Rumänien schafft Flexibilität im EnergiesystemVerzicht auf Stromverbrauch wird vergütet

Abendämmerung, Umrisse eines Stadions mit geschwungenem Dach, im Hintergund eine Stadt und Berge
Die Cluj Arena in Cluj Napoca. Die Stadt gilt als das Silicon Valley Rumäniens. (Foto: Tamas Pap auf Unsplash / Unsplash Lizenz)

Rumänien begegnet dem nationalen Energienotstand mit einer Maßnahme für mehr Flexibilität. Wenn Verbraucher in Spitzenlastzeiten ihren Verbrauch drosseln, können sie eine Vergütung erhalten. Eine entsprechende Verordnung trat diese Woche in Kraft.

28.08.2026 – Die Nationale Energieregulierungsbehörde (ANRE) setzte am Mittwoch dieser Woche eine Verordnung in Kraft, die es Stromverbrauchern ermöglicht, vom Stromsparen in Zeiten der Spitzenlast im Stromnetz zu profitieren. Die Verordnung 54/2026 über den Mechanismus für den Einkauf der Systemdienstleistung für die Flexibilität des steuerbaren Verbrauchs sieht vor, dass der Betreiber des nationalen Übertragungsnetzes Transelectrica Stromkunden die freiwillige Reduzierung ihres Elektrizitätsverbrauchs vergütet. Voraussetzung zur „Teilnahme am Systemdienst für steuerbare Verbrauchsflexibilität“ ist ein Stromzähler, der eine Datenübertragung aus der Ferne ermöglicht.

ANRE sieht Verbraucherflexibilität als „neue Ressource im Energiemarkt“ an. Ihre Einführung geschieht während des nationalen Energienotstands, den die rumänische Regierung für den Monat August ausgerufen hat. Aus Mangel an Kühlwasser aufgrund des niedrigen Wasserstands der Donau mussten die rumänischen Behörden das AKW Cernavodă vom Netz nehmen. Damit fehlt dem rumänischen Elektrizitätssystem ein Fünftel seiner Erzeugungskapazität.

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Es kann effizienter sein, den Bedarf freiwillig zu reduzieren

Mit dem neu eingeführten Marktmechanismus will ANRE in Krisensituationen aufgrund von Produktionsausfällen und Ressourcenknappheit eine bessere Ausbalancierung des Stromnetzes und Senkung der Stromkosten erreichen. Für den Zeitraum einer erforderlichen Verbrauchsreduzierung führt der nationale Übertragungsnetzbetreiber eine Auktion durch, an der Verbraucher und Lieferanten freiwillig teilnehmen können. Sie sollen ihm Angebote zur Reduzierung ihrer Verbrauchsmengen unterbreiten und dafür Vergütungsvorstellungen nennen. Transelectrica kann dann günstig erscheinende Angebote auswählen, bis die notwendige Verbrauchsreduzierung erreicht ist.

ANRE-Präsident George Niculescu begründet die Einführung des neuen Marktmechanismus in einer Presseerklärung folgendermaßen: „Bisher haben wir den Systemausgleich vor allem aus Produktionssicht betrachtet: Benötigen wir mehr Energie, erhöhen wir die Produktion. Mit diesem Mechanismus führen wir nun auch die andere Seite der Medaille ein: Gelegentlich kann es effizienter und kostengünstiger sein, den Bedarf freiwillig zu reduzieren.  So wandeln wir die Verbraucher von passiven Teilnehmern in aktive Partner des nationalen Energiesystems um. Es handelt sich um ein Marktinstrument, das auf Wettbewerb und der wirtschaftlichen Entscheidung jedes Teilnehmers basiert.“

Mit der neuen Verordnung zur Verbraucherflexibilität folgt ANRE dem im Jahr 2022 in Spanien eingeführten „aktiven Lastmanagementdienst“. In seinem Rahmen honoriert der nationale Netzbetreiber Red Eléctrica Stromkunden dafür, dass sie bei „Netzstress“ ihren Verbrauch senken. Auf diese Weise konnte bereits bei der ersten Auktion im Oktober 2022 eine Stromlast von rund 497 Megawatt eingespart werden, die jeweils mit 69,97 Euro pro Megawatt vergütet wurden.  Frank Stier

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