Netzkosten und NetzausbauGroßbatterien mindern Redispatch-Kosten

Luftaufnahme mehrere Reihen von weißen Containern, die als Batteriespeicher dienen
Großspeicher können helfen, den Netzausausbau geringer zu dimensionieren und Redispatch-Kosten zu reduzieren. Allerdings braucht der Markt dafür andere Regeln. (Foto: Eco Stor GmbH)

Die Annahme, Großbatterien lassen Netzkosten steigen, wird in einer Studie widerlegt. Schon heute vermindern sie Redispatch-Kosten. Doch diese Entlastung geschieht zufällig, da es keine regionalen Preise gibt. Wäre das anders, wäre der Effekt größer.

05.09.2025 – Der Begriff der Netzdienlichkeit kann unterschiedlich interpretiert werden. In der jetzt vorgestellten Studie gingen die Analysten von der Annahme aus: Netzdienlich ist, was Netzkosten reduziert. In diesem Zusammenhang berechnet die Studie das Verhalten von zwei Großbatterien – in Schleswig-Holstein und in Bayern – auf das Stromnetz, separat für jede Viertelstunde des Jahres. Dabei vergleichen sie für jede Viertelstunde den Batteriebetrieb (Laden, Entladen, Stillstand) mit dem regionalen Bedarf an steuernden Maßnahmen seitens der Netzbetreiber, genannt Redispatch (positiv, negativ, keiner).

Die Studie wurde von Lion Hirth und sein Team von Neon im Auftrag vom Speicheranlagenentwickler Eco Stor erstellt.

Das überraschende Ergebnis: Großbatterien mindern die Netzkosten bereits heute. Nach den
Berechnungen sparen sich die Netzbetreiber Redispatch-Kosten in Höhe von drei bis sechs Euro im Jahr für jedes Kilowatt an Batterieleistung. Die Berechnungen zeigen, dass eine Großbatterie das Netz etwa gleich häufig entlastet und belastet – jeweils in rund 20 Prozent der Viertelstunden.

Entlastung geschieht eher zufällig

Übers Jahr gesehen reduziert die Batterie die Kosten für Redispatch, auch wenn der Beitrag gering ist. In der restlichen Zeit steht die Batterie entweder still oder das Netz ist engpassfrei. „Großbatterien sind also in diesem Sinne keinesfalls grundsätzlich als belastend für das Netz einzustufen, auch wenn dies in der energiepolitischen Debatte manchmal suggeriert wird“, fasst Lion Hirth dieses Ergebnis zusammen.

Allerdings geschieht diese Netzentlastung rein zufällig. Denn im deutschen Strommarktdesign gibt es keine regionalen Preise. Batterien richten sich deswegen wie alle anderen Anlagen nach dem einheitlichen deutschen Preissignal auf Großhandels- und Regelenergiemärkten. Netzengpässe sind für sie unsichtbar.

Anreize für Netzdienlichkeit setzen

„Wir wollen ja das Beste aus Batterien herausholen, denn schließlich sind sie für unsere Energiezukunft nach unserer Auffassung unerlässlich“, beschreibt Georg Gallmetzer, Geschäftsführer von Eco Stor und Auftraggeber der Studie, seine Perspektive. „Doch dafür bedarf es netzdienlicher Anreize. Wenn wir dies hinbekommen, würden alle Beteiligten davon profitieren können – die Speicherbetreiber, die Netzbetreiber, Verbraucher und die Wirtschaft.“

Die Studie untersucht drei regulatorische Ansätze zur Stärkung der Netzdienlichkeit. Am besten schneidet dabei ein Preissignal ab, das für jede Viertelstunde die Netzsituation widerspiegelt. Ein dynamisches Redispatch-Preissignal schafft demnach sowohl den größten Netz-Mehrwert als auch die geringsten Einbußen beim Markt-Mehrwert.

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Die beiden anderen regulatorischen Alternativen, die betrachtet wurden, waren: ein statisches Netzentgelt, also ein Arbeitspreis bei Entnahme aus dem Netz in Verbindung mit einem fixen jährlichen Leistungspreis und als zweites eine dynamische Leitplanke – ein Verbot von netzbelastendem Betrieb. Das statische Netzentgelt schafft zwar Erlöse bei Netzbetreibern, macht die Batterie jedoch wenigernetzdienlich, weil es die Redispatch-Kosten erhöht. Außerdem schränkt es die Wertschöpfung der Batterie auf dem Strommarkt deutlich ein. Eine dynamische Leitplanke stärkt zwar die Netzdienlichkeit der Batterie, richtet jedoch noch größere Kollateralschäden beim Marktbetrieb an.

Die Studie ist online auf der Webseite von Neon Neue Energieökonomik verfügbar. pf

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