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Der Wärmesektor braucht starke und schnelle Impulse

Logo zur FVEE-Jahrestagung 2015 in Berlin – Forschung für die Wärmewende. (Bild: © FVEE)
Logo zur FVEE-Jahrestagung 2015 in Berlin – Forschung für die Wärmewende. (Bild: © FVEE)

Die Wärmewende hinkt den Anforderungen für die bis 2020 gesteckten Ziele bedenklich hinterher. Auf der aktuellen FVEE-Wärmetagung werden neue Strategien und Modelle vorgestellt, um die Wärmewende technisch, wirtschaftlich und politisch umzusetzen.

04.11.2015 – Auf der Jahrestagung zum 25. Jubiläum des ForschungsVerbunds Erneuerbare Energien (FVEE) am 3. und 4. November im Berliner Umweltforum diskutieren Energieforscher auch heute wieder über die spezifischen Hürden im Wärmesektor und zeigen neue Wege auf. Die beteiligten Verbände fordern mehr Engagement der Politik im Wärmesektor sowohl durch den Ausbau von Forschung und Entwicklung als auch durch verbesserte Rahmenbedingungen für die beschleunigte Einführung von Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz. Die Bundesregierung hat das Ziel gesetzt, den Anteil Erneuerbarer Energien für Wärme und Kälte bis zum Jahr 2020 auf 14 Prozent zu erhöhen. Bisher sind davon noch nicht einmal 11 Prozent erreicht. Die Wissenschaftler und Branchenexperten finden das besorgniserregend.

„Die Entwicklung ist enttäuschend, sowohl im Bereich der Nutzung Erneuerbarer Energien im Wärmesektor als auch der Sanierungsrate“, so Gerhard Stryi-Hipp vom Fraunhofer ISE, Leiter des zuständigen Fachausschusses, Die Institute im FVEE haben daher die Entwicklungspotenziale der einzelnen Wärmeerzeugungstechnologien sowie die Herausforderungen und Chancen, die sich aus dem Zusammenspiel der Wärmetechnologien mit den Sektoren Strom und Verkehr ergeben, zwei Jahre lang weiter untersucht und das Positionspapier Erneuerbare Energien im Wärmesektor – Aufgaben, Empfehlungen und Perspektiven dazu herausgegeben.

„Es geht nicht mehr um technische Einzellösungen, sondern um eine Optimierung des gesamten Energiesystems, in dem sich die verschiedenen Erneuerbaren Energien über die Sektorengrenzen hinweg sinnvoll ergänzen“, so der wissenschaftliche Tagungsleiter Professor Vladimir Dyakonov vom ZAE Bayern „Auch alle jetzt zu startenden Aktivitäten im Wärmesektor brauchen diese systemische Herangehensweise.“ Betrachtet wird die Anwendung von Effizienzkomponenten, wie Wärmedämmung, thermischen Speichern und Wärmepumpen.

„Der Wärmemarkt zeichnet sich durch eine hohe Heterogenität und Komplexität aus“, sagt Gerhard Stryi-Hipp. Das betreffe Technologien, Investoren und Anwendungen. Nur mit einem Bündel von Maßnahmen könne das erfolgreich stimuliert werden. Und der Wärmemarkt ist lange noch nicht ausreichend erforscht, das Innovationspotenzial bei den erneuerbaren Wärmetechniken ist noch groß, so der Konsens der Wissenschaftler. Vor allem müsse der Wärmemarkt konkurrenzfähiger werden, um dem Erneuerbare-Energien-Markt, der vor allem auf dem Stromsektor stattfindet, standzuhalten, und es gelte beide Märkte sinnvoll zu verknüpfen.

Doch auch die ordnungsrechtlichen Hürden sind noch hoch. Eine Verstärkung der politischen Aktivitäten in diese Richtung müsse verstärkt werden. Noch werde der Markt zu wenig verstanden, so Stryi-Hipp Der Wärmemarkt sei sehr heterogen, viel mehr als der Strommarkt. Das mache auch eine Koordination und Vermittlung schwieriger. Es gelte das Systemverständnis zu stärken, Strukturen und Ziele deutlich zu machen um das Gesamtenergiesystem zu verstehen. Hier schlummern große ungenutzte Potenziale. Die einzelnen Akteure wüssten oft nicht, wo sie sich positionieren sollen, häufig fehle noch die Infrastruktur und eine Standard-Empfehlung gebe es ohnehin nicht. Daher gelte es, die Balance zu finden, so Stryi-Hipp. Für die Implementierung der Erneuerbaren Energien war der Stromsektor eine gute Übung, der Wärmesektor sei nun der Königsweg.

Die erwarteten Einsparungen in der Praxis erfüllten häufig nicht die Erwartung, so Professor Dyakonov, das verunsichere Investoren. Das Monitoring solle deshalb ausgeweitet werden um hier mehr Sicherheit zu schaffen und das Kosten-Nutzen-Verhältnis transparenter zu machen. Wichtig sei es auch, die Transportverluste von Wärme aus dem Keller zu vermeiden, hier schlummert ein großes Potenzial das einfach zu nutzen wäre.

Zielgröße müsse es bleiben, die CO2-Emmissionen zu reduzieren, so Professor Rolf Brendel, wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Solarenergieforschung (ISFH). Man solle doch einfach beginnen und die kostengünstigsten Dinge zuerst anpacken. Von der Politik müssten steuerliche Vergünstigungen kommen um den Sanierungsstau aufzulösen, sonst entstehen später höhere Kosten. Langfristige Gesetze müssen Investitionssicherheit gewährleisten, man müsse die Entscheider im Blick behalten und die Regularien entsprechend treffen. Die Erneuerbaren Energien sollten verstärkt in den Wärmemarkt eingebracht werden. na


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