Externer Blick in die GeschäftsbücherNetzbetreiber erzielen Rekordrenditen

Strommast aus Perspektive von unten, schwarz-weiß
Große Verteilnetzbetreiber erzielen hohe Eigenkapitalrenditen – ihre Versäumnisse beim Netzausbau wiegen umso schwerer. (Foto von Jarosław Kwoczała auf Unsplash)

Der Bundesverband neue Energiewirtschaft (bne) hat die Geschäftszahlen der 18 größten Verteilnetzbetreiber untersucht und kommt zu einem Ergebnis, das aufhorchen lässt. Die Unternehmen realisieren sehr hohe Eigenkapitalrenditen.

17.06.2026 – Der Ausbau der Erneuerbaren Energien verlief in den letzten Jahren rasant – ganz anders der Ausbau der Netzinfrastruktur. Sowohl im Übertragungsnetz als auch im Verteilnetz, in dem das Gros der neuen Anlagen angeschlossen wird, sind die Versäumnisse nicht mehr zu übersehen. In Teilen des Verteilnetzes schreitet die Digitalisierung nur im Schneckentempo voran. Der Bau neuer Umspannwerke, Netzverknüpfungspunkte oder auch neuer Leitungen hinkt dem Bedarf hinterher. Batteriespeicher, Erneuerbare-Energien-Anlagen, Industrieprojekte und Rechenzentren warten vielerorts vergeblich auf Netzanschlüsse.

Wer nach den Ursachen fragt, erhält unter anderem die Antwort, man habe zu wenig Geld, die Eigenkapitalrendite sei zu niedrig. Genau darauf wirft die Analyse des bne einen Blick mit dem Ergebnis: während die Netzinfrastruktur an ihre Grenzen stößt, erzielen die größten deutschen Verteilnetzbetreiber traumhafte Renditen.

Eigenkapitalrendite bei durchschnittlich 30,1 Prozent

Die Untersuchung der 18 größten Verteilnetzbetreiber Deutschlands zeigt: Deren marktanteilsgewichtete handelsrechtliche Eigenkapitalrendite lag im Jahr 2024 im Durchschnitt bei 30,1 Prozent. Bereits 2023 betrug sie 16,6 Prozent. Die betrachteten Unternehmen versorgen rund die Hälfte aller deutschen Haushalte und Unternehmen mit Strom.

Besonders hohe Renditen erzielten unter anderem EWE Netz (61 Prozent), Westnetz (45 Prozent), die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom (43 Prozent) und Bayernwerk Netz (38 Prozent).

Die Analyse zeigt zudem, dass die hohen Renditen kein einmaliger Ausreißer sind. Vielmehr erzielen die großen Verteilnetzbetreiber seit Jahren deutlich höhere Erträge als die kalkulatorischen Eigenkapitalverzinsungen vermuten lassen. Laut der kürzlich erschienenen Studie „Kostensenkungspotentiale im Verteilnetz“ von Tim Meyer könnten die Netzkunden perspektivisch um bis zu drei Milliarden Euro jährlich entlastet werden, wenn die tatsächlichen Renditen auf ein angemesseneres Niveau sinken würden.

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Regulierung für Netzbetreiber muss verändert werden

Aus Sicht des bne besteht erheblicher Reformbedarf. Es dürfe nicht sein, dass die großen Verteilnetzbetreiber risikolose Traumrenditen einfahren und zugleich eine massive Netzkrise fortbesteht. Während die Netzentgelte für Verbraucher und Unternehmen seit Jahren steigen, hinkt Deutschland. Bei Netzanschlüssen. bei der Digitalisierung der Netze, bei der Standardisierung von Netzanschlussprozessen sowie beim Smart-Meter-Rollout hinterher. Projektierer berichten regelmäßig von langen Bearbeitungszeiten und fehlender Transparenz.

Zwingend sei daher eine stärkere Ausrichtung der Regulierung zum einen auf die realen Gewinne sowie die diesen gegenüberstehende tatsächliche Leistung der Netzbetreiber. Dazu gehören mehr Transparenz über Kosten und Gewinne, eine konsequente Kostenkontrolle, schnellere und bundesweit einheitliche Netzanschlussverfahren sowie stärkere Anreize für Digitalisierung und intelligente Netznutzung.

„Wer in einem regulierten Monopolmarkt hohe Renditen erzielt, muss mindestens auch bei Netzausbau, Digitalisierung und Kundenservice liefern. Die aktuelle Netzkrise zeigt, dass genau hier erheblicher Nachholbedarf besteht“, betont bne-Geschäftsführer Robert Busch.

Kommunen und Eon sind Nutznießer

Wer fragt, wo das Geld landet, wird unter anderem bei den Kommunen fündig. Für sie sind Beteiligungen an Stadtwerken und Energienetzen ein wichtiger Baustein der kommunalen Finanzen. In einzelnen Fällen kann die Abhängigkeit groß sein. Über ihre Stimmrechte bestimmen die Kommunen mit über die Höhe der Ausschüttungen, die sie dann für andere kommunale Projekte verwenden.

Ein großer Energieversorger profitiert ganz besonders: im Falle von Westnetz, EDIS Netz, Mitnetz Strom, Bayernwerk Netz und anderer ist das der Eon-Konzern, zu dem diese Gesellschaften gehören. EWE Netz hat mehrheitlich kommunale Anteilseigner, ähnlich wie viele kleinere Netzbetreiber örtlich in der Kommune verankert sind.

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Die Eigenkapitalrendite wurde handelsrechtlich ermittelt – konkret durch Division des Betriebsergebnisses (EBT) durch das ausgewiesene Eigenkapital. Auch hier beziehen sich die Werte jeweils auf die Elektrizitätsverteilung. Da das Betriebsergebnis oder das Ergebnis der Geschäftstätigkeit nicht überall angegeben wurden, wurde hier bevorzugterweise der EBT Wert vor Steuern verwendet. Wenn auch dieser nicht gegeben war, wurde das Ergebnis nach Steuern zuzüglich der angegebenen Steuern verwendet. pf

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