Energieversorgung und Sicherheit: Kritische Infrastruktur mit Geointelligenz schützen

Urbane Versorgungsnetze rücken vermehrt ins Visier destabilisierender Kräfte. Das Unternehmen Green Bridge entwickelte eine KI-basierte Technologie, die lokale Gefährdungspotenziale anhand algorithmischer Gewichtung relevanter Parameter aufzeigt.
19.01.2026 – Stromnetze gehören zur kritischen Infrastruktur und sind vermehrt Sabotage-Ziele. Werden wichtige Verteilerstationen zerstört, leiden nicht nur Privathaushalte und Unternehmen, sondern auch Krankenhäuser, Schulen oder Pflegeheime. Das zeigten zuletzt die Anschläge auf wichtige Stromtrassen im Berliner Süden.
Das Berliner Netz ist schlecht geschützt – es ist kein modernes Infrastrukturnetz. Die Energieversorgung ist zentral und hierarchisch angelegt. Sabotageakte an bedeutenden Verteilerstationen oder Trassen betreffen daher gleich hunderttausende Menschen und zahlreiche Institutionen gleichzeitig. Das Netzsystem passt nicht mehr in eine dezentrale und zunehmend flexibilisierte Energiewelt mit vielen verschiedenen Stromlieferanten von Solardächern oder ganzen Quartieren. Mit einem flexiblen und modularen Netzsystem könnten lokale Erzeuger einspringen und lokal versorgen – das brächte mehr Sicherheit und hätte in Berlin zumindest zu relevanter Schadensbegrenzung geführt. Die Technologien sind längst vorhanden, digitale Messsysteme und intelligente Steuerungen – doch die Politik gibt kein grünes Licht, um die regulatorischen Anreize an die neuen Bedürfnisse anzupassen.
Technologie Rasterbasiertes Clustering mit räumlich-zeitlicher Dimension soll Resilienz stärken
Um Schadensbegrenzung im Falle eines Stromausfalls geht es auch dem Tech-Experten Prof. Roman Brylka mit seiner neuen Technologie. „Um die Widerstandsfähigkeit einer Stadt wie Berlin systematisch zu stärken, braucht es eine neue Form der geobasierten Intelligenz“, meint Brylka. Sein Unternehmen The Green Bridge entwickelte eine Technologie zur KI-gestützten Verarbeitung von Geodaten. Dynamisches Geo-Clustering auf Basis eines hochauflösenden europäischen Referenzrasters erlaubt es, Orte feingliedrig zu analysieren, präzise zu schützen und im Ernstfall schnell zu handeln.
Neuralgische Punkte erkennen
Raumbezogene Clusterverfahren identifizieren jene Orte, an denen sich kritische Infrastrukturen wie Stromtrassen, Wasserleitungen und Mobilfunkknoten mit gesellschaftlich sensiblen Einrichtungen überschneiden. Ähnlich einem Schachbrett zeige ein einheitliches Raster mit einer räumlichen Tiefe von bis zu einem Meter ein präzises digitales Abbild der Stadt, erläutert Brylka. Es offenbare die Verflechtung von Versorgung, Bevölkerung und Verwaltungseinrichtungen in hoher Detailtiefe.
Aufgabenstellung für das System
Die Kontextualisierung der Versorgungsdaten mit demografischen und institutionellen Informationen liefert Antworten auf entscheidende Fragen: Wo leben viele Menschen auf engem Raum? Wo befinden sich Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Schulen oder Kitas? Welche Standorte versorgen überaus viele Unternehmen? Welche Einrichtungen sind politisch, gesellschaftlich oder wirtschaftlich besonders bedeutsam?
Durch die algorithmische Gewichtung solcher Parameter entsteht ein Gefährdungspotenzial pro Rastereinheit, erklären die Performer. Der dynamische Risikoscore bilde somit die Grundlage für präventive Schutzkonzepte. So kristallisierten sich mittels datengetriebener Evidenz aus zehntausenden Rasterzellen die 20 potenziell gefährdetsten Knotenpunkte der Stadt heraus. Diese möglichst schnell zu sichern, gelte das Hauptaugenmerk. Temporäre Schutzmaßnahmen wie Videoüberwachung, mobile Zäune oder Einsatzkräfte ließen sich zielgenau an neuralgischen Punkten positionieren, berichtet das Unternehmen. Der Fokus verlagere sich weg von flächiger Prävention hin zu konzentrierter und ressourcenschonender Schutzlogik. So das Ziel des Systems.
Reaktion im Krisenfall
Kommt es zu einem Anschlag, etwa auf eine Stromtrasse wie in Berlins Stadtteil Lichterfelde, ermögliche das Rastermodell eine unmittelbare geobasierte Analyse der Auswirkungen. Auf Rasterzellenebene könnten Verantwortliche sofort betroffene Versorgungsstränge erkennen, beeinträchtigte Einrichtungen im Umkreis und wie viele Menschen dort leben. Dies die könnte die Entscheidungsfindung in Krisenstäben beschleunigen und eine punktgenaue Koordination von Evakuierungen, Notstromversorgung oder medizinischer Hilfe ermöglichen, so die Macher.
Ausfallsicherheit erlernen
Städtischer Resilienz nähert sich nur, wer Sabotageakte systematisch aufarbeitet und daraus lernt, sagt Brylka. Die Schadensdokumentation spiele dabei eine Hauptrolle. Mit geointelligenter Begleitung könnte ein lückenloses digitales Profil jeder Rasterzelle entstehen, inklusive ihrer Versorgungsfunktion, Risikoeinstufung und Ereignisgeschichte. So ließen sich Wiederaufbaumaßnahmen priorisieren und standardisieren. Die Identifikation und Ablage von Schwachstellen in der Netzinfrastruktur oder im Sicherheitsdispositiv füttert das lernende, sich kontinuierlich optimierende System, so der Tech-Experte. na



















































