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Dezentrale EnergiewendeSolarpaket II muss Integrations- und Speicherpaket werden

Blick von oben in grüne Landschaft mit Solarpark und dazwischen eine Autobahn
Solarenergie mit Landwirtschaft und Biodiversität und Bürgerbeteiligung kombinieren – das geht und läuft bereits hervorragend, bspw. im Solarpark bei Scheßlitz im oberfränkischen Landkreis Bamberg. (Foto: naturstrom AG /M. Ekic)

Der Ausbau der Solarenergie läuft, doch das reicht nicht aus, sagt der bne und legt ein Papier mit Maßnahmen für das Solarpaket II vor, darin rechtliche Anpassungen in den Bereichen Gebäude-Photovoltaik, PV-Freiflächenanlagen und Speicher.

24.05.2024 – Nach dem Paket ist vor dem Paket: Die Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes hat die Erneuerbaren-Branche grundsätzlich positiv bewertet, denn mit dem Solarpaket I geht der Ausbau von Solarenergie flott voran. Doch etliche Fragen bleiben noch offen und sollten jetzt zügig bearbeitet werden, um der dezentralen Energiewende nicht gleich wieder den Schwung zu nehmen. Umweltverbände mahnten die Umsetzung eines angekündigten Solarpaketes II noch in dieser Legislaturperiode an, in der es u.a klare Regeln zum gemeinsamen Produzieren und Verbrauchen von Erneuerbaren Energien gehen müsse.

Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) schlägt nun 33 Punkte für ein Solarpaket II vor, die maßgeblich der Systemsicherheit dienen, keine zusätzlichen Kosten im EEG verursachen und das EEG-Konto entlasten. Dazu müssten vor allem in den Bereichen von Photovoltaik-Freiflächenanlagen als auch der Gebäude-PV und dem Speichern von Strom aus Erneuerbaren Energien regulatorische Anpassungen von Seiten der Politik erfolgen.

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Stand der Digitalisierung lässt zu wünschen übrig

Der 15-Gigawatt-Ausbau bei der Photovoltaik im letzten Jahr ist ein großer Erfolg, konstatieren die Akteure. So positiv die Verstetigung dieses Ausbaus ist – so herausfordernd sei er für Märkte und das Netz, sagt der bne und hat ein Strategie-Papier entwickelt, um die Energiewende auf Kurs zu halten.
It´s the integration, stupid Der Bundesverband bringt es auf den Punkt: „Aktuell sind zu viele PV-Gebäudeanlagen für die Energiewirtschaft weder sichtbar, geschweige denn steuerbar. Diese Anlagen haben kaum ausreichend Anreize, sich markt- oder netzdienlich zu verhalten“, mahnt Robert Busch, Geschäftsführer des bne. Die neue Energiewirtschaft entwickle gute Lösungen, werde aber weiter durch den katastrophalen Stand der Digitalisierung ausgebremst.

Obwohl die Anlagenbetreiber seit Jahren Steuerungstechnik entsprechend der Netzbetreibervorgaben verbauen, wären diese trotzdem nicht in der Lage, die Anlagen sicher anzubinden. „Um Defizite bei der Prozesskompetenz vieler Netzbetreiber auszugleichen, sollen Prosumer-PV-Anlagen in einen Marktbetrieb gehen, Signale aus dem Strommarkt erhalten und steuerbar werden. Dies ist nicht nur wegen neuer Geschäftsmodelle sinnvoll, sondern ist wegen der Systemsicherheit geboten“, meint Busch. Zusätzlich könne mit Energy-Sharing ein Betriebssystem für die lokale Optimierung von Erzeugung und Verbrauch geschaffen werden. Dies müsste sauber in der Marktkommunikation abgebildet werden, empfiehlt der bne für das Solarpaket II.

Bei PV-Freiflächenanlagen könne und müsste die Flächenkonkurrenzfrage zwischen der Energiewirtschaft und der Landwirtschaft gelöst werden. Landwirten sollte es erlaubt werden, in Solarparks „Artenvielfalt zu produzieren“. Dies solle rechtlich eine hauptsächlich landwirtschaftliche Nutzung darstellen. Damit würden sich viele Fragen im Landwirtschafts- und Steuerrecht lösen, so der bne. Der Vorschlag wäre zudem kompatibel mit PPA-Anlagen, die dadurch sowohl artenreicher werden als auch günstigen Strom liefern. Auch bei Anschlussleitungen gibt es Handlungsbedarf. Eine für beide Seiten faire Nutzungsregelung von landwirtschaftlichen Grundstücken für Anschlussleitungen ist weiterhin nötig. Die Regelungen aus dem Solarpaket I sind gut gemeint, laufen aber ins Leere, warnt der Bundesverband.

Erneuerbar erzeugen und speichern

Nicht zuletzt benötige die Energiewirtschaft jetzt den massiven Energiespeicher-Ausbau, um die Integration hinzubekommen. Dass dies möglich ist und es dafür passende Lösungen gibt war akatuell auf der Messe The Smarter E Europe 2024 zu sehen, die am vergangenen Freitag in München zu Ende ging. Viele Aussteller hatten sich dem Thema Batteriespeicher gewidmet.

„Technisch sind Batteriespeicher bereits heute günstig in allen Größenklassen marktverfügbar und die Preise fallen weiter. Probleme sind Investitionssicherheit und veraltete Regelungen“, meint Busch. Neben klaren Regelungen zum Baukostenzuschuss und den Netzentgelten sollte es grundsätzlich möglich werden, Speicher in Co-Location an PV-Anlagen ohne erheblichen Aufwand zu integrieren. Auch das Retrofitting von Bestandsanlagen mit Speichern sollte im Solarpaket II vereinfacht werden. na

Alle Punkte für den Vorschlag zur Gestaltung des Solarpaket II finden sich im neuen Papier des bne.

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