Energiesystemanalyse: Europa könnte viel Geld sparen mit koordinierter Netzplanung

Konsequent europäisch und intersektoral geplant, könnte der Ausbau der Energiesysteme sehr viel weniger Geld kosten, als wenn national und in Silos geplant und gebaut wird. Eine Analyse spricht von über 560 Milliarden Euro Einsparungspotenzial.
21.11.2025 – Europäische Länder können die Kosten des Energiesystems zwischen 2030 und 2050 um über 560 Milliarden Euro senken, indem sie Infrastrukturplanungen integrieren und damit Investitionen optimieren. Rechnet man die Einsparungen durch vermiedene Reservekraftwerke hinzu, steigt die Zahl auf 750 Milliarden Euro. Nicht nur die Investitionen würden dorthin gelenkt, wo sie den größten Nutzen bringen, sondern gleichzeitig würde ein resilientes Energiesystem geschaffen.
505 Gigawatt weniger Reservekapazität
Die Ergebnisse einer Energiesystemanalyse zeigen, dass die installierten Kapazitäten der Energieversorgung und von Sektorkopplungstechnologien reduziert werden können. Ein integriertes Szenario würde 505 Gigawatt weniger Reservekapazität, 15 Prozent weniger Onshore-Windkapazität und 9 Prozent weniger Wasserstoffelektrolysekapazität erfordern als ein stärker national ausgerichteter, sektoraler Ansatz. Alle Szenarien zeigen eine Beschleunigung des Ausbaus Erneuerbarer Energien, die zunehmend den Einsatz fossiler Brennstoffe ersetzen.
Die Studie geht bei der Höhe der künftigen Energienachfrage von konservativen Annahmen aus, um belastbare Aussagen zum Infrastrukturbedarf zu ermöglichen. Das Modell identifiziert Lösungen für Strom-, Wasserstoff-, Gas- und CO₂-Infrastrukturen auf Übertragungsebene innerhalb der Szenariooptimierungen. Die Ergebnisse zeigen, dass Investitionen in das Stromnetz in allen Szenarien durchgängig Priorität haben.
Ganzheitlicher Modellierungsansatz
Die Analyse basiert auf einer umfassenden Energiesystemmodellierung durch das Fraunhofer IEG, Fraunhofer ISI, dem Beratungsunternehmen d-fine und weiteren Partnern. Sie gibt Empfehlungen für eine robustere Infrastrukturplanung auf dem Weg zur Klimaneutralität – im Vorfeld der Veröffentlichung des „Grids Package“ der Europäischen Kommission.
Das Modell verfolgt einen neuartigen Ansatz. Es integriert mehrere Energieträger und geografische Ebenen in einer ganzheitlichen Optimierung und zeigt sektorübergreifende Synergien und Effizienzen auf, die in den heute üblichen, fragmentierten Planungsmethoden oft übersehen werden.
Die Modellierung untersucht vier Szenarien entlang zweier Dimensionen: sektorübergreifend vs. sektoral sowie europäische Optimierung vs. stärkerer nationale Ausrichtung. Paula Hartnagel, Mitautorin und Modellierungsexpertin von d-fine, unterstreicht: „Die Kombination dieser Dimensionen ermöglicht eine Bewertung der System- und Kosteneffekte durch Integration der Energieinfrastrukturen. Anders als Modelle, die Geografien oder Sektoren nebeneinander betrachten, optimiert das Modell Energieversorgung, Speicher und Übertragungsnetze über diese Dimensionen hinweg, um Lösungen zu identifizieren, die sonst unentdeckt blieben.“ pf















































