund einer schwachen weltweiten Nachfrage seit Wochen im Sinkflug. Auch die Streichung des bisherigen Exportsteuerrabatts durch die chinesische Regierung, die am 1. April dieses Jahres in Kraft trat, sollte seit Monaten eingepreist sein.
So muss man sich fragen, was die beinahe ungebremste Preissteigerung Monat für Monat auslöst und wie lange das Spiel noch so weitergehen wird. Makroökonomisch betrachtet ist es wohl die aktuelle Weltlage mit ihren andauernden Krisen, allen voran die aufkommende Energiekrise, die das Interesse an einer unabhängigen Energieversorgung und damit an Photovoltaikanlagen anheizt. Trotz der indifferenten bis kontraproduktiven Signale aus der Politik scheinen sich Bürger und Unternehmer nicht davon abhalten zu lassen, auf Solaranlagen und Energiespeicher zu setzen. Die Auftragsbücher vieler Installateure sind gut gefüllt, Investoren und Projektierer suchen immer neue Wege, Großanlagen auch ohne Förderung und mit drohendem Redispatch-Vorbehalt umzusetzen.
Keine Überproduktion mehr in China
Auf diese nicht zuletzt durch den Iran-Krieg ausgelöste positive Stimmung und wachsende Photovoltaik-Nachfrage trifft jetzt allerdings ein Versorgungsengpass, der durch Produktionskürzungen in China ausgelöst wurde. Die Devise lautete dort bereits Anfang 2026: kein selbstzerstörerischer Preiskampf mehr durch Überproduktion. So motteten viele Hersteller ihre älteren Produktionslinien freiwillig oder unfreiwillig ein, anstatt sie auf neueste Technik umzubauen. Man hört auch, dass viele verbliebene Linien auf Ein- oder Zweischicht-Betrieb heruntergefahren wurden oder ohnehin nur noch auftragsbezogen betrieben werden. Die Zeit, in der Photovoltaikmodule auf Verdacht nach Europa geliefert wurden und sich containerweise in Rotterdam stapelten, scheint endgültig vorbei zu sein.
Stattdessen kommen Module nur noch auf Bestellung beziehungsweise innerhalb der vertraglich abgesicherten Mengen in unseren Gefilden an. Dementsprechend lässt sich eine sprunghaft angestiegene Nachfrage auch nicht so einfach bedienen. Daraus resultieren längere Wartezeiten und – der freien Marktwirtschaft geschuldet – auch immer höhere Abgabepreise.
Da im Kleinanlagensektor mittlerweile aber fast ausschließlich rein schwarze Module der höchsten Leistungsklassen eingesetzt werden, ist dieser Bereich besonders von Mangelwirtschaft und Preissteigerungen betroffen. Jede bei uns Großhändlern im Lager eintreffende Lieferung mit entsprechender Ware wird uns wortwörtlich aus den Händen gerissen. Selbst Preiserhöhungen in laufenden Verträgen sind wieder gängige Praxis und müssen von den Playern innerhalb der Lieferkette akzeptiert werden, wollen sie nicht am Ende ohne Ware dastehen.
So weit, so gut … oder schlecht – wie auch immer man es sehen will. Die gesteigerte Nachfrage nach unabhängiger Energieversorgung trifft nun auf die Beharrlichkeit, besser gesagt Starrsinnigkeit, einer Wirtschaftsministerin in Deutschland, die nach wie vor die Erfolge der Erneuerbaren Energien kleinredet, den weiteren Ausbau bremsen und auf eine kontinuierliche Versorgung mit Öl und Gas setzen will, auch wenn die Preise für fossile Energieträger bei jeder neuen globalen Krise durch die Decke gehen. Und an kriegerischen Auseinandersetzungen, bei denen die Weltwirtschaft regelmäßig ins Chaos stürzt, mangelt es dieser Tage nicht. Eigentlich müsste auch der allerletzte Einfaltspinsel mittlerweile verstanden haben, dass ein Energiesystem basierend auf Kohle, Öl und Gas kein zukunftsfähiges Konzept sein kann.
Gastbeitrag von Martin Schachinger, Geschäftsführer Online-Handelsplattform pvXchange.com



















































Kommentare
Matthias Heveling vor 2 Wochen
Einfaltspinsel (wer genau?) oder nicht - die meisten Menschen in Deutschland wollen eine umweltfreundliche und möglichst heimische Versorgung mit Strom, unterbrechungsfrei und möglichst günstig. Das wäre mit erneuerbaren Energien weitgehend möglich, wenn mit Hilfe von Batterien der tagsüber erzeugte Strom aus Solarmodulen rund um die Uhr zur Verfügung stehen würde. Wenn Verbraucher ihre Nachfrage anpassen würden und Strom dann verbrauchen, wenn er reichlich und billig vorhanden ist. Wenn lokale Engpässe bei der Stromverteilung durch gezielten Netzausbau beseitigt würden.
Leider haben wir bisher weder Batteriespeicher in ausreichender Menge, noch SmartMeter in den Häusern der Verbraucher, noch ausreichend Leitungskapazitäten, etwa um große Mengen von Windstrom vom Norden in den Süden zu transportieren.
Mangels ausreichender Batteriespeicher beobachten wir am Strommarkt massiv negative Preise, wenn, wie am vergangenen Sonntag, hohe Solarerzeugung auf niedrige Nachfrage trifft; Produzenten müssen also wegen des Überangebots bezahlen, um Strom ins Netz zu liefern. Mangels SmartMeter kommt das Preissignal nicht bei den Verbrauchern an und viele laden ihr E-Auto nach Feierabend wenn Strom teuer ist und überwiegend aus fossilen Energieträgern erzeugt wird. Und mangels ausreichender Übertragungskapazitäten werden regelmäßig Windräder bei hohem Windaufkommen aus dem Wind gedreht, weil die vorhandenen Leitungen voll ausgelastet sind.
Aus meiner Sicht spricht viel dafür, dass die Versäumnisse der Vorgängerregierungen bei der Flexibilisierung unseres Stromsystems die wirklichen Bremsen eines weiteren Ausbaus von erneuerbaren Erzeugungskapazitäten sind. Können wir uns darauf einigen, dass ein engagiertes Eintreten für die Beseitigung dieser faktisch vorhandenen Engpässe jetzt und heute deutlich wichtiger ist für den Erfolg der Energiewende als ein ungebremster Ausbau von Solar- und Windkapazitäten?