Sachsen-Anhalt: Fragezeichen hinter immensen Lithiumvorkommen

In der Altmark in Sachsen-Anhalt soll sich eines der größten Lithiumvorkommen weltweit befinden, das auf nachhaltige Weise gefördert werden soll. Doch Fragen bleiben offen. Eine stärkere Beteiligung der Bürger wird angemahnt.
03.10.2025 – 43 Millionen Tonnen Lithiumkarbonatäquivalent sollen sich unter der Altmark im nördlichen Sachsen-Anhalt befinden. Dies teilte vor einigen Tagen das für die Probebohrungen zuständige Unternehmen Neptune Energy mit und beruft sich auf ein externes Gutachten. Es wäre eines der größten entdeckten Lithium-Vorkommen weltweit.
Doch dabei handelt es sich erst einmal um die vorkommenden Ressourcen, nicht um das geologisch und wirtschaftlich mögliche Potenzial des Abbauvolumens, wie auch Michael Schmidt von der Deutschen Rohstoffagentur gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk differenzierte. Weltweit gebe es rund 114 Millionen Tonnen gesicherte Reserven und knapp 500 Millionen Tonnen Ressourcen. Lithium sei nicht selten und Deutschland und Europa hätten Potenzial, wie auch Vorkommen im Oberrheingraben und im Erzgebirge zeigen.
Rohstoff der Energiewende
Lithium ist ein gefragter Rohstoff und wird in großen Mengen für Elektroteile wie Smartphones und Laptops gebraucht. Zudem ist es ein elementarer Rohstoff der Energiewende. Für die Herstellung der Motoren der E-Autos – der Batterien – braucht es pro Einheit zwischen sechs und 16 Kilogramm Lithium, je nach Größe und Leistung der Autos.
Für große Batteriespeicher, die etwa an Wind- und Solarparks angeschlossen sind, um Überschüsse an Ökostrom zu speichern und bei Bedarf wieder abzugeben, braucht es für die Batterien in einem Container schon 100 Kilogramm Lithium oder mehr. Die Anzahl aller bis Ende 2024 installierten Batteriespeicher in Deutschland betrug laut Bundesnetzagentur 1,8 Millionen mit einer Kapazität von rund 19 Gigawattstunden. Dafür brauchte es rund 3.000 Tonnen reines Lithium.
Doch wie wird Lithium abgebaut? Vor allem in Südamerika ist das Lithium in salzhaltigen Grundwasser-Reservoirs – sogenannten Solen – gebunden. Aus Bohrungen wird das Wasser nach oben gepumpt und dort in flachen Verdunstungsbecken verteilt. Über Monate verdunstet das Wasser und zurück bleibt konzentrierte Lithium-Sole, aus der mithilfe chemischer Verfahren Lithium-Carbonat erzeugt wird.
In den Abbaugebieten in Kanada und Australien steckt das Lithium dagegen in den Mineralien der unter der Erde liegenden Gesteinsschichten. Das Gestein wird klassisch abgebaut, zerkleinert und konzentriert. Mithilfe chemischer Verfahren wird daraus das Lithium gelöst. Ein sehr energieintensives Verfahren, bei dem viel CO2 ausgestoßen wird. Die Verfahren in Südamerika haben indes einen immensen Wasserverbrauch zur Folge. Auch können bei beiden Verfahren Chemikalien in die Umwelt gelangen.
Anders will es Neptune Energy in der Altmark machen. Dort soll Lithium aus Tiefengewässern gewonnen werden. Dafür wird das Wasser nach oben gepumpt, anschließend aber nicht – wie in Südamerika – in Verdunstungsbecken überführt, sondern, das Lithium in einem chemischen Verfahren direkt aus dem Wasser gewonnen, welches anschließend wieder zurück in die Erde gepumpt wird. Dabei sollen keine Rückstände entstehen. Auch könnte – wie etwa bei einem Projekt im Oberrheingraben angedacht – das Verfahren in Verbindung mit der Wärmegewinnung aus Geothermie fungieren.
Rohstoffexperte Michael Reckordt, von der Umweltorganisation Power Shift, begrüßt diese Art der Gewinnung und warnt dennoch vor grundsätzlichen Risiken, die solch ein Projekt bergen kann. „Wenn Tiefenbohrungen nicht sachgemäß durchgeführt werden, kann es zu Verunreinigungen des Trinkwassers kommen.“ Auch Reckordt zeigt sich gegenüber der energiezukunft skeptisch, was die hohe Zahl an Lithiumvorkommen angeht. Viele Unternehmen würden überhöhte Zahlen angeben, um Finanzierungen für ein solches Projekt zu erhalten.
Der Rohstoffexperte-Experte mahnt zudem eine Beteiligung der lokalen Bevölkerung an: „Welche Kosten-Nutzen-Risiken hat die lokale Bevölkerung und wird sie angemessen beteiligt, auch an möglichen Gewinnen? Das sind Fragen, die bei einem solchen Projekt zentral seien sollten. Das deutsche Bergrecht aber ist vollkommen veraltet, auch und gerade was die Partizipation angeht. Eine Reform des Bergrechts ist dringend geboten. Andere Länder wie Mexiko sind hier deutlich weiter und haben bereits Beteiligungsformate etabliert.“
Bald Batterien aus Salz?
Noch bestimmen Lithium-Ionen-Batterien den Markt. Der chinesische Akkuhersteller CATL kündigte jedoch kürzlich an, ab 2026 einen neuen Akku-Typ für die breite Masse verfügbar zu machen. Es geht um Natrium-Ionen-Batterien, die statt Lithium herkömmliches Salz nutzen und die gleiche Energiedichte, wie aktuelle Lithium-Ionen-Batterien aufweisen. Salz ist überall auf der Welt in riesigen Mengen verfügbar und wird auch in Deutschland in aktuell sieben Bergwerken abgebaut.
Zugleich schreitet die Forschung an sogenannten Festkörperbatterien voran, die, gemessen an ihrer Größe, eine weitaus größere Energiedichte aufweisen. Das könnte den Markt für E-Autos revolutionieren und die Reichweiten erheblich steigern. Erste Pilotserien könnten ab 2027 auf den Markt kommen. Bis zur Massenmarktreife wird es aber wohl noch dauern. Nachteil: die Festkörperbatterien basieren ebenfalls auf Lithium und könnten pro Kilowattstunde Energie deutlich mehr Lithium benötigen. mg




















































