Flexibles StromsystemFinnlands Beispiel für bezahlbaren und sauberen Strom

Hochspannungsleitung Stromnetz durch eine Waldschneise
Stabil und auf einen hohen Verbrauch ausgelegt: Finnische Netzbetreiber investieren in Automatisierung, Fehlererkennung und Laststeuerung. (Foto: Fingrid Oyj / über Business Finland)

Was in Deutschland erst anläuft, macht Finnland schon lange vor - wie dynamische Tarife und digitale Technologien es ermöglichen, kostengünstigen und sauberen Strom zu beziehen. Der finnische Strom ist zu 95 Prozent CO2-neutral und das Netz stabil.

12.09.2025 – Seit dem 1. Januar müssen große deutsche Energieversorger dynamische Tarife anbieten. Wer den eigenen Stromverbrauch an die Preisschwankungen anpasst, spart langfristig nicht nur Kosten, sondern trägt auch zur Emissionsreduktion bei. Die Voraussetzung dafür sind intelligente Zähler, die den Verbrauch in Echtzeit messen und übermitteln: Eine Technologie, die in Deutschland noch recht wenig verbreitet, in Finnland aber längst flächendeckend installiert ist, berichtetBusiness Finland.Intelligente Messsysteme, Smart Meter und dynamische Tarife ermöglichten hier börsenpreisorientierte Stromkosten.

„Dynamische Stromtarife tragen zur Stabilisierung des Energienetzes bei, denn sie bringen Angebot und Nachfrage in Einklang. Strom ist am günstigsten, wenn die Verfügbarkeit hoch ist. Wenn Haushalte ihren Verbrauch in diese Phasen verlagern, können Erneuerbare Energien effizient genutzt werden, und die Abhängigkeit von fossilen Reserven sinkt“, sagt Jussi Åkerberg, Head of Flexible Energy Systems Program bei Business Finland. Finnische Verbraucher können demnach zwischen verschiedenen Stromverträgen wählen – darunter Festpreis-, Ökostrom- oder börsenpreisgebundene Modelle.

Smart Meter: In Deutschland noch nicht weit verbreitet

Deutsche Energieversorger mit mehr als 100.000 Kunden sind nun verpflichtet, dynamische Stromtarife anzubieten – sofern die Haushalte mit intelligenten Zählern ausgestattet sind. Das waren laut Bundesnetzagentur Ende 2024 gerade einmal zwei Prozent der deutschen Haushalte. Verpflichtend ist der Einbau von Smart Meter ab einem jährlichen Stromverbrauch von 6.000 Kilowattstunden (kWh)

Seit diesem Jahr können auch Haushalte mit geringerem Verbrauch den Einbau beim Messstellenbetreiber beantragen – dies ist der Mehrheit der Deutschen laut einer forsa-Umfrage jedoch nicht bewusst. Zwar befürwortete mehr als die Hälfte der befragten Haushalte grundsätzlich den Einbau – allerdings unter der Annahme, dass die jährlichen Betriebskosten bei 20 Euro liegen. Die Preisobergrenze für Haushalte mit einem jährlichen Verbrauch von 6.000 bis 10.000 kWh wurde jedoch inzwischen auf 40 Euro angehoben, und die Grenze für die einmaligen Kosten des freiwilligen Einbaus stieg von 30 Euro auf 100 Euro.

Mehr zum Thema

Luftaufnahme eines im Bau befindlichen Solarparks auf freiem Feld. Reihen von bereits installierten Solarmodulen wechseln sich mit offenen Flächen ab, auf denen weitere Module montiert werden sollen. Baustellenfahrzeuge und Materiallager sind auf den Wegen zwischen den Modulreihen sichtbar. Im Hintergrund erstreckt sich eine ländliche Landschaft mit Feldern, Bäumen und einem Dorf.
Solarenergie und Strommarkt

Positive Rekorde führen zu negativen Preisen

Für den Klimaschutz ist es eine gute Nachricht: Im Juni war die Solarenergie erstmals wichtigster Stromlieferant in Europa. Doch das führt in vielen Ländern zu mehr Stunden mit negativen Preisen. Ein EU-Staat arbeitet besonders gut dagegen an.

Finnen sind preissensibel bei den Stromkosten

In Finnland sind die intelligenten Messysteme hingegen etabliert: Das EU-Ziel aus dem Jahr 2009, bis 2020 80 Prozent der Haushalte mit Smart Meter auszustatten, erreichte das nordische Land bereits 2013. Inzwischen sind rund 99 Prozent der finnischen Haushalte mit der Technologie ausgestattet, berichtet Business Finland.

Entsprechend gängig seien in Finnland dynamische Stromtarife: Obwohl diese erst ab 200.000 Kunden verpflichtend sind, bieten alle rund 50 Energieversorger börsenorientierte Preise an. „Insbesondere seit der Energiekrise, die 2022 aufgrund des Krieges in der Ukraine entfachte, ist die finnische Bevölkerung preissensibel, was die Stromkosten angeht“, sagt Åkerberg. Dies gehe auch mit einem an die Preisschwankungen angepassten Verbrauchsverhalten einher. In Finnland bleiben die Stromkosten trotz eines vergleichsweise hohen Verbrauchs gering: Während der Kilowattstundenpreis in Deutschland 2024 bei 40 Cent lag, zahlten finnische Verbraucher nur etwa 25 Cent. Gleichzeitig sei der finnische Strom sauber: 2024 stammten 56 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen, und 95 Prozent waren CO2-neutral.

Mehr zum Thema

Server in einem Rechenzentrum
KI und Klimaschutz

Finnland macht Abwärme zur Ressource

Rechenzentren verbrauchen Unmengen Strom, Tendenz steil steigend. Finnland wirbt damit, keine Ressourcen zu verschwenden und industrielle Abwärme konsequent zu nutzen. Smarte Netze und innovative Speicherlösungen sind dafür die Basis.

Finnlands stabiles Stromnetz: Smart Grid-Technologien

Durch die Anpassung des Verbrauchs an die Verfügbarkeit erhöhe sich der Anteil sauberen Stroms im Energiemix: Werden energieintensive Aktivitäten wie das Laden von Elektrofahrzeugen oder das Nutzen von Waschmaschinen aufgrund der niedrigeren Preise in Zeiten hoher Stromverfügbarkeit gelegt, etwa bei starkem Wind oder Sonnenschein, sinkt der Bedarf an fossilen Reservekraftwerken. Das finnische Stromnetz ist präzise darauf ausgelegt, erläutert Business Finland: Die Netzwerkplanung und die räumliche Verteilung variabler Stromerzeugung berücksichtigten bereits mögliche Engpässe, so dass das System die vorhandene Netzkapazität bestmöglich nutze. Auch zukünftige Bedarfe würden dabei eingeplant. Smart Grid-Technologien ermöglichten eine flexible und bedarfsorientierte Steuerung des Stromflusses in Echtzeit. „Ziel dahinter ist es, die Energieversorgung sicherzustellen und gleichzeitig Kosten sowie CO2-Emissionen zu senken – und die Erzeugung Erneuerbarer Energien zu steigern“, sagt Åkerberg.

Das finnische Stromnetz sei stabil und auf einen hohen Verbrauch und entsprechende Erzeugungskapazitäten ausgelegt. Regionale Netzbetreiber investieren laut Bericht gezielt in Automatisierung, Fehlererkennung und Laststeuerung. Der nationale Netzbetreiber Fingrid betreibt zudem ein zentrales Informationsaustauschsystem, Datahub, das die Daten von 3,8 Millionen Energieverbrauchspunkten bündelt, berichtet Business Finland weiter. Rund 80 Stromversorger und ebenso viele Verteilnetzbetreiber nutzten das System, um Informationen zu Stromabnahmestellen, -verbrauch und -verträgen sicher und in Echtzeit auszutauschen. So verbessere sich der Kundenservice der Stromanbieter für die Endverbraucher, da alle beteiligten Dienstleister auf dieselbe Plattform zurückgreifen. Das System erleichtere demnach die Konsolidierung mehrerer Abrechnungsstellen unter einem einzigen Stromvertrag.

Die finnische Energiebehörde, Energiavirasto, fördert gezielt den Ausbau intelligenter Stromnetze: Netzbetreiber unterliegen Berichtspflichten und Anforderungen zur Bereitstellung von offenen Netzdaten, um Transparenz und Innovation zu fördern. Dies geschieht in Einklang mit der EU-Richtlinie 2019/944, die Mitgliedsstaaten verpflichtet, den Ausbau von Smart Grids voranzutreiben. „In Finnland hat es sich etabliert, den Stromverbrauch an den Börsenpreisen zu orientieren und in Zeiten hoher Verfügbarkeit zu verlagern. Reduzierte Kosten für die Endverbraucher gehen so mit gesenkten Emissionen Hand in Hand“, so Åkerberg. na

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen