Strompreise Deutschland: Verteilnetzbetreiber machen hohe Renditen auf Kosten der Stromkunden

Einige der größten Verteilnetzbetreiber, die rund die Hälfte aller Stromkunden in Deutschland beliefern, erzielen seit Jahren enorme Renditen auf Kosten von Millionen von Stromkunden – das zeigt eine Analyse des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft.
09.07.2025 – Im Jahr 2023 lag die durchschnittliche Rendite der Verteilnetzbetreiber auf das eingesetzte Eigenkapital bei 20,2 Prozent, stellt der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) in seiner aktuellen Analyse fest. Besonders auffällig: Einzelne Netzbetreiber wie EWE Netze (50 Prozent), Pfalzwerke Netz (39 Prozent) oder Westnetz (27 Prozent) verzeichnen demnach teils übermäßig hohe Gewinnmargen trotz ihres monopolistischen und damit risikoarmem Geschäftsmodells, das eigentlich strenger Regulierung unterliege.
„Diese Gewinne sind in offensichtlich zu hohen Netzentgelten begründet und sie belasten Haushalte wie Unternehmen gleichermaßen“, erklärt bne-Geschäftsführer Robert Busch. „Wenn Netzbetreiber derartige Renditen erzielen können, dann läuft im Regulierungsrahmen etwas grundsätzlich schief.“
Mit der Anreizregulierung sind kalkulatorische Renditen zwischen fünf Prozent und sieben Prozent vorgesehen. Tatsächlich erwirtschaften die VNB laut bne-Analyse regelmäßig weit höhere Renditen, die sich nicht allein durch gutes Wirtschaften erklären ließen. Das gelinge etwa dadurch, dass Netzbetreiber beispielsweise Kosten bereits im Basisjahr künstlich erhöhten, von zweifacher Inflationsanpassung profitierten und hunderte Millionen Euro an Gewerbesteuer in die Netzentgelte einpreisen, obwohl sie diese tatsächlich gar nicht zahlen, kritisiert der Verband.
Aktuell arbeitet die Bundesnetzagentur (BNetzA) im NEST-Prozess an einer umfassenden Reform der Netzregulierung, die Finanzierung und Effizienz der Stromnetze künftig neu ordnen soll, berichtet der bne weiter. Anders als man nun erwarten könnte, werde dort sogar eine weitere Erhöhung der zugeteilten Mittel an die VNBs etwa durch die Einführung eines Zinsbonus auf Baukosten- und Investitionszuschüsse diskutiert.
„Angesichts der unstreitig anstehenden Investitionen in Netzausbau und Netzdigitalisierung und der politischen Diskussion um den Anstieg der Netzentgelte, kann es nicht sein, dass derartige Traumrenditen an die Eigentümer durchgereicht werden“, sagt Busch. „Die Netzagentur muss endlich dafür sorgen, dass die risikolosen Monopolrenditen auf ein angemessenes Maß zurückgestutzt werden. Die dann immer noch auskömmlichen Einnahmen sollten für die notwendigen Investitionen genutzt werden. Das EnWG fordert dafür den bedarfsgerechten Ausbau ein“.
Der bne fordert deshalb im Rahmen des NEST-Verfahrens eine umfassende Reform der Netzregulierung durch die BnetzA. Ziel müsse es sein, die tatsächliche Leistung gegenüber Netzkunden zum Maßstab für zulässige Renditen zu machen.
Die zentralen Vorschläge:
- Transparenz und Prüfung: Es braucht eine transparente und strenge Kostenprüfung bei den Netzbetreibern. Es dürfen tatsächlich nur solche Kosten anerkannt werden, die auch im Wettbewerb anfallen würden. Zudem sollten die Netzbetreiber künftig ihre realen Eigenkapitalrenditen veröffentlichen. Hierzu sollte die Bundesnetzagentur eine Transparenzseite einrichten.
- Regulierungsreform: Viele renditesteigernde Praktiken sind gesetzlich erlaubt z. B. doppelter Inflationsausgleich. Die BnetzA muss stärker im Sinne der Verbraucher agieren und übermäßige Gewinne unterbinden.
- Leistungsabhängige Rendite: Künftige Renditen müssen an konkrete Leistung gekoppelt werden – etwa effiziente gemeinschaftliche Netzführung und Digitalisierung, kundenfreundliche Prozesse und einheitliche technische Vorgaben. Wer hier versagt, darf nicht unbehelligt als Monopol weiterverdienen.
Wenn diese Punkte nicht adressiert werden, drohe Deutschland dauerhaft mit überhöhten Netzentgelten und mangelnder Leistungsfähigkeit konfrontiert zu sein – einfach aufgrund einer mangelhaften Grundlage der Regulierung der Netzbetreiber, warnt der bne. na





















































Kommentare
Volker Weitz am 10.07.2025
Diese und zukünftige Missstände wurden schon vor Jahren in dem Sachbuch – Warum wir versagen im Kampf gegen den Klimawandel – beschrieben –. Geändert hat sich nichts, obwohl dieses Buch wegweisende Lösungen aufzeigte. Dies ist nicht nur schlimm, sondern dramatisch, weil der Klimawandel sich immer schneller entwickelt. Auch dies wurde in dem Sachbuch schon vor Jahren vorausgesagt und fachlich begründet.
Diese Entwicklung wird allerdings erst jetzt durch die Klimaforschung bestätigt, wodurch uns viele Jahre an Vorbereitungszeit verloren gehen.
Ausschnitt: Spiegel-Artikel (Autor Christian Stöcker)
Unterdessen hat eine internationale Studie eines riesigen Forschungsverbundes etwas sehr Beklemmendes gezeigt: Die Erwärmung beschleunigt sich. Sie verläuft nicht linear, die Kurve ist nach oben gekrümmt . Es passiert alles noch schneller als erwartet. Das heißt auch: Die Gletscher schmelzen schneller, der Meeresspiegel steigt schneller, Extremwetterkatastrophen werden beschleunigt, häufiger und heftiger, das Wasser wird schneller knapp. Es ist schon jetzt viel zu viel überschüssige Energie in der Atmosphäre, und es wird ständig schlimmer