Flexibles Stromsystem: Kritik an Speicher-Lücke im Versorgungssicherheitsbericht

Die Bundesnetzagentur betont die Bedeutung eines schnellen Ausbaus der Solar- und Windenergie für die Versorgungssicherheit. Doch die Potenziale von Batteriespeichern werden im Bericht nicht hinreichend berücksichtigt, kritisiert die Solarbranche.
10.09.2025 – Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) begrüßt zwar, dass der jüngst veröffentlichte Versorgungssicherheitsbericht der Bundesnetzagentur (BNetzA) klar die Bedeutung eines schnellen Ausbaus der Solar- und Windenergie für das Erreichen der Klimaziele und auch für die Versorgungssicherheit unterstreicht. Die Interessenvereinigung der Solar- und Batteriespeicherbranche bemängelt jedoch, dass in dem Bericht die Potenziale von Batteriespeichern für die Versorgungssicherheit nicht hinreichend berücksichtigt wurden und fordert daher seine Überarbeitung. Andernfalls würden teure politische Fehlentscheidungen zur Errichtung fossiler Gaskraftwerke riskiert und die Klimaziele gefährdet.
Die Bundesnetzagentur kalkuliert bis 2035 mit einem zusätzlichen Bedarf an steuerbarer Kraftwerksleistung in Höhe von 22,4 Gigawatt, um die Versorgungssicherheit am Strommarkt zu gewährleisten.
In der BNetzA-Pressemitteilung zur Vorstellung des Monitoringberichts zur Versorgungssicherheit heißt es zwar: „Speicher werden eine immer wichtigere Funktion einnehmen. Schon heute können sich besonders Batteriespeicher im Strommarkt refinanzieren, wie die aktuelle Ausbaudynamik beweist. In bestimmten Marktsituationen können Speicher den Bedarf an zusätzlichen Kraftwerkskapazitäten reduzieren.“ Die Bundesnetzagentur habe in ihrem aktuellen Versorgungssicherheitsbericht die Potenziale von Batteriegroßspeichern unzureichend und an der realen Entwicklung vorbei modelliert – und damit eine zentrale Realität der Energiewende ausgeblendet, so die Kritik des BSW-Solar. Die Autoren des Versorgungssicherheitsberichts hätten dies in der Zusammenfassung sogar bestätigt.
„Während Netzbetreiber bereits heute Zusagen für viele Gigawatt an Speicherkapazitäten erteilt haben und bundesweit Anschlussanfragen in dreistelliger Gigawatt-Höhe vorliegen, bleibt der Bericht bei den Zahlen von gestern stehen und geht sogar realitätsfern von einem Rückbau stationärer Batteriespeicher aus“, kommentiert der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft Carsten Körnig den Bericht. „ Ein Versorgungssicherheitsbericht, der die Großspeicher systematisch unterschlägt, liefert kein tragfähiges Fundament für politische Entscheidungen über Kraftwerkszubau oder Kapazitätsmärkte.“
Überarbeitung und klarer Fahrplan gefordert
Der Verband fordert eine Überarbeitung des Versorgungssicherheitsberichts unter Einbeziehung realer Speicherentwicklungen und aktueller Netzzusagen. Notwendig sei eine transparente Methodik, die Batteriespeicher, Flexibilitäten und andere innovative Technologien gleichberechtigt berücksichtigt. Notwendig sei auch ein „klarer Fahrplan, wie Speicher systematisch in die Versorgungssicherheitsanalysen integriert werden, um Vertrauen in die energiepolitischen Weichenstellungen zu schaffen. Nur wenn die Speicher realistisch modelliert werden, können belastbare Aussagen über den künftigen Bedarf an Kraftwerken und Versorgungssicherheit getroffen werden“, so Körnig.
Von der Bundesregierung fordert der Bundesverband Solarwirtschaft, Marktbarrieren für den Speicher-Ausbau nunmehr zügig abzubauen, wie es auch im Koalitionsvertrag vereinbart wurde.
Weitere kritische Stimmen und Verbesserungsvorschläge von Verbänden
bne-Geschäftsführer Robert Busch übte ähnliche Kritik wie der BSW Solar. Weil nach eigenem Bekunden der massive Aufwuchs der Speicher nicht ausreichend in die Modelle eingeflossen ist, habe das Modellierungsergebnis der BNetzA einen offensichtlichen Schwachpunkt, der nur beschränkte Aussagen hinsichtlich Versorgungssicherheitsrisiken zulässt.
„Wenn es eines Beweises benötigt hätte, dass die Verteilnetzbetreiber mit ihrer mangelnden Performance bei Digitalisierung und Smart-Meter-Rollout die Versorgungssicherheit gefährden, dann hat die BNetzA diesen nun schwarz auf weiß geliefert“, kommentierte Busch. Denn der Blindflug in den Verteilnetzen sei ein wachsendes Risiko. „Viele Verteilnetzbetreiber wissen weder, wie hoch die tatsächliche Einspeisung, noch wie hoch der Verbrauch in ihren Netzen tatsächlich ist.Dadurch werden Probleme nicht oder zu spät erkannt. Flexibilitätsressourcen wie Batteriespeicher würden gebremst oder limitiert, weil es schlicht an Daten fehlt. Im Ergebnis verhindere der Digitalisierungsrückstand, dass die technisch längst möglichen ultraschnellen Reaktionszeiten von Speichern und Flexibilitäten auch tatsächlich in den Netzbetrieb integriert werden können.
Auch BEE-Präsidentin Simone Peter mahnt dringend Korrekturen bei der Modellierung von Bioenergie- und Speicherpotenzialen an. Der Bericht formuliere klar, „dass das Ausschöpfen aller Flexibilitätspotenziale für die Versorgungssicherheit essenziell ist. Die reine Fokussierung auf Gaskraftwerke ist damit vom Tisch. Allerdings werden die enormen Potenziale von Speichertechnologien und steuerbaren Erneuerbaren weiterhin unterschätzt. Das stellt ein Versäumnis dar und muss behoben werden.”
Der BDEW sieht hingegen die dringende Notwendigkeit des Zubaus von Gaskraftwerken von der Bundesnetzagentur bestätigt. Allerdings sieht er neben wasserstofffähigen Gaskraftwerken weitere steuerbare Kraftwerksoptionen: Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen sowie für begrenzte Zeiträume von Stunden bis einigen Tagen Pumpspeicherwerke und Batteriespeicher.
Der VKU argumentiert ähnlich wie der BDEW. So wichtig der weitere Hochlauf der Erneuerbaren und von Speichern ist, so akut sei der Handlungsbedarf beim Bau von Gaskraftwerken und KWK-Anlagen, die bei sogenannten Dunkelflauten flexibel einspringen können. Der Verband sieht sogar noch einen höheren Zubau von Gaskraftwerken als notwendig, falls keine Flexibilitäten aktiviert werden könnten. na
























































